(openPR) Unter dem Titel "Gift im Klassenzimmer" berichtet die ZDF-Sendung FRONTAL heute über polychlorierte Biphenyle (PCB) in Schulen. Aktuell wurden erhöhte PCB-Meßwerte in der Innenraumluft der Marburger Pestalozzi-Förderschule gefunden.
Die vielseitig nutzbaren chemischen Eigenschaften der polychlorierten Biphenyle sind seit mehr als 70 Jahren bekannt. Allerdings reichern sich PCB in der Umwelt und in der Nahrungskette aufgrund ihrer Stabilität und guten Fettlöslichkeit an. Ihre Verwendung wurde daraufhin eingeschränkt und seit 1989 grundsätzlich verboten.
Polychlorierte Biphenyle finden sich typischerweise in Bauten, die zwischen 1960 und etwa 1975/80 errichtet wurden. Häufig handelt es sich dabei um öffentliche Gebäude wie Schulen und Kindergärten. Als Quellen kommen u.a. PCB-haltige Fugendichtmassen („Thiokol“), lecke Kondensatoren in Leuchtstoffröhren, PCB-haltige Flammschutzmittel, Anstriche und Kunststoffe in Frage. In bestimmten Deckenplatten diente PCB als Weichmacher für den Farbanstrich.
Fachleute von Bund und Ländern haben Handlungsempfehlungen in einer so genannten PCB-Richtlinie niedergelegt. Eine Intervention sollte bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter (im Jahresmittel und bei einer Aufenthaltsdauer von 24 Std. pro Tag) erfolgen. Das bedeutet aber auch, dass bei kürzerer Aufenthaltsdauer entsprechend höhere Konzentrationen zeitweilig toleriert werden können.
Die in der Marburger Schule gemessenen Werte lagen im Bereich um 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter, also im Grenzbereich.
Auswirkungen auf die Gesundheit:
Polychlorierte Biphenyle sind für den Menschen bei akuter Einwirkung nur schwach toxisch. Die Beurteilung der gesundheitlichen Langzeitwirkungen (z.B. auf Leber, Immunsystem und Schilddrüse) ist dagegen schwierig, nicht zuletzt deshalb, weil es sich bei den PCB um eine umfangreiche Stoffgruppe handelt.
Die Belastung der Innenraumluft einiger Schulen mit polychlorierten Biphenylen ist insgesamt nicht unbedenklich, sie sollte aber vor dem Hintergrund gesehen werden, dass mehr als 90 % der PCB-Zufuhr über die Nahrung erfolgt. Aus diesem Grund sind Blutuntersuchungen auf PCB bei Schülern und Lehrern nicht sinnvoll. Die Zusatzbelastung durch die Innenraumluft wird auf 3 – 5 % geschätzt. Grundsätzlich gilt für PCB aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes ein Minimierungsgebot.
Einfachste Sofortmaßnahme in PCB-belasteten Schulen ist das regelmäßige Stoßlüften (mehrfach täglich, bevorzugt als Querlüften).
Darüber hinaus sollten der Boden (und gelegentlich auch das Mobiliar) feucht gewischt werden.
Je nach Belastung der Innenraumluft kommen verschiedene dauerhafte Sanierungsmöglichkeiten in Betracht, die auch unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit bedacht werden sollten.
Ausführliche Informationen zu PCB und weiteren Umweltschadstoffen finden sich in unserem kinderärztlichen Informationsangebot www.allum.de („Allergie, Umwelt und Gesundheit“).
Kinderumwelt gGmbH
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