(openPR) Patientenorientierung sowie Effizienz und Effektivität stehen für Soziale Arbeit im Mittelpunkt
Der Bundeskongress 2007 der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG) am 18. und 19. Oktober in Mainz beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit den Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Deutlich wurde bei den Diskussionen, dass eine qualitativ hochwertige Erbringung von Gesundheitsleistungen wirtschaftli-chen Kriterien standhalten muss. Mittlerweile tragen viele Effekte des verstärkt postulierten Wettbewerbs im Gesundheitswesen aber dazu bei, die Qualität der Leistungen zu mindern. Häufig wird Ökonomie nicht mehr im Interesse der betroffenen Menschen eingesetzt. Damit wird solidarisches Handeln der Gesellschaft in Frage gestellt. Die Teilnehmer des Bundes-kongresses waren sich einig, dass eine konsequente Patientenorientierung das notwendige Regulativ ist, um der zunehmenden Kommerzialisierung und Kapitalisierung des Gesundheitswesens entgegenzuwirken.
Der 1. Vorsitzende der DVSG, Ulrich Kurlemann: „Das Gesundheitswesen hat sich in allen Bereichen sehr verändert. Im Mittelpunkt der Neuausrichtungen stehen schon seit Jahren verstärkt wirtschaftliche Aspekte. Die zunehmende Ökonomisierung wird von vielen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen als Bedrohung empfunden. Ökonomie und Soziales sind aber keine Gegensätze, sondern sie bedingen einander. Ein Gesundheitswesen, das allerdings nur noch an wirtschaftlichen Kriterien gemessen wird, verstößt gegen das in der UN-Charta der Menschenrechte festge-legte Recht jedes Menschen auf Soziale Sicherheit.“
Für die ehemalige Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen und heutige stellvertretende Vorsitzende der BARMER, Birgit Fischer, steht das Gesundheitswesen an einer Wegscheide, an der die Gefahr drohe, dass die Gemeinwohlorientierung verloren gehe. „Ökonomie und Soziales sind keine Gegensätze, solange ökonomisches Denken im Interesse der Menschen eingesetzt wird“. Allerdings sei es derzeit so, dass strukturelle Aspekte und nicht die Interessen der Versicherten im Vordergrund stünden.
Soziale Arbeit im Gesundheitswesen sorgt auf individueller Ebene dafür, dass betroffene Menschen gesundheitliche Probleme und deren Folgen verarbeiten, annehmen und ihr Leben nach einer einschneidenden Krise selbstbestimmt organisieren können. Soziale Arbeit gibt kranken, behinderte und pflegebedürftige Menschen eine Orientierung im komplizierten System der Sozialen Sicherung, sie unterstützt Patienten beim Aufbau individueller und passgenauer Hilfen bei komplexen Lebenslagen und nimmt nicht zuletzt anwaltschaftliche Funktion für Menschen wahr, die in prekären Situationen ihre Teilhabe am Leben nicht autonom sichern können.
Auf Systemebene ist es erforderlich, insbesondere durch Patientenmanagement, Schnittstellen im Leistungssystem zu überbrücken und Leistungen des Gesundheits- und Sozialwesens zu bündeln. Krankheit und Gesundheit findet in der Lebenswelt der Menschen statt, daher müssen Leistungen in integrierten Versorgungsnetzen bedarfs- und bedürfnisgerecht erbracht werden, um Nachhaltigkeit der Behandlung und Versorgung zu erzielen. Genau an dieser Stelle liegt das Effizienzsteigerungspotenzial im Gesundheitswesen. „Integrierte Versorgung und die Umsetzung der notwendigen Patientenorientierung ist ohne Sozialarbeit im Gesundheitswesen nicht leistbar“, so Birgit Fischer.
Prof. Dr. Norbert Roeder, der ärztliche Direktor der Universitätskliniken Münster, führte aus, dass ein Krankenhaus bei der begrenzten Ressourcenzuweisung nur noch die Kernaufgaben erfüllen könne, nämlich die im individuellen Fall medizinisch notwendige Behandlung. Dafür werde Medizin und Pflege dringend gebraucht. Die Leistungen aller anderen Gesundheitsberufsgruppen stünden zur Disposition. Daneben würden Angebote vorgehalten, die dem Unternehmen „Krankenhaus“ einen Wettbewerbsvorteil sicherten. Daraus resultiere, dass die Berufsgruppen aufgefordert sind, den Nutzen ihrer Tätigkeit zu belegen. Sozialarbeit müsse mehr als bisher Sorge dafür tragen, zu verdeutlichen wozu ihre Leistungen dienen, auch im ökonomischen Sinne für das Krankenhaus als Wirtschaftsbetrieb.
Der Vertreter der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Rolf Schneider, sagte, dass Sozialarbeit im Gesundheitswesen aber nicht nur erfolgreich sein könne, wenn sie den Patienten in den Mittelpunkt stelle. Vielmehr seien das Wissen über und das Nutzen von Kommunikation, Kooperation und Organisationsstrukturen sozialarbeiterische Kernkompe-tenzen, die beispielsweise bei der strukturellen Weiterentwicklung von Krankenhäusern zu regionalen Gesundheitszentren von zentraler Bedeutung seien.
Durch den Einsatz von Dipl. Sozialarbeiterinnen und Dipl. Sozialarbeitern können sowohl die Ressourcen des Sozial- als auch des Gesundheitswesens nutzbar gemacht werden. Nur ein ganzheitliches Vorgehen trägt zur Effizienzsteigerung im gesamten Sozialen Sicherungssystem bei.
Bundesgesundheitsministerin, Ulla Schmidt, betonte in ihrem schriftlichen Grußwort zu dem Kongress, dass im deutschen Gesundheitswesen die medizinisch notwendige und qualitativ hochwertige Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger sichergestellt werden muss. Hierfür seien Wirtschaftlichkeit und eine verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen die ent-scheidenden Bedingungen. „Sozialarbeit leistet bereits einen wesentlichen Beitrag zu einer qualitativ guten und zugleich effizienten Versorgung: Bei Ihren Tätigkeiten verknüpft sie die unterschiedlichen Systeme der soziale Sicherung. Sie hilft mit, die Behandlungsprozesse sektorenübergreifend aufeinander abzustimmen. Dadurch rückt der Patient in den Mittelpunkt des gesamten Behandlungsablaufs, Schnittstellenprobleme können beseitigt werden. Die Patienten werden in der Folge besser und effizienter versorgt“, so die Ministerin weiter.





