(openPR) In der Weihnachtszeit, wenn eine festliche Atmosphäre besonders gefragt ist, schlägt die große Stunde der Kerze. Die Deutschen verbrauchen weltweit die meisten Kerzen und sind zudem auch noch Exportweltmeister. Der 13. Dezember, der Luzia-Tag, ist der Festtag für die Kerze und ein "Feiertag" für die Kerzeninnung.
Die Wachszieherbetriebe und Kerzenhersteller in Deutschland verarbeiten im Jahr ca. 115.000 Tonnen gereinigtes Paraffin, ein Nebenprodukt aus der Rohölverarbeitung, aus Stearin, einem pflanzlichen Produkt, und aus Bienenwachs. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Kerzen in Deutschland liegt bei ca. 1,9 kg. Deutschland ist das Land mit dem höchsten Wachsverbrauch (rund 225.000 Tonnen jährlich). Auch beim Export (60.000 Tonnen Wachs) sind die Deutschen Weltmeister.
Deshalb rief die Bundesinnung der Wachszieher und Kerzenhersteller vor drei Jahren den Tag der Kerze aus und stieß auf große Resonanz. Mitgliedsbetriebe öffnen ihre Werkstätten, Restaurants bieten stimmungsvolle Candle-Light-Dinner an. "Es ist schon toll, wie der Luzia-Tag inzwischen angenommen wird", freut sich Wolfgang Reich, Geschäftsführer der Wachszieher-Innung mit Sitz in Stadtbergen bei Augsburg (Bayern).
In Schweden hat der 13. Dezember als Lichterfest Tradition. Töchter, die auf dem Kopf einen Lichterkranz tragen, wecken ihre Familien mit Kaffee und Milchbrot. An dem Tag der Wintersonnenwende (laut dem Julianischen Kalender) werden vielerorts Kerzen gesegnet. Früher wollte man damit die Finsternis und die bösen Mächte vertreiben. Heute gelten Kerzen als Zeichen der Freude, der Hoffnung, des Gebets – und der Erinnerung an Jesus. Von Skandinavien aus hat sich auch bei uns ein Luzien-Brauchtum entwickelt.
So traditionell wie der Luzia-Tag ist auch das Kerzenhandwerk, das zu den ältesten weltweit zählt. "Mit Führungen und Aktionen werden unsere Innungsfachbetriebe verdeutlichen, wie viel Liebe zum Detail und Know-how in jeder Kerze steckt", sagt Reich. Daneben ist der Tag der Kerze auch eine ideale Gelegenheit, um sich über den Ausbildungsberuf des Wachsziehers/Wachsbildners zu informieren. Das Kerzenziehen, ein traditionelles Herstellungsverfahren, wird noch gepflegt. Dabei wird der Docht durch ein Wachsbad gezogen und auf große Zugräder gewickelt: je öfter, desto dicker die Kerze. Große Kerzen werden vorwiegend im Pressverfahren produziert. Die Strangpresse besteht aus einem Kolben, in dessen Kompressionsraum die hochwertigen Kerzenrohstoffe Bienenwachs, Paraffin und Stearin verdichtet werden. Gleichzeitig wird der Docht, zumeist aus Baumwolle hergestellt, ins Zentrum des Kerzenstrangs eingeführt.
Tradition und High-Tech liegen nahe beisammen. Maschinen können zwar viel ersetzen, nicht jedoch das gute Auge und das Feingefühl für Material und Form und die Kreativität. "Wer mit dem Naturstoff Wachs arbeitet, braucht ein ‚Feeling‘, um jeder Kerze den letzten Schliff zu verleihen", sagt Reich, seit 15 Jahren Geschäftsführer der Innung. Zur Zeit trüben die steigenden Rohstoffpreise etwas die vorweihnachtliche Stimmung der Branche. Dennoch sei das Jahr für die meisten Kerzenhersteller wieder ganz gut gelaufen.
Weitere Informationen unter www.kerzeninnung.de
(Zusatzinfo 1)
13. Dezember: Der Luziatag
Der 13. Dezember ist der Hl. Luzia gewidmet. Sie lebte im 3. Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien, gewährte verfolgten Christen Unterschlupf, heilte ihre Mutter und gab ihr Vermögen den Armen. Nach einer Erscheinung der Hl. Agathe gelobte sie, keusch zu leben. Wegen übler Nachrede landete sie vor Gericht. Ochsen sollten sie zu Tode schleifen, bewegten sich aber nicht von der Stelle. Deshalb wurde die Jungfrau kurzerhand erstochen.
Luzia bedeutet die "Leuchtende" (lateinisch). In Schweden tragen die Luzienbräute, meistens die ältesten, noch nicht verheirateten Töchter des Hauses, weiße Kleider und einen Kerzenkranz auf dem Kopf. Die Lichter symbolisieren das Ende der dunklen Tage, denn früher war der 13. Dezember der Tag der Wintersonnenwende und nicht wie jetzt der 21. Dezember.
(Zusatzinfo 2)
Candle-Light-Dinner
Liebe geht nicht nur durch den Magen, sondern auch durch die Nase. Menschen müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes erst beschnuppern. Der richtige Duft bringt die Gefühle in Wallung, stellten Forscher fest. Ein betörender Duft, etwa einer Bienenwachs- oder Duftkerze, krönt ein Candle-Light-Dinner.
(Zusatzinfo 3)
Wie in Fürstenhäusern
Heutzutage riechen bereits handelsübliche Kerzen aus heimischen Fachbetrieben duftneutral. Sie werden aus gereinigtem Paraffin, einem Nebenprodukt aus der Rohölverarbeitung, oder aus Stearin, einem pflanzlichen Produkt, hergestellt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das Volk noch auf Talgkerzen angewiesen, die beim Abbrennen nach ranzigem Fett rochen. Der natürlich-süße Duft der teuren Bienenwachskerze blieb lange der privilegierten Oberschicht und den Fürstenhäusern vorbehalten.
(Zusatzinfo 4)
Tipps für den Umgang mit Kerzen:
1. Kerzen am Weihnachtsbaum nicht zu dicht unter- und nebeneinander stellen. 15 cm Abstand sind empfehlenswert, zum Zweig über der Kerze mindestens 20 cm.
2. Der Docht sollte 10-15 mm lang sein, sonst neigt er zum Rußen.
3. Dicke Kerzen zumindest so lange brennen lassen, bis der ganze Brennteller flüssig geworden ist.
4. Keine Zugluft! Sonst können Kerzen rußen, tropfen oder einseitig abbrennen.
5. Fremdkörper wie Streichholzreste und Dochtstücke aus der Brennschüssel (also: dem flüssigen Bereich) entfernen!
6. Falls eine Qualitätskerze doch einmal rußen sollte: Kerze löschen und Docht vorsichtig kürzen!
7. Wachs auf der handgestickten Tischdecke? Einfach saugfähiges Papier auflegen und darüber bügeln.









