(openPR) Prostatakrebs-Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor profitieren von einer kombinierten Strahlenbehandlung. Dabei wird der Tumor sowohl von innen mittels HDR-Brachytherapie als auch von außen bestrahlt. Bei gleichbleibender Lebensqualität ist die Heilungsrate der Kombinationstherapie nach dem Vergleich aktueller Studien der operativen Entfernung der Prostata überlegen.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 58 000 Männer an Prostatakrebs. Damit steht die bösartige Erkrankung der Vorsteherdrüse an Platz eins der Krebsstatistik bei der männlichen Bevölkerung, vor Lungen- und Darmkrebs. Dank verbesserter Früherkennungsmethoden mit PSA -Test, Ultraschall- und Tastuntersuchung werden immer mehr Tumore in einem frühen Stadium entdeckt: Der Krebs ist auf den Bereich der Prostata begrenzt und hat noch keine Absiedelungen in anderen Organen gebildet. In einigen Fällen wird bei der Gewebeentnahme allerdings festgestellt, dass die Ausbreitung des Tumors bereits weiter fortgeschrittenen ist. Sind erste Anzeichen einer Durchdringung der Prostatakapsel erkennbar, ohne dass Lymphknoten- oder Knochenmetastasen vorhanden sind, spricht man von einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom.
„Die wirksamste und sinnvollste Behandlung bei fortgeschrittenem oder aggressivem Prostatakrebs ist das HDR-Afterloading kombiniert mit einer äußeren Bestrahlung“, erklärt Dr. Pedram Derakhshani auf der diesjährigen Tagung der Urologen in Stuttgart. Die HDR-Brachytherapie ist eine Bestrahlung von innen, bei der spezielle Hohlnadeln in die Prostata eingesetzt werden. Nach einer computergetützten Bestrahlungsplanung fährt eine hochaktive Strahlenquelle in die implantierten Nadeln und bestrahlt den Tumor direkt vor Ort. „Der Strahler wird an exakt berechneten Punkten für eine bestimmte Zeit fokussiert. So kann eine optimale Dosisverteilung erreicht werden“, erklärt Derakhshani. Diese Behandlung erfolgt 2 bis 3 Mal unter einer Kurznarkose jeweils im Abstand von 1 Woche.
Innere und äußere Bestrahlung: eine effektive Kombination
Das Afterloading-Verfahren wird meist mit einer äußeren Bestrahlung kombiniert. „Damit gehen wir sicher, dass auch die Randbereiche der Prostata, wo sich Tumorzellen ansiedeln können, bestrahlt werden“, so der Kölner Urologe. Jedoch könne die Strahlendosis wegen der zusätzlichen und hochdosierten inneren Bestrahlung deutlich verringert werden. Strahlenbedingte Komplikation an Enddarm und Harnblase werden für den Patienten dadurch stark vermindert.
In einer aktuellen Studie1 des Westdeutschen Prostatazentrums konnte gezeigt werden, dass eine kombinierte Strahlentherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom zu einer hervorragenden Heilungsrate führt und gleichzeitig nicht die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigt. Dazu wurden Nebenwirkungen und Lebensqualitätsparameter von 416 Patienten, die zwischen 2003 und 2006 im WPZ eine HDR-Brachytherapie plus äußere Bestrahlung erhielten, anhand standardisierter Fragebögen bewertet. „Die Nebenwirkungen der kombinierten Strahlentherapie sind sehr gering“, sagt Derakhshani. „Mitunter kann es zu lokalen Reizungen von Blase und Darm kommen. Unmittelbar nach dem Eingriff klagen zudem viele Patienten über häufiges Wasserlassen.“ Allerdings verschwinden die Beschwerden in der Regel nach 6 bis 12 Monaten vollständig. Darüber hinaus konnte beim Vergleich mehrerer Studien hinsichtlich der Wirksamkeit die Überlegenheit der kombinierten HDR-Brachytherapie gegenüber der operativen Entfernung der Prostata beobachtet werden. Hinzu kommen deutlich geringere Inkontinenz- (< 1-3%) und Impotenzraten (20 – 40%).
Ein weiterer Pluspunkt: Die Patienten sind in der Lage berufliche und private Aktivi-täten schon nach zwei Tagen wieder aufnehmen. Derakhshani: „Bei der HDR-Brachytherapie handelt es ich um einen kleinen schonenden Eingriff, der in der Regel kurzstationär durchgeführt wird und für den Patienten nur eine geringe Belastung darstellt.“
1Prospektive Erfassung von Lebensqualität und Toxizität der HDR-Brachytherapie als interstitieller Boost bei der Behandlung des Prostatakarzinoms
Derakhshani P1,2, Neubauer S1,2, Weise C1,3, Spira G1,3
(1) Westdeutsches Prostata Zentrum, Klinik am Ring, Köln
(2) Urologische Abteilung, Klinik am Ring, Köln
(3) Radioonkologische Abteilung, Klinik am Ring, Köln










