(openPR) Zu den großen Falschmeldungen, die über die Kunst im Allgemeinen und über Künstler im Besonderen kursieren, gehört auch diese: Christo ist ein „Verpackungskünstler“. Wenn, so wäre er ein Künstler, der „verhüllt“. Aber auch dies benennt nicht das Wesentliche seiner Arbeiten. Man denke nur an seine spektakuläre Arbeit im Gasometer Oberhausen (1999), wo eine Mauer aus 13.000 ausrangierten Ölfässern das gigantische Bauwerk im Innern beherrschte, oder an die sehr frühe Arbeit „Der eiserne Vorhang“ (1962), hier versperrten ebenfalls Ölfässer die Rue Visconti in Paris. Nein, wichtig für das Verständnis dieser und anderer Arbeiten von Christo ist etwas völlig anderes. Wichtig ist allem voran die Zeit: die Zeit – manchmal Jahrzehnte –, die seine Arbeiten benötigen, bis sie realisiert werden können, weil Politik, die Gesellschaft noch nicht reif dafür sind; die Zeit, die seine Aktionen und Installationen dann tatsächlich sichtbar, erlebbar sind (im Falle der Rue Visconti waren es ganze 8 Stunden, im Gasometer Oberhausen immerhin 6 Monate); die Zeit, in der man nach dem Ende der Arbeiten, ihrem Abbau noch über sie spricht, sich ihrer anhand von Ausstellungen und Bildern und Erlebnisberichten an sie erinnert. – Christo macht sichtbar. In der Zeit, die ein Projekt benötigt, bis es realisiert werden darf, führt er der Gesellschaft, für die das Kunstwerk gedacht ist, ihre eigene Begrenztheit, ihre eigene Langsamkeit, ihre eigene Fantasielosigkeit vor Augen (siehe das wunderbare Projekt „Verhüllter Reichstag“, mehr als 20 Jahre haben die Diskussionen und Vorbereitungen gedauert, am Ende stimmte gar das Parlament über Für und Wider dessen ab, was dann 1995 für nur 14 Tage die Welt bewegte). In der Zeit, in der seine Werke körperlich existieren, unseren Blick verstellen, uns das Gewohnte entziehen, sensibilisiert er uns für die Welt um uns herum, schärft er unser inneres Auge für die Zusammenhänge, macht er uns auf Schönheiten aufmerksam, die wir ansonsten – da alltäglich – längst nicht mehr sehen würden. Und in der Zeit danach, beim Anblick der Projektskizzen und Malereien und Collagen aus Zeichnungen und Fotos und Originalmaterialien, fordert er unsere Erinnerung heraus, unser Erleben: Wer weiß nicht, wo er war, als der Reichstag in Berlin Bahn für Bahn den Blicken entschwand?
Christo und Jeanne-Claudes Projekte sind nie eindimensional nur ästhetische Äußerungen. Sie machen einer Gesellschaft (historische) Orte, Bauten, ganze Landschaften neu bewusst. Sie erinnern, mahnen, fordern heraus. Unweigerlich erreichen viele ihrer Arbeiten gesellschaftspolitische, historische, philosophische Relevanz. Einfach, indem sie Japan und die USA verbinden, sich um Inseln winden oder das Parlamentsgebäude eines Staates verhüllen.
Künstlerinfo
Christo wird am 13. Juni 1935 als Christo Vladimirov Javacheff in Gabrovo, Bulgarien, geboren. Seine Frau Jeanne-Claude kommt am selben Tag als Jeanne-Claude Denant de Guillebon als Tochter einer französischen Militärfamilie in Casablanca, Marokko, zur Welt.
Von 1953-56 studiert Christo an der Akademie der Künste in Sofia; 1957 ist er für ein Semester in Wien; 1958 wechselt Christo nach Paris. Seit 1961 entstehen Pakete und verhüllte Objekte. Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Verhüllte Küste“ (1968-69, Little Bay, Sydney, Australien); „Laufender Zaun“ (1976, Sonoma und Marin Counties, Kalifornen, USA); „Pont Neuf“ (1985, Paris, Frankreich); „Die Schirme“ (1991, Japan-USA); „Verhüllte Bäume“ (1997-98, Fondation Beyeler und Berower Park, Riehen, Schweiz); „The Gates“ (2005, Central Park, New York, USA).
Ausstellungsinfo
Die Ausstellung „Christo & Jeanne-Claude“ zeigt Werke zu verschiedenen Projekten der beiden Künstler aus den vergangenen Jahren.
Dauer der Ausstellung 20. April bis 11. Mai 2008 – täglich 11 bis 16 Uhr außer samstags.
KUNSTBUNKER im Nordpark
Heinz-Nixdorf-Straße 18a
41179 Mönchengladbach







