(openPR) Der unzeitgemäße Denker Friedrich Nietzsche, der sich wiederholt damit brüstete, dass er schwer bzw. un-verständlich sei, ist mittlerweile der am häufigsten in den deutschen Feuilletons zitierte Philosoph. Sauber von diesem Diskurs der sog. Hochkultur getrennt verläuft gleichzeitig eine rege Auseinanderset-zung mit seiner Philosophie in der gegenwärtigen Popkultur. Die auf zwei Tage im September 2008 angesetzte multimediale Konferenz Nietzsche Pop!, die von der jungen literarischen Gesellschaft ApoDio e.V. organisiert wird, versucht eine Brücke zwischen diesen unterschiedlichen Kulturen zu schlagen, um einen sich gegenseitig befruchtenden, gleichberechtigten Dialog über seine Philosophie zu ermöglichen. Es geht um den Versuch, aus der seit Jahrzehnten gepflegten Selbstisolation des El-fenbeinturms der akademischen Philosophie auszubrechen, die zu einer zunehmenden Abwertung der Geisteswissenschaften in der öffentlichen Wahrnehmung geführt hat, und auf diesem Wege den beson-deren Stellenwert der Philosophie für die Kultur zu verdeutlichen.
Der Verein ApoDio e.V. – in Anlehnung an die Dichotomie der beiden Kunstprinzipien apollinisch und dionysisch, deren Zusammenspiel nach Nietzsche den kulturellen Fortschritt ausmacht – wurde im Frühjahr 2007 in Berlin von einer internationalen Gruppe junger Geisteswissenschaftler, Journalisten, Multimedia-Nerds und Kunstschaffender gegründet, um den Austausch zwischen Hoch- und Subkultur, aber auch zwischen Wissenschaft und Leben, zu fördern – getreu dem Nietzscheanischen Postulat: „Frei — sei unsre Kunst geheissen, / Fröhlich — unsre Wissenschaft!“
Die Popkultur, als eine gesellschaftlich verankerte, schichtenübergreifende Form der Kultur, bie-tet sich daher als Gesprächspartner hervorragend an, da sie eine Reihe spezifischer Anknüpfungs-punkte bietet. Die augenscheinlichen Aspekte sind dabei – neben den direkten Rückgriffen in Metapho-rik und Textpassagen innerhalb der Popkultur – die Bedeutung der Leiblichkeit, des Rausches, des Tanzes und des Gesangs, die der letzte Jünger von Dionysus dem Leben beimisst. Daher erscheint auch die Frage legitim, ob die von ihm im „Ecce Homo“ prophezeiten Lehrstühle für seinen „Zarathustra“ nicht eher in der Popkultur als an den Universitäten und akademischen Forschungseinrichtungen zu suchen sind.
Auf der anderen Seite vertritt die Konferenz den Anspruch, einen Beitrag zur Korrektur des eben-so häufig anzutreffenden karikaturhaft-verzerrten Nietzsche-Bildes in der Öffentlichkeit zu leisten. Der Austausch mit der Popkultur verspricht unter diesem Aspekt, dem wissenschaftlichen Diskurs auf un-konventionelle Weise neue Zugänge zum Verständnis des Werkes des Philosophen aufzuzeigen und zu vermitteln, und andererseits auch neue Impulse für die Popkultur zu bieten. Um diesem Anspruch ge-recht zu werden, wird sich das Konferenzprogramm, neben klassischen Vorträgen und Podiumsdiskus-sionen, vor allem aus Workshops, Filmvorführungen und Konzerten zusammensetzen.
Das alles – ob in den vier verschiedenen Sektionen (Musik, Film, Popliteratur / Comics, Multime-dia), bei den Plenumsdiskussionen oder im praktischen Teil – soll in einer für alle verständlicher Spra-che geführt werden. Ausdrücklich wünschen wir uns jargonfreie oder zumindest –arme Beiträge sowie die Möglichkeit zum angstfreien Fragen. Schließlich geht es bei Nietzsche Pop auch darum, Nietzsche in gewisser Weise zu popularisieren – d.h., ihn ohne Bildungsbarrieren für interessierte Menschen er-lebbar zu machen, aber ohne ihn dabei zu verflachen.
Für die Umsetzung dieses Konzeptes suchen wir ReferentInnen, MusikerInnen und andere Kul-turschaffende, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit Nietzsches Philosophie und dessen Be-deutung für die Kultur auseinandersetzen wollen.
Mögliche Themen für Beiträge sind u.a.:
- Wie steht es mit Nietzsches Präsenz in der heutigen Kultur fernab der Universitäten, Feuilletons und Opernhäuser?
- Wie kann die Forschung ihrem Bildungsauftrag gerecht werden und das teilweise immer noch er-schreckend verfälschte Bild des Anti-Philosophen korrigieren, das in massenhaft verbreiteten Medi-en grassiert?
- Welche Möglichkeiten bietet die Popkultur, um Nietzsches Philosophie – eine sich dem Katheder widersetzende Philosophie – erfahrbar und nachvollziehbar zu machen?
- Wie steht es mit gelebtem „Nietzscheanismus“ in Teilen der Sub- oder Jugendkultur? Ist seine Phi-losophie die Basis für einen modernen „Pop-Lifestyle“?
Deadline für die Einsendung von Vorschlägen für Beiträge – sei es Songs, Kurzfilme oder Vorträge – in deutscher oder englischer Sprache ist der 30. April 2008.
Kontakt:
Weitere Informationen zur Tagung unter: www.nietzschepop.org
Organisation: Dr. Katja Brunkhorst, Dr. des. Mattia Riccardi, Dipl. pol. Maurice Schuhmann
i.A. von ApoDio e.V. (www.apodio.de).
Berlin, im September 2007









