(openPR) Der einfachste und schnellste Weg für einen Medizinstudenten, während seines Studiums ein anderes Land und gegebenenfalls ein anderes Gesundheitssytems kennenzulernen, ist und bleibt die Famulatur im Ausland. Man hat ein oder zwei Monate Zeit, man ist in einer Klinik oder Praxis, man muss sich evtl. in einer fremden Sprache verständigen und kann gleichzeitig das Land und die Leute kennenlernen. Wie eine Famulatur in Irland abläuft, was anders ist und was man beachten sollte, das alles könnt ihr im folgenden Artikel lesen.
„Famulieren in Irland“
Irland- die grüne Insel. Klee und Kobolde und keltische Musik. Grüne Hügelgräber und uralte Gemäuer. Das war so ziemlich alles was ich mir unter Irland vorstellen konnte, bevor ich im März eine Famulatur dort absolvierte. Ich möchte euch einen Erfahrungsbericht liefern und allen, die sich für eine Famulatur in Irland interessieren, einen Leitfaden zu allem wichtigen geben.
Bewerbung:
Die Bewerbung war nicht weiter schwierig. Zugegebenermaßen habe ich den Vorteil genossen, persönliche Bekannte vor Ort zu haben, die mir bei der Krankenhauswahl und der Bewerbung geholfen haben. Selbige haben mir ein kleines Krankenhaus in Mullingar in den Midlands empfohlen, welches neben Physikumszeugnis und Lebenslauf ein Letter of motivation zugesandt haben wollten (es ist auch immer gut, zu erklären, was eine Famulatur überhaupt ist- eine englische Defintion findet ihr auf der Lehre Seite der Charité unter „downloads“). Als das getan war, bekam ich auch schon rasch die Antwort, dass alles klappt und sie sich freuen, mir im März einen Famulaturplatz zu stellen.
Unterkunft:
Da ich über Freunde nach Mullingar gekommen bin, bin ich für eine Warmmiete von 300 euro bei Bekannten von letzteren untergekommen. Da oft Medizinstudenten aus Dublin in ganz Irland ihre „rotations“ (wie eine Famulatur, nur theoretischer und fester Teil des Studiums- ersetzt unsere UaK Kurse) machen, gibt es auch Unterkünfte zu Studentenpreisen in Nähe des Krankenhauses, meist in Form von Bed&Breakfast´s. Wobei „Nähe“ immer relativ ist. Ich bin jeden Tag 40 Minuten zum Krankenhaus gelaufen, und das fiel allerseits unter die Kategorie „nah“. Wenn man kein Auto hat, muss man längere Fussmärsche in Kauf nehmen, aber man gewöhnt sich an alles, und so ein täglicher Spaziergang an der guten frischen Landluft hat ja auch was.
Das Land:
Wer etwas länger in Irland verbringen möchte, sollte wasserfest sein. Es regnet jeden Tag. Mindestens einmal. Also Regenschirm besorgen und sich damit anfreunden, dass der Himmel für gewöhnlich weiß ist. Wenn sich die Sonne aber herauswagt, ist die Landschaft von atemberaubender Schönheit. Grüne Hügel, von sehr alten Mauern durchzogen, die früher einmal die Lordschaften abgrenzten, ab und an ein Flüsschen. Die Towns sind passend dazu winzig und lebendig. Man muss dazu anmerken, dass ganz Irland insgesamt soviele Einwohner hat wie Berlin: 4 Millionen. Es ist ein kleines Land, mit ensprechend kleinen Städtchen. Diese haben in jeder Straße mindestens einen Pub, in dem man vortrefflich mit Freunden einen lustigen Abend haben verbringen kann. Häuser sind meist bunt gestrichen und grundsätzlich nicht höher als Bäume (und Bäume wachsen dank des steten Windes nicht sehr hoch...). Alles in allem sehr sehenwert.
Die Leute:
Ich habe die Iren sehr schnell auf Platz eins meiner persönlichen Hitliste der gastfreundlichsten Menschen gesetzt. Die meisten haben immer ein Lächeln auf den Lippen, und es ist völlig normal, im Krankenhaus (und zum Teil auch auf der Straße) alle zu grüßen, die einem über den Weg laufen, ob nun Schwester, Putzfrau, Bauarbeiter oder Arzt. Das tut man für gewöhnlich sehr gern mit „how are you?“ oder „how are things?“. Je nach Betonung erkundigt man sich dabei nach dem Befinden des Angesprochenen oder möchte ihn so einfach nur grüßen. Der irische Akzent ist bei den meisten Leuten nur schwach ausgepägt, sodass das kein Kommunikationsproblem darstellt.
Wenn man irgendwo eingeladen wird, kann man damit rechnen, dass es Essen gibt, und das nicht zu knapp: Irische Familien essen gut, viel und gerne. Fünf bis zehn Kinder sind keine Seltenheit und es ist allen wichtig, die ganze Familie (samt Onkel, Tanten, Großeltern...) oft zu sehen. Bei diesen Gelegenheiten treffen alle zusammen und es wird für gewöhnlich reichlich gegessen, getrunken und gelacht. Überhaupt ist das Konzept der Familie sehr wichtig in Irland, dabei spielt Religion keine unwesentliche Rolle: Irland ist ein sehr katholisches Land und das merkt man auch. Schockierend aber wahr: Abtreibung ist dort illegal.
Das Klinikleben:
Das Krankenhaus in dem ich famuliert habe war das Mullingar Regional Hospital und wird allgemein als eines der besseren Krankenhäuser in Irland angesehen. Die großen Kliniken befinden sich alle in Dublin, dort befinden sich auch die Labors für die kleineren Klinken des Landes (Proben müssen alle eingeschickt werden).
Bei meiner Ankunft konnte ich mir aussuchen, auf welcher Station ich famulieren möchte; ich entschied mich für die Pädiatrie. Wie ich sehr schnell merkte, läuft in Irland alles sehr viel lockerer als bei uns. Der Tag begann für mich um 9:00 mit der Visite. Diese dauert im Mittel zwei Stunden. Bevor man das Zimmer betritt wird die Akte studiert, die wichtigsten Fakten zu dem Patienten durchgegangen und das weitere Vorgehen besprochen. Es wird sich dann für jedes Kind und seine Eltern genug Zeit genommen, um sowohl eine körperliche Untersuchung machen zu können, als auch alle Fragen beantworten zu können.
Infektion ist eine große Angst der irischen Gesundheitseinrichtungen. Es wird extrem auf Hygiene geachtet, überall hängen ermahnende Informationsplakate zur korrekten Händedesinfektion, sogar im Fernsehen läuft ständig Infowerbung. Also denkt an Prof Rüden und sein Gebetsmühlenartiges „Händedesinfektion!!“ (manche werden sich erinnern).
Ein weiterer Punkt der in irischen Kliniken sehr ernst genommen wird, ist die Fortbildung ihres Personals. Mehrmals wöchentlich treffen sich Ärzte und Schwestern, um die neuesten Publikationen zu diskutieren. Jede Woche stellt jemand ein Thema vor, dass dann gemeinsam erarbeitet wird. Zeitdruck scheint es dabei (und auch sonst) nicht zu geben, wenn es etwas zu besprechen gibt, dann wird das eben gemacht.
Man darf sich durch die geringe Größe des Krankenhauses nicht täuschen lassen: es gibt viel zu sehen und viele sehr interessante Fälle. Da es in Irland nicht so viele Krankenhäuser gibt, kommen auch in das kleinste Haus alle Fälle im Umkreis von 50 km. Asthma, zystische Fibrose und Zöliakie sind häufige Erkrankungen, ansonsten habe ich vom Neuroglioblastom über Hämolytisch urämischen Syndrom bis Von-Hippel-Lindau Syndrom wirklich eine Menge zu sehen bekommen.
Im Allgemeinen ist das ärztliche Personal sehr freundlich und bereit, Wissen und praktische Fähigkeiten zu vermitteln. Als Famulantin habe ich die meiste Zeit nicht auf Station verbracht, sondern im sog. „out patients department“. Dort werden Patienten behandeln, die einen Termin haben (wie in einer Praxis). Nach der ersten Woche durfte ich bereits selbst Patienten aufnehmen und untersuchen, immer nach Rücksprache mit dem anwesenden Arzt. Man lernt eine Menge, wenn man plötzlich ins kalte Wasser geworfen wird und alleine vor dem Patienten steht, besonders in der Kinderheilkunde. Ich bin sehr viel sicherer im Aufnehmen einer Anamnese auf englisch geworden, sowie im Umgang mit den kleinen Patienten und ihren Eltern.
Fazit:
Ich hatte eine sehr gute Zeit während meiner Famulatur in Irland. Ich kann es allen empfehlen, die mal ein anderes System kennenlernen wollen, eine Menge auf dem medizinischen Bereich mitnehmen wollen und trotzdem viel Spaß haben wollen. Alles in allen eine wirklich tolle Erfahrung, sowohl fürs Studium, als auch fürs Leben.















