(openPR) Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Jährlich erkranken in Deutschland zwischen 60.000 und 70.000 Menschen, 30.000 sterben im gleichen Zeitraum an der oft viel zu spät diagnostizierten Krankheit. Im neuen zertifizierten Darmzentrum im Klinikum Nürnberg finden Darmkrebspatienten nun eine interdisziplinäre Therapie nach modernsten Standards.
„Viele Todesfälle könnten vermieden werden, wenn die Vorsorge besser genutzt würde“, bedauert Dr. Herbert Muschweck, Chefarzt der Gastroenterologie. Nur drei Prozent der über 55-Jährigen nutzen die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Dabei ließe sich Darmkrebs in vielen Fällen verhindern, wenn dessen Vorstufen – dies sind zunächst gutartige Polypen – frühzeitig entfernt würden. „Polypen können gleich bei der Vorsorge-Darmspiegelung entfernt werden“, so Muschweck. Vorsorgeuntersuchung und Therapie sind also in einem Eingriff möglich. Auch Darmtumore im Frühstadium sind gut zu behandeln.
Doch die Realität sieht leider anders aus. Darmkrebs wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, da er spät Beschwerden macht. „Bei einem fortgeschrittenen Darmtumor brauchen wir eine komplexe Behandlungsstrategie“, erläutert Prof. Christoph-Thomas Germer, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. Entsprechende multimodale Behandlungskonzepte können nur in enger Kooperation von Experten aus den verschiedenen Fachdisziplinen entwickelt werden.
Optimale Krebstherapie
Seit Januar bündelt das Klinikum Nürnberg seine interdisziplinären Kompetenzen im zertifizierten Darmzentrum. „Studien belegen, dass die Behandlungsqualität in einem Darmzentrum besser ist als anderswo, weil nur hier das neueste Wissen und eine optimale Organisation aufeinander treffen“, so Dr. Lars Engel, Arzt in der Klinik für Allgemeinchirurgie und Koordinator des Darmzentrums. Den Patienten erwartet im Klinikum Nürnberg also eine optimale Therapie.
Jeder Patient wird dem interdisziplinären Expertengremium am Tumorboard, zu dem sich Ärzte aus der Allgemeinchirurgie, der Gastroenterologie, der Onkologie, der Strahlentherapie, der Radiologie und der Pathologie wöchentlich treffen, vorgestellt. Gemeinsam entwickeln die Experten ein maßgeschneidertes Therapiekonzept für jeden Patienten. Die Behandlung folgt dabei den neuesten internationalen Standards, wie sie in den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft festgelegt sind.
Zertifiziertes Darmzentrum
Zudem ist das Darmzentrum Nürnberg eines von insgesamt nur elf zertifizierten Darmzentren in ganz Deutschland. Die Zertifizierung stellt hohe Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter, an die Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen und an ein internes Qualitätsmanagementsystem. So sind z.B. Mindestfallzahlen vorgeschrieben, die allein die Klinik für Allgemeinchirurgie achtfach erfüllt. 2006 wurden hier 360 Patienten mit Darmkrebs operiert, darunter viele Patienten, bei denen der Tumor bereits gestreut hat.
Der Patient kommt zuerst zur ambulanten Diagnostik ins Darmzentrum. Spätestens zwei Wochen später beginnt die Therapie. Mit nun 24 niedergelassenen Facharztpraxen gibt es bereits feste Absprachen, um z.B. Doppeluntersuchungen zu vermeiden und einen nahtlosen Übergang von der stationären Behandlung zur Nachsorge zu gewährleisten. „Wir halten auch nach der Behandlung im Darmzentrum den Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten und kontrollieren die Qualität unserer Arbeit anhand der 5-Jahresüberlebenszeit", so Engel.
Rasante Entwicklung in der Therapie
Die Therapiemöglichkeiten bei Tumorkrebs haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. „Bei der Chemotherapie gibt es eine rasante Entwicklung“, berichtet Prof. Martin Wilhelm, Chefarzt der Onkologie. „Auch bei schlechter Prognose lässt sich heute die Lebenserwartung verdreifachen.“ Bei der Therapie werden Operation, Bestrahlung und Chemotherapie eng aufeinander abgestimmt. „Viele Tumore können durch vorherige Bestrahlung geschrumpft und dann besser operiert werden“, berichtet Prof. Helmut Renner, Leitender Arzt der Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie Renner und Birkenhake und der Bettenstation der Radioonkologie im Klinikum Nürnberg.
Neben der Heilung steht vor allem die Funktionsfähigkeit der Organe, allen voran die Funktion des Schließmuskels, im Mittelpunkt. In 85 Prozent der Fälle kann dessen Funktion erhalten werden, dem Patienten bleibt damit ein künstlicher Darmausgang erspart. Lokalrezidive bei Mastdarmkrebs können durch eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie oft verhindert werden. Auch für Patienten, bei denen der Darmtumor schon Metastasen gesetzt hat, bestehen heute gute Behandlungsmöglichkeiten, die zumindest eine höhere Lebensqualität und eine längere Überlebenszeit garantieren.
Klinikum-Vorstand Klaus Wambach sieht mit dem Darmzentrum sowohl die Behandlungsqualität bei Darmkrebs wie auch die Patientenfreundlichkeit gestärkt. „Der Patient trifft hier alle Experten für seine Krankheit an einem Ort.“ Er rechnet damit, dass das Darmzentrum so erfolgreich laufen wird wie die bereits bestehenden Zentren, darunter das Brust- und das Kontinenzzentrum.
Sprechstunde im Darmzentrum: Montag bis Freitag 9:00 bis 12:00 Uhr
Anmeldung: Tel. 0911/398-7135
www.darmzentrum-nuernberg.de
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Das Klinikum Nürnberg mit rund 2.400 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) versorgt mit seinen 5.200 Mitarbeitern rund 83.000 stationäre und 53.000 ambulante Patienten im Jahr.



