(openPR) Die französische Finanzwelt hält seit gestern den Atem an. Das Bankinstitut Société Générale, die zweitgrößte Bank in Frankreich, hat gestern für helles Aufregen gesorgt, als sie bekannt gab, dass sie Opfer eines in der Finanzwelt niemals zuvor dargewesenen Betruges wurde. Im Rahmen einer bereits sehr hektischen Börsenwoche gab sie bekannt, dass der Betrug eines firmeninternen Brokers einen Verlust von ca. 4,9 Milliarden Euro verursacht habe, zu denen noch zusätzlich ca. 2 Milliarden Euro Verlust aufgrund der finanziellen Auswirkung der „subprime“ Krise in den Vereinigten Staaten hinzukommen. Die Verluste aufgrund der „subprime“ Krise wurden im November noch auf 230 Millionen Euro eingeschätzt.
Nach Angaben der Geschäftsführung wurde der Betrug erst am 19. Januar 2008 aufgedeckt. Der dreißigjährige Broker (Jahresverdienst bei ca. 100.000 Euro), der für die Société Générale in der Börsenabteilung seit ca. 8 Jahren tätig ist, hat laut Aussagen der Bank „die Kontrollmechanismen gekannt und übergangen und dadurch fiktive Transaktionen eingeleitet.“ Bisher wird davon ausgegangen, dass er sich nicht selbst bereichert hat.
Nach Aussagen der Anwältin des mutmaßlichen Betrügers besteht jedoch kein Fluchtverdacht.
Gestern hat der Vorstandsvorsitzende der Société Générale, Herr Daniel Bouton, sich bei den Aktionären entschuldigt. Ferner gab er bekannt, dass „der Broker wie auch die Mitglieder der internen Überwachungseinheiten die Bank verlassen werden“. Außerdem hat er selbst seinen Rücktritt angeboten, der jedoch abgelehnt wurde.
Diese Entschuldigung ist nach Aussagen der Rechtsanwälte der Aktionäre jedoch nicht ausreichend. Diese können nach wie vor nicht nachvollziehen, warum die französische Börsenaufsichtsbehörde AMF diese Vorfälle nicht früher aufgeklärt hat.
In der Zwischenzeit hat die Société Générale Strafanzeige gegen ihren Broker beim Strafgericht in Paris erhoben. Aufgrund der weiteren Strafanzeigen der Aktionärsverbände wurde ebenfalls bereits schon ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Trotz dieses verheerenden Verlustes in Höhe von 6,9 Milliarden Euro geht die Geschäftsführung der Société Générale noch davon aus, dass das Jahresergebnis der Bank für das Jahr 2007 positiv (ca. 600 bis 800 Millionen Euro) bleiben wird. Dies ist im Vergleich zum Jahresergebnis im Jahre 2006 von ca. 5,2 Milliarden Euro jedoch nur ein schwacher Trost. Die Aktie der Bank befindet sich aufgrund der Geschehnisse im freien Fall (seit 1. Januar 23,7 % Verlust).

















