openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Emanzipation der Pflege – vom „Meilenstein zum Stolperstein“?

19.12.200708:42 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Emanzipation der Pflege – vom „Meilenstein zum Stolperstein“?
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth

(openPR) Der Bundesrat hat in seiner 839. Sitzung am 30. November 2007 zum Entwurf eines Gesetzes zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (Pflege-Weiterentwicklungsgesetz) Stellung bezogen und hierbei in weiten Teilen dem emanzipatorischen Anspruch der Pflegeberufsverbände und ihnen insofern folgend dem Bundesgesetzgeber eine deutliche Absage erteilt.



Wir dürfen aus der Stellungnahme zitieren:

„Die Ausweitung der Modellklausel auf die Verordnung von Verbandsmitteln und Pflegehilfsmitteln durch die Angehörigen der im Krankenpflegegesetz und im Altenpflegegesetz geregelten Berufe sowie die inhaltliche Ausgestaltung der häuslichen Krankenpflege wird abgelehnt. Auch die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf nichtärztliches Personal wird aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt.

Wird der Schutzgedanke, der dem Prinzip innewohnt, dass ärztliche Behandlung nur von approbierten Ärzten erbracht wird und Hilfeleistungen anderer Personen, soweit erforderlich, nur erbracht werden, wenn sie vom Arzt angeordnet und von ihm verantwortet werden, durchbrochen bzw. abgeschwächt, gäbe es keinen Grund mehr, z. B. Heilpraktikern die Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten zu verwehren.

Diese schwierigen Abgrenzungs- und daraus resultierende Haftungsfragen sollten zunächst auch mit den medizinischen Fachgesellschaften eingehend beraten und mit der Bundesärztekammer abgestimmt werden.

Insgesamt zeichnen sich die Regelungen durch eine Inkonsistenz zum bestehenden System der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. So dürfen nicht alle approbierten Ärzte, sondern nur die zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassenen bzw. ermächtigten Ärzte Leistungen und Verordnungen zu Lasten der GKV erbringen. Nach dem Gesetzentwurf sollen dagegen alle Angehörigen der im Krankenpflegegesetz und im Altenpflegegesetz geregelten Berufe entsprechende Leistungen erbringen dürfen. Für diese ist auch keine Bedarfsplanung vorgesehen, wie sie für Vertragsärzte als Voraussetzung einer gleichmäßigen und bedarfsgerechten ärztlichen Versorgung der Versicherten im Gesetz verankert ist. Auch ist die Abgrenzung unklar; die Regelung widerspricht somit dem Grundsatz der Klarheit von Rechtsvorschriften. Gerichtliche Auseinandersetzungen sind damit vorprogrammiert.

Durch punktförmige systemwidrige Einzelregelungen im Recht der gesetzlichen Krankenversicherung und durch pauschalierte Übergriffe auf die Ausübung der Heilkunde ohne Überlegungen zu entsprechenden Curricula oder eine Konkretisierung der Tätigkeiten, die übertragen werden sollen, lässt sich das Ziel einer Weiterentwicklung der im Krankenpflegegesetz und im Altenpflegegesetz geregelten Berufe nicht erreichen.“

Quelle: Bundesrat – Stellungnahme – Beschluss 718/07(B) >>> http://www.bundesrat.de/cln_050/SharedDocs/Drucksachen/2007/0701-800/718-07_28B_29,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/718-07(B).pdf

Kurze Anmerkung (L. Barth):
Der Begründung des Bundesrates kann vollumfänglich zugestimmt werden, zumal das Interesse der Patientensicherheit insgesamt höher zu werten ist, als dass berufspolitische Interesse der Verbände an einem Aufstieg innerhalb der allgemeinen Professionalisierungsskala. In der Debatte sowohl um die Übertragung ärztlicher Kompetenzen aber auch bei der gewünschten Etablierung einer Pflegekammer wird nicht hinreichend berücksichtigt, dass diese Kernforderungen berufspolitisch wünschenswert erscheinen und durchaus dem Selbstverständnis der Berufsverbänden entsprechen mögen, gleichwohl aber derzeit systemwidrig sind. Es überwiegt der Schutzgedanke an einer lege artis Behandlung und demzufolge kann dem Bundesrat nur beigepflichtet werden, wenn er darauf hinweist, dass in erster Linie die ärztliche Heilbehandlung von approbierten Ärzten zu leisten ist. Berufspolitisch legitime Ziele müssen nicht zwangsläufig rechtlich geboten sein, zumal es keinen Sinn macht, Parallelstrukturen zu schaffen, bei denen dann die Kooperation zu neuen haftungsrechtlich bedeutsamen Konfliktfeldern führen wird. Entscheidend dürfte vielmehr sein, dass den Ärzten insgesamt eine stärkere Rolle bei einer auskömmlichen Vergütung für die Betreuung multimorbider Patienten auch in stationären Einrichtungen zugewiesen wird, in der er dann ggf. (auch) auf sein medizinisches Fachpersonal zurückgreifen kann. Sofern der Arzt allerdings Patienten in einer Einrichtung betreut, sollten die Pflegerechtler sich dazu „durchringen“, ein Weisungsrecht über das klassische Anordnungsrecht hinaus gegenüber dem (praxisfremden) Pflegepersonal in stationären Einrichtungen anzuerkennen. Bei konkreter Aufgabenübertragung durch den verantwortlichen Arzt auf das Pflegepersonal erwachsen letztere in die Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfeneigenschaft des delegierenden Arztes oder Ärztin, so dass insgesamt dem Arzt neben der stationären Einrichtungen zumindest die personalen Verkehrssicherungspflichten obliegen.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 178485
 100

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Emanzipation der Pflege – vom „Meilenstein zum Stolperstein“?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth

Bild: Wir sollen nicht sterben wollenBild: Wir sollen nicht sterben wollen
Wir sollen nicht sterben wollen
Der „Diskurs“ (?) über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen ist nach wie vor nicht nur soziologisch unterbelichtet, sondern zeichnet sich insbesondere durch Glaubensbotschaften der selbsternannten „Oberethiker“ und deren „Geschwätzigkeit“ aus. „Lebensschützer“ meinen zu wissen, was die Schwersterkrankten und Sterbenden wünschen und welcher Hilfe diese am Ende ihres sich neigenden Lebens bedürfen. Mit Verlaub: Es reicht nicht zu, stets die Meinungsumfragen zu kritisieren, in denen die Mehrheit der…
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…

Das könnte Sie auch interessieren:

Pflegetreff am 10.11.2011 in Neuss – Pflegequalität in den Heimen sichern - Mängel aufdecken und abstellen
Pflegetreff am 10.11.2011 in Neuss – Pflegequalität in den Heimen sichern - Mängel aufdecken und abstellen
… pflegebedürftigen Menschen anzusprechen (siehe z.B. Priscus-Liste). Für das Podium konnten folgende Referenten gewonnen werden: - Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Abgeordnete des Landtages Nordrhein-Westfalen (seit 2000) für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. - Jürgen Steinmetz, Allgemeiner …
Bild: Preisverleihung „Alltagsheld / Alltagsheldin“ am 05.10. 2011 in EssenBild: Preisverleihung „Alltagsheld / Alltagsheldin“ am 05.10. 2011 in Essen
Preisverleihung „Alltagsheld / Alltagsheldin“ am 05.10. 2011 in Essen
… Fach-Jury ausgelobte Preis wird am 05. Oktober 2011 im Essener Saalbau im Rahmen einer Feierstunde verliehen. Frau Ministerin Barbara Steffens (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen) überreicht den Preis „Alltagsheld / Alltagsheldin“ an das ambulante Hospiz- und Palliativzentrum Kreis Düren. Als großer …
Bild: 8. Mind/Body Medicine Summer School 2013Bild: 8. Mind/Body Medicine Summer School 2013
8. Mind/Body Medicine Summer School 2013
Lernen Stress zu regulieren und Selbstfürsorge zu fördern – unter der Schirmherrschaft der NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Frau Barbara Steffens, trafen sich vom 18. bis 21. Juli 2013 Allgemeinmediziner, Physiotherapeuten, Neurologen, Mediziner anderer Fachrichtungen und Medizinstudenten im Tagungs- und Stadthotel Franz …
Umlage für die Ausbildung in der Altenhilfe
Umlage für die Ausbildung in der Altenhilfe
… Stellendotierungen nachvollziehbar dargestellt werden können, fordert Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk seit Jahren bundeseinheitliche Personalbemessungssysteme. Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist aufgefordert, sich auf Bundesebene für diesbezügliche Veränderungen einzusetzen. …
Bild: Neuordnung der Gesundheitsfachberufe - Viel Rhetorik der Pflegeberufsverbände – aber kaum Substantielles?Bild: Neuordnung der Gesundheitsfachberufe - Viel Rhetorik der Pflegeberufsverbände – aber kaum Substantielles?
Neuordnung der Gesundheitsfachberufe - Viel Rhetorik der Pflegeberufsverbände – aber kaum Substantielles?
… materiell qualifiziert sind. Die Bedeutung der Pflegeberufe erschöpft sich nicht in dem gelegentlichen „Ausstellen eines Rezepts“ und die so „definierte“ Professionalisierung und Emanzipation der Pflegeberufe rückt in ein „Licht“, dass eher den Anschein erwecken könnte, als dass hier manche Funktionärsvertreter der Pflegeberufsverbände ihren eigentlichen …
Bild: Applaus für die Pflege - Pflegekräfte als 'Alltagshelden' geehrtBild: Applaus für die Pflege - Pflegekräfte als 'Alltagshelden' geehrt
Applaus für die Pflege - Pflegekräfte als 'Alltagshelden' geehrt
… Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken", sagte Silvia Marienfeld, Geschäftsstellenleiterin von maxQ.-Nordrhein-Westfalen. In ihrem Grußwort. Markus Leßmann vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen lobte in seiner Ansprache die Preis-Initiative. „Veranstaltungen wie diese hat die Pflege wahrlich verdient. …
Patientenverfügungen & Reichweitenbegrenzung – Attacke auf die Patientenautonomie?
Patientenverfügungen & Reichweitenbegrenzung – Attacke auf die Patientenautonomie?
… auf! Die Empfehlungen sind in dieser Form nicht zu akzeptieren. Daher hat sich Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk mit einem Brief an das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und die Verbraucherzentrale – Bundesverband in Berlin gewandt. Dabei wurde auf die Pressemitteilung von Pro Pflege …
Begleitung von Heimbewohnern zu Arztbesuchen ist eine Regelleistung der Heimträger
Begleitung von Heimbewohnern zu Arztbesuchen ist eine Regelleistung der Heimträger
… werden > http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?f=4&t=21062 Diese von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk vertretene Rechtsauffassung wird u.a. auch vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen geteilt. Eine entsprechende Mitteilung an die für die Heimaufsicht zuständigen Behörden ist …
Neusser Pflegetreff am 27.04.2016 - Arzneimittelversorgung der älteren Menschen im Fokus
Neusser Pflegetreff am 27.04.2016 - Arzneimittelversorgung der älteren Menschen im Fokus
… Dirk Brügge, Kreisdirektor des Rhein-Kreises Neuss, wird vorab ein Grußwort sprechen. Auf dem Podium: -- Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. -- Dr.med. Karlheinz Großgarten (M.san.), Stellvertretender Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Hauptstelle Düsseldorf. -- …
Bild: Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?Bild: Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?
Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?
… der Professionalisierung in der Pflege ist nicht nur mühselig, sondern vor allem auch lang und zuweilen sehr dornig. Die Pflege ringt um Freiheit und Emanzipation von der scheinbar antiquierten ärztlichen Bevormundung und die Berufsverbände fordern gebetsmühlenartig die sog. Vorbehaltsaufgaben für die Pflege. Ob diese Tendenz letztlich in die Light-Medizin …
Sie lesen gerade: Emanzipation der Pflege – vom „Meilenstein zum Stolperstein“?