(openPR) Wer dieser Tage vom Reichstag zum Brandenburger Tor flaniert und dabei den Innenhof des Palais am Pariser Platz durchquert, erlebt eine Überraschung.
Neben Stephan Balkenhols überlebensgroßer Bronze-Skulptur “Großer Mann mit kleinem Mann” erwartet ihn ein weiterer Kulturspot, der Begegnung intendiert. In die lange Glasfassade des Restaurants Theodor Tucher sind sechs Gemälde des Berliner Künstlers Wolf Wonder als freischwebende Installationen integriert. In einer vierwöchigen Werk-Schau konfrontiert der Künstler das edle Ambiente des Theodor Tucher und lässt an dieser historischen Stätte Kunst im öffentlichen Raum entstehen.
Sechs figurative Bilder, jedes in der Grundfarbe Blau, bieten sich dem Betrachter dennoch vielschichtig an. In ihrer archaischen Ausdruckskraft erscheinen sie gleichermaßen zurückhaltend und bildgewaltig und damit ästhetisch provokant. Inhaltlich erschließen sie sich als Zeugnisse einer Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und Gegenwart.
So fällt das dunkelblaue Gemälde “It’s not a Mensch, it’s a Kopf” auf, das mit seinen Konterfeis und Namen an all jene politischen Köpfe erinnert, die in der Schröder-Ära rollten.
Das Bild “Ein Breuer macht noch keinen Sommer” widmet sich den Kapitänen deutscher Wirtschaft. In freundlichem Hellblau zitiert Wonder die Vergänglichkeit weltlicher Größe.
Einen beinah poetischen Klang erzeugen weitere sechs Gemälde Wonders aus der Werkgruppe Coming-Home, denen man begegnet, wenn man das Speisekabinett des Tuchers betritt. Sie bilden das Kernstück der Ausstellung und erschließen sich dem Betrachter durch eine kulinarische Interpretation. Der junge Küchenchef Thomas Hartwig hat sich durch sie inspirieren lassen und ein sechsgängiges Menue komponiert, das ebenso inspiriert und wunderbar heiter ist wie die farbintensiven Gemälde Wonders. Die heißen “Spring” und “Fall”, “White Dove” und “Schwarzer Vogel”, “Freud + Leid” oder “Me Father Home”, zu letzterem wird ein Eisbeingratin serviert. Ausgewählte Spitzenweine runden das ungewöhnliche Kultur-Bouquet ab.
Die Eröffnungsfeier wurde mit geladenen Gästen am 4.9.2007 zelebriert und war ein Fest der stillen Begeisterung.
Die Ausstellung umfasst insgesamt 24 Werke des Künstlers.
Betritt man die Galerie der Leselounge im 2.Stock, trifft man auf eine fünfteilige Bild-Serie, eine Art minimalistisch-malerischer Comicstrip mit narrativem Charakter, in dem das Kleine Tier, das in Wonders Bildern immer wieder auftaucht, als Münchhausen auf einer Gewehrpatrone durch den Raum saust, auf eine Zielscheibe zu. “New Aim” und “Choose Wise” ist auf den Bildern zu lesen. Wähle dein Ziel mit Bedacht. Das letzte Bild zeigt das Kleine Tier wieder in einer Coming-Home-Idylle, also Heimat zu finden bleibt das Ziel und die Aufgabe.
Gelangt man schließlich in den Literatensalon, den Staatsmänner durch ihren Besuch jüngst zur Weltbühne machten, entdeckt man über dem Kamin eine weitere Bildserie, “Ich kann fliegen”.
Sie ist wie “New Aim” ein frisches Werk aus 2007. Der Betrachter wird hier über das Schauen hinaus zum Lesen und Studieren angehalten, denn diese Bilder-Geschichte erzählt ein ganzes Leben.
Es ist eine autobiografische Odyssee durch einzelne Lebensstationen, in Form einer alle fünf Bilder durchziehenden Achterbahnfahrt durch Höhen und Tiefen, die das Kleine Tier, wohl stellvertretend für den Künstler, in einer Zeitreise zwischen 1950 und 2010 durchläuft oder durchfliegt?
Ein Werk der Ausstellung, das Selbstbildnis “Sweet Home” hat die Kunsthistorikerin Susanne Meyer zu einer Bildbetrachtung inspiriert.
Aus diesem Text wird der Schauspieler und Regisseur Rainer Guldener lesen, am 25.9.07 um 20 Uhr, im Literatensalon. Eintritt frei.
Die Ausstellung und das entsprechende Menue sind bis 7.9.07 zu erleben.
In Kooperation zeigt die RFA-Galerie am Checkpoint Charlie in der Zimmerstrasse 11 Wolf Wonder- Faces.
Restaurant Theodor Tucher am Brandenburger Tor
Pariser Platz 6a
10117 Berlin
Reservierung für die Lesung unter
Tel +49(0)30 22 489 464












