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Die Sprache neu buchstabieren ...

24.07.200811:18 UhrKunst & Kultur

(openPR) Das abc-Festival 2008 nahm ein Wochenende die Stadt Augsburg ein.

Nach der fulminanten Auftaktfeier mit der bereits legendären Eröffnungsrede, in der Daniel Kehlmann Brecht für die geringe literarische Qualität seiner politische Schriften rügte, folgte von Freitag bis Samstag ein Reigen an literarischen, musikalischen und auch sportlichen Veranstaltungen.


Hier ein Streifzug:
Dass die Literatur schwerpunktmäßig in Form von poetry slams abgehandelt wurde, entspricht dem gegenwärtig verbreiteten Schaffensprozess, der in die Entstehung von Kunst ganz wesentlich den Rezeptionsvorgang mit hineinnimmt. Literatur wird mit dem ganzen Körper performt und ist stark auf Publikumswirksamkeit ausgelegt.
Doch das muss geübt werden! Die Ergebnisse von drei workshops zeigten Schüler bereits am Freitagvormittag. Ob performance poetry, rap poetry oder story telling – das Niveau der Darbietungen war recht unterschiedlich. Die Themen reichten von einer Hommage an Augsburg, der Unterscheidung von Rauchern und Nichtrauchern über die Rachegedanken aufgrund eines zertretenen Brötchens bis zu den Gefühlen eines Mädchens, das sich als Nebenbuhlerin sieht, und einem Beziehungstraum.
Spannender war da schon der große abc poetry slam, in dem die besten deutschsprachigen Slam-Poeten in der ersten Runde einen Brecht-Text vortrugen und in der 2. Runde diesen jeweils in eigenen Texten verarbeiteten. Deutliche und verdiente Siegerin: Peh. Keineswegs stimmte sie ihrer Vorlage der „Ballade von der Billigung der Welt“ zu!
Spektakulär dann am Sonntag „Slam Poetry Hoch 2“: Die besten Poesie-Ensembles der Welt begeisterten das dicht gedrängte Publikum im Capitol.

Wenig Besucher zog das Theaterstück „O homem ideal“ / „Ein idealer Mann“ von Evaristo Abreu (Mosambik) im Stadttheater an. Leider wurde der Plan aufgegeben, direkt in Augsburg ein Stück zu entwickeln, und so konnte die Adaption eines bereits bestehenden Werkes die Distanz zu den Zuschauern kaum überwinden; am stärksten wirkten Abreus eingeschobene Ausführungen.

In „Brecht und das abc der Ghettos“ gab der Schauspieler Lambert Hamel nach pointierter Einführung durch Brecht-Forscher Jan Knopf durch Lesung aus Brecht-Dramen die Themen vor. Im Text des Rappers Torch spricht das Geld – es lässt Werte, Recht und Gesetz vergessen; es erinnert aber: „Helfen kann ich auch, doch es liegt in deiner Hand.“ Gesine Danckwart zeigt, dass die moderne Welt nicht mit ideologischen Formeln zu bewältigen ist. Die Ausführungen von Thomas Druyen lösen eine Diskussion über „Vermögenskultur“ aus – für ihn stellt sich die Frage, was die Vermögenden für Gesellschaft, Umwelt etc. leisten. Er wehrt sich gegen das Bild der „bösen Reichen“ – bei Brecht kann sicher nicht von einer Philanthropie der Reichen gesprochen werden.

Im übervollen Augustana-Saal zu „Brecht und das abc der Genüsse“ konnte Albert Ostermeier das Gerücht dementieren, das Festival sei nicht in Augsburg angekommen.
Udo Wachtveitl bezweifelte, dass heutige Städte noch ein Fundus für Brecht sind, so behaglich, geordnet, sauber sie sind; die Dramen finden jedoch inwendig, psychisch statt. Zukunftsvisionen lassen sich vielleicht durch die sterbenden Städte entwickeln. Für Maxim Biller gehen Vernunft und Genuss nicht zusammen; Stefan Gabányi sieht den urbanen Hedonismus stark im Rückzug; die Leute wollen zeigen, dass sie etwas leisten.

Bei „Brecht und das abc der Religion“ bewiesen die Podiumsteilnehmer recht unterschiedliche Haltung und Auseinandersetzung. Während Jochen Schmidt den Glauben als psychologische Lösung und ersetzbar durch Literatur sieht, erkennt Armin Kratzert einen Mehrwert der Religion. Jochen Wagner (evang. Pfarrer, Referatsleiter an der Evang. Akademie Tutzing) zeigt auf, dass Dogma und Konsum, die beiden im Brecht-Gedicht „700 Intellektuelle beten einen Öltank an“ rezitierten Themen, in den Abgrund führen. Glaube bedeutet für ihn, die Verbindung nach oben (zu Gott) seitwärts (in Richtung der Mitmenschen) zu leben. Die Frage des Moderators Maxim Biller, ob es in 30 Jahren mehr oder weniger Gott geben werde, beantwortet er mit dem Verweis darauf, dass es um mehr Menschlichkeit geht.
Als Fazit kann man das ABC-Festival sicherlich als eine vielseitige und wertvolle Bereicherung des Augsburger Kulturlebens sehen.

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