(openPR) Eigentlich bin ich ja ein liberaler, aufgeschlossener und gutmütiger Mensch, mit einer Zuneigung für das südliche Afrika, ganz besonders für diese nette Stadt ganz unten, quasi am Ende, mit dem lustigen Berg in der Mitte. Doch seit geraumer Zeit verursachen deutsche TV-Sender bei mir heftige Übelkeit, schlechte Laune und eine bis dato an mir ungekannte Intoleranz!
Selbst wenn mal wieder ein Drehteam in Camps Bay gleich zehn der wenigen Parkplätze in der Victoria Road, direkt am Beach, in Beschlag nimmt und ich ebenso viele Schritte mehr als gewohnt laufen muss, um an einen Sundowner zu kommen, bleib ich ruhig und sage mir: „It all helps“. Schließlich hat die Filmindustrie in Cape Town nicht nur bohnenschlanken, dumpf lächelnden Models aus Milano, Miami und München einen lukrativen Job unter der Sonne Südafrikas verschafft. Die Filmindustrie, als lohnintensiver Wirtschaftsfaktor, hat in den letzten Jahren auch zirka 30.000 Menschen am Kap zu einem Einkommen verholfen und sie spült auch dringend benötigte Steuergelder in die stets klammen Kassen der Stadt. So weit so gut.
Seitdem aber das ZDF-Hausboot für pensionsberechtigte TV-Mimen, kurz „Traumschiff“ genannt, das erste Mal in Kapstadts Kaimauer gekracht ist, wird mir bei Ansicht dieser TV-Schmonzetten regelmäßig schlecht und mein sonst so gelassenes Wesen gibt seinen Geist auf. Resultat: Die Nackenhaare sträuben sich und mein Magen beginnt sich gegen den Uhrzeigersinn zu drehen. Es ist ja begrüßenswert, dass selbst die heimischen Fernsehmacher erkannt haben, dass die Welt doch keine Scheibe ist, auf der sich ausschließlich angehende Superstars (RTL), oder volksmusikverliebte Moderatorinnen a la Carmen Nebel (ZDF) drehen. Doch warum müssen diese intelligenzfreien Auslandskomödien ausgerechnet in Südafrika zusammengeschustert werden? Sind es wirklich nur die vergleichsweise niedrigen Produktionskosten am Fernseh-Kap, oder spendieren die Sender neuerdings ihren Top-Mimen einen wohlverdienten Urlaub vom deutschen Serienstress unter der Sonne Afrikas, mit täglich zehnminütigem, dialogfreien Grinsen in eine Kamera?
Auch das neueste Dramulett: „Mein Traum von Afrika“, Erstverwertung beim RBB am 16.08.07 um 20.15 Uhr, folgt einem höchst einfachen und bei der Zielgruppe der über 70-jährigen, beliebten Strickmuster:
Krankenschwester in besten Jahren, von Mann wg. Jüngerer verlassen, Job wegrationalisiert (Hartz-IV-Quotenfaktor), spült es an den Tafelberg, streichelt Negerkind über den Kopf, verliebt sich in alten Schulfreund, oh wie schön ist Afrika und Ende nach 90 Minuten!
Ist es da nicht verständlich, dass mein Magen beim Lesen dieser vollmundigen Ankündigung schon wieder in den Streik tritt? Ach übrigens, es soll nicht unerwähnt bleiben, das quasi als Garant für sinnfreies TV-Vergnügen, die allseits beliebte Jutta Speidel herhalten muss.
Armes Kapstadt, du hast soviel mehr zu bieten! Deshalb folgen Sie meinem Rat, schalten Sie getrost Ihr Fernsehgerät ab und klicken Sie sich mal durchs Internet. Natürlich auf den Seiten von www.capetown-online.com und mit kollegialer Hochachtung auch bei www.kapstadt.de, oder lesen Sie mal wieder ein Buch. Es gibt soviel gute Literatur aus Afrika: www.afrikaroman.de.
Und verzeihen Sie mir diese leicht abgewandelte TV-Metapher: Mit uns klicken Sie in der ersten Reihe!












