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Verliert die deutsche Ärzteschaft an Ansehen?

03.04.200809:48 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Verliert die deutsche Ärzteschaft an Ansehen?
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
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(openPR) Diese Frage mag auf den ersten Blick allerlei Anlass zu Irritationen geben, zumal im Ranking der besonders angesehenen Berufe die Ärzteschaft als besonders vertrauenswürdig gilt, während die bundesdeutsche Bevölkerung offensichtlich für den Beruf des Politikers nur wenig übrig haben.



Gleichwohl möchte ich dieser Frage nachgehen, weil hierzu Udo Schuss, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer Nordwürttemberg, den Anstoß in seinem „Plädoyer für eine innerärztliche Streitkultur und gegen die Sophisterei“ (in ÄBW 03/2008, S. 116 ff.) gegeben hat.
Ein Plädoyer, dass Teile der Ärzteschaft der Sophisterei „beschuldigt“ und da scheint es wenig zu beeindrucken, dass zumindest gegenwärtig der Begriff der „Sophisterei“ eher zur Diskreditierung einer Streitkultur zu dienen bestimmt ist, so wie einst der aristokratische Denker und Philosoph Platon sich veranlasst sah, gegen die Sophisten wortreich zu Felde zu ziehen. „Die Sophisten versuchten übergeordnete Werte (Tugendlehre und Religion) zu entthronen, ein für die damalige Zeit durchaus revolutionärer Ansatz. Ihr Kritiker Platon unterstellte den Sophisten, dass bei Ihnen nur die auf ihre Ziele allein ausgerichtet Ethik als wahr und richtig galt...Tradierte Werteordnung waren nicht mehr zugelassen“, so wohl das auf Harmonie innerhalb der Ärzteschaft bedachte Vorstandsmitglied Schuss.

Unmittelbar hieran wird mit dem „So weit die Historie“ der Versuch einer Kontextualisierung als beendet erklärt, wohlweislich nicht erwähnend, dass im Gegensatz zu den aristokratischen Gelehrten die Sophisten ihre „Dienste gegen Entlohnung“ angeboten haben, während demgegenüber die gebildeten Aristokraten weitestgehend ohne eine entsprechende Entlohnung ihrem geistigen Hobby des Philosophierens frönen konnte und ist es da mit Blick auf den gegenwärtigen ökonomischen Verteilungskampf „verwerflich“, wenn etwa die Hausärzte ihre Partikularinteressen nachhaltig vertreten, statt sich an den revitalisierten Gedanken des Hippokrates in beschaulicher und zufriedener Manier zu erinnern, wonach dieser auch den Respekt vor den Kollegen beschworen hat? Natürlich wollen wir in einer streitbaren Kultur dem Anderen Respekt zollen, aber nicht um den Preis einer fragwürdigen Vision, wonach der „Asklepiadenschwur unserer auf Solidarität angelegten Berufsgruppe und das hippokratische Ethos ... durch unsinnige Polarisierung nur schaden nehmen (werden) und man fragt sich verwundert, wo die Gemeinsamkeiten aus dem „Streikjahr 2006“ geblieben sind?“. Mit Verlaub – ob die Polarisierung „unsinnig“ ist, dürfte als platonischer Hinweis zu entlarven sein, denn hier geht es auch um existentielle Fragen etwa der Haus- oder Gebietsärzte und der Hinweis darauf, dass die Selbstverwaltung der Ärzteschaft vielfältige Foren bietet, auf denen die innerärztliche Diskussion stattfindet, mündet wie selbstverständlich in die weitere Erkenntnis, dass hier (!) Übereinstimmung erreicht werden müsse. Geschlossenheit sei das Gebot der Stunde: „Die Rückbesinnung auf die Kraft der innerärztlichen Solidarität wäre eine Chance. Mit Sophisterei wird diese Chance gründlich vertan“, so Udo Schuss.

Ich sitze hier über den kurzen Beitrag des Vorstandsmitglieds und irgendwie drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass vielleicht die Ärzteschaft an der Basis mit ihrer „Sophisterei“ zugleich auch ihren Unmut über ihre Selbstverwaltung bekundet, zumindest aber Unzufriedenheit signalisiert. Wenn dem so sein sollte, hilft auch die an die Ärzteschaft gerichtete Frage des Vorstandsmitglieds nicht weiter: „Wollen wir zulassen, dass eine lange und bewährte Kultur der Fürsorge für die Kranken zerfällt, die die Solidargemeinschaft in naher Zukunft sehr dringend brauchen wird?“. Der „Gegner“ werde durch die Unsitte fraktioneller Ränkespiele gestärkt, so dass Geschlossenheit geboten ist.
Dies dürfte die Ärzteschaft kaum darüber hinwegtrösten, denn allein mit ihrem hohen Ansehen in der Bevölkerung ist nicht ihre Existenz gesichert und insofern erscheint es an der Zeit, lieber einer „sophistischen Streitkultur“ zu frönen als in einem gemütlichen Sessel sitzend sich an den Lehren des Hippokrates und seiner Sendboten zu erfreuen und darauf zu hoffen, dass die innerärztlichen Diskussionen nur mit einem Appell an die Solidarität befriedet werden können. Wie war das noch mit dem Hemd und die Hose?

Lutz Barth

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