openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Erstmals Antiprotonen transportiert

24.03.202615:04 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Antiprotonen wurden an der „Antimateriefabrik“ (AMF) des CERN produziert, der weltweit einzigen Anlage, die diese speziellen Teilchen mit besonders niedriger Energie bereitstellen kann. Dem Forschungsteam von BASE (Baryon Antibaryon Symmetry Experiment) gelang es nun, eine Wolke aus rund 100 Antiprotonen – dem Antimateriependant der Protonen – in einer transportablen sogenannten Penning-Falle zu sammeln. Die Falle wurde daraufhin von der stationären Versuchsanlage getrennt, auf einen Lkw verladen, mit diesem über das CERN-Gelände gefahren und schließlich wieder mit der Versuchsanlage verbunden, so dass die Antiprotonen zurückgespeist werden können.

Prof. Dr. Stefan Ulmer, Sprecher von BASE und Lehrstuhlinhaber für Quantentechnologie und Fundamentale Symmetrien an der HHU: „Antiprotonen einzufangen und über längere Zeit zu speichern, erfordert einiges an Know-how. Denn Antimaterie zerstrahlt sofort, sobald sie mit Materie in Kontakt kommt. Deshalb müssen die Antiteilchen so mit elektrischen Feldern und Magnetfeldern unter extrem hohem Vakuum gelagert werden, dass sie nicht mit Gasteilchen oder dem Speichergefäß in Kontakt kommen.“

Doch wozu dieser Aufwand? Die BASE-Kollaboration will die Eigenschaften von Antiprotonen, wie beispielsweise ihr intrinsisches magnetisches Moment, präzise vermessen und diese Messergebnisse mit denen des Protons vergleichen. BASE hält seit langem den Rekord, Antiprotonen länger als ein Jahr in ihrem stationären Aufbau an der AMF zu speichern.

Um auf die notwendige Präzision zu kommen, stehen die Physiker aber vor einem Problem: Die Beschleuniger in der AMF am CERN – wo sich BASE befindet – erzeugen Magnetfeldschwankungen, die die erreichbare Genauigkeit einschränken. „Um ein noch tieferes Verständnis der grundlegenden Eigenschaften von Antiprotonen zu erlangen, brauchen wir eine Umgebung mit geringeren Störfeldern. Wir müssen also umziehen, beispielsweise in unser an der HHU entstehendes Labor für hochpräzise Messungen der Antiprotoneneigenschaften. Daher haben wir vor etwa zehn Jahren begonnen, eine transportable Falle zu konzipieren, die wir unter Federführung von Christian Smorra innerhalb der Kollaboration entwickelt haben“, so Ulmer. Die Weltpremiere am CERN ist für diesen „Umzug“ ein wichtiger Test: Er zeigt, dass es technisch möglich ist, Antiprotonen in andere europäische Labore zu transportieren.

„Wir haben dazu die transportable Falle BASE-STEP entwickelt, um die eingefangenen Antiprotonen an verschiedene Präzisionslabore transportieren zu können – innerhalb des CERN, an die HHU, die Leibniz-Universität Hannover und möglicherweise an weitere Labore. Dort sollen die äußerst präzisen Antiprotonenmessungen durchgeführt werden“, erklärt Dr. Christian Smorra, Mitglied in Ulmers Düsseldorfer Arbeitsgruppe und der Leiter des vom European Research Council (ERC) geförderten Projekts STEP (Symmetry Tests in Experiments with Portable antiprotons). „Im letzten Jahr haben wir die Machbarkeit unseres Konzepts bereits mit Protonen bestätigt. Nun haben wir das gleiche mit Antiprotonen erreicht, ein riesiger Sprung in Richtung unseres Ziels.“

BASE-STEP fängt die Antiteilchen mithilfe magnetischer und elektrischer Felder ein. Die Apparatur wiegt rund 850 kg, sie kann auf einen Lkw verladen werden, passt durch normale Labortüren und hält den Stößen und Vibrationen während des Straßentransports stand. Sie umfasst einen supraleitenden Magneten, eine Kryokühlung mit flüssigem Helium, Energiereserven und eine Vakuumkammer. Damit ist sie wesentlich kompakter als jedes andere bestehende System zur Untersuchung von Antimaterie.

„Bis jetzt haben wir in BASE-STEP Antiprotonen zwei Wochen verlustfrei gespeichert, und wir können die Falle vier Stunden autonom transportieren“, sagt Smorra. „Aber um unser Labor an der HHU zu erreichen, benötigen wir mindestens zehn Stunden. Das bedeutet, dass wir den supraleitenden Magneten der Falle so lange auf einer Temperatur unter 8,2 K (-265 °C) halten müssen.“ Anstelle von flüssigem Helium, das zur Neige gehen kann, bräuchte es dazu einen Generator, um einen Kryokühler auf dem Lkw mit Strom zu versorgen.

„Der Transport von Antimaterie ist ein bahnbrechendes und ehrgeiziges Projekt, und ich gratuliere der BASE-Kollaboration zu diesem beeindruckenden Meilenstein. Wir stehen am Anfang einer spannenden wissenschaftlichen Reise, die es uns ermöglichen wird, unser Verständnis von Antimaterie weiter zu vertiefen“, sagt Dr. Gautier Hamel de Monchenault, Direktor für Forschung und Datenverarbeitung am CERN.

Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der HHU, beglückwünscht die Forschenden zu ihrem großen Erfolg: „Die wissenschaftliche und technische Meisterleistung, die dem Team um Prof. Ulmer und Dr. Smorra gelungen ist, hilft, die Forschung an Großforschungseinrichtungen und an Universitäten noch stärker zu verzahnen. Und sie schafft die Grundlage, um fundamentale Fragen der Naturwissenschaften in Düsseldorf zu beantworten – eine äußerst spannende Perspektive.“

Materie, Antimaterie und die Antimateriefabrik AMF

Zu jedem Materie- gibt es ein Antimaterieteilchen. Diese sind zueinander fast identisch, sie unterscheiden sich lediglich im Vorzeichen der Ladung und den magnetischen Eigenschaften. Nach den Gesetzen der Physik hätten im Urknall gleiche Mengen von Materie und Antimaterie entstehen müssen. Aber: Teilchen und Antiteilchen hätten sich auch schnell wieder gegenseitig vernichten müssen, so dass ein leeres Universum übriggeblieben wäre. Das Universum besteht aber aus Materie. Es muss also ein Ungleichgewicht geben, welches den Forschenden seit Jahrzehnten Rätsel aufgibt. Physiker vermuten, dass es verborgene Unterschiede gibt, die erklären können, warum letztlich die Materie überlebte und die Antimaterie verschwand.

Die AMF am CERN ist weltweit der einzige Ort, an dem niederenergetische Antiprotonen erzeugt, gespeichert und untersucht werden können. Zwei sogenannte Abbremssanlagen, der „Antiproton-Decelerator“ (AD) und der „Extra Low ENergy Antiproton Ring“ (ELENA), versorgen mehrere Experimente mit Antiprotonen. Je niedriger die Energie der Antimaterie, desto leichter lässt sie sich zur Untersuchung speichern.

Die BASE-Kollaboration und BASE-STEP

Die 2012 gegründete Kollaboration BASE mit Sitz an der AMF am CERN umfasst Forschungsinstitute in Deutschland, Japan, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Zu ihr gehören:
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Braunschweig
- GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Darmstadt
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- CERN, Genf
- Leibniz-Universität Hannover
- Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg
- Imperial College London
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- RIKEN, Japan
- Universität Tokio
- ETH Zürich

Gründer und Sprecher der Kollaboration ist Prof. Dr. Stefan Ulmer, Lehrstuhlinhaber für Quantentechnologie und Fundamentale Symmetrien an der HHU. Er ist auch Chief Scientist am RIKEN in Japan.

Im Rahmen der BASE-Kollaboration fördert das ERC das Projekt STEP, in dessen Rahmen die Transportfalle für Antiprotonen entwickelt wurde. Leiter dieses Projekts ist Dr. Christian Smorra.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1307486
 186

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Erstmals Antiprotonen transportiert“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Leistungsschub mit KI – Quantencomputing-basierte Methoden machen das Training großer KI-Modelle effizient
Leistungsschub mit KI – Quantencomputing-basierte Methoden machen das Training großer KI-Modelle effizient
Die zunehmende Verbreitung großer KI-Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie ChatGPT, Gemini uvm. sowie spezialisierter Surrogat-Netzwerke, die komplexe physikalische, technische oder mathematische Systeme datenbasiert approximieren, führt zu einem steigenden Hunger nach Rechenleistung, Energie und Speicherressourcen. Das Training dieser Modelle bringt Rechenzentren an technische und wirtschaftliche Grenzen. Vor diesem Hintergrund fordert auch der EU AI Act mehr Transparenz hinsichtlich des Energieverbrauchs von KI-Systemen und unters…
28.07.2026
16:19
Bild: Beteigeuze hat einen Partnerstern: Astronom*innen liefern den bislang überzeugendsten Beweis
Beteigeuze hat einen Partnerstern: Astronom*innen liefern den bislang überzeugendsten Beweis
Ein internationales Team von Astronom*innen hat mithilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile den bislang überzeugendsten Beweis dafür erbracht, dass Beteigeuze, einer der hellsten und am häufigsten beobachteten Sterne am Nachthimmel, nicht allein ist. Tief in seinem gleißenden Licht entdeckte das Team, dem auch Dr. Emma Bordier vom Institut für Astrophysik der Universität zu Köln angehört, einen schwachen Lichtpunkt, den sie „Beteigeuze B“ nennen – einen möglichen Begleitstern. An der von Dr. Miguel Montargè…

Das könnte Sie auch interessieren:

Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch
Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch
Magnetische Kraft von Antiprotonen auf neun signifikante Stellen genau gemessen – 350-mal genauer als bisher --- Die Suche geht weiter. Noch immer wurde kein Unterschied zwischen Protonen und Antiprotonen gefunden, der die Existenz von Materie in unserem Universum erklären könnte. Dabei ist es Physikern der BASE-Kollaboration am Forschungszentrum CERN …
Umweltministerium erteilt atomrechtlichen Vorbescheid für Erweiterung und Ausbau des internationalen
Umweltministerium erteilt atomrechtlichen Vorbescheid für Erweiterung und Ausbau des internationalen
… Ionenbeschleuniger in den Strahlenparametern Energie und Intensität deutlich übertreffen. Neben der Beschleunigung und Speicherung von Ionen ist auch die Produktion von Antiprotonen geplant. Die Anlage kann somit Grundlagenforschung betreiben und beispielsweise neue chemische Elemente ausfindig machen, weitere Erkenntnisse über die Entstehung des Weltalls …
Bild: Meilenstein auf dem Weg zur Erzeugung von Antiwasserstoff in Mainz: neue Zweifrequenz-Paul-Falle getestetBild: Meilenstein auf dem Weg zur Erzeugung von Antiwasserstoff in Mainz: neue Zweifrequenz-Paul-Falle getestet
Meilenstein auf dem Weg zur Erzeugung von Antiwasserstoff in Mainz: neue Zweifrequenz-Paul-Falle getestet
… typischen Paul-Falle jeweils nur eine Art von Teilchen eingefangen werden kann. Um Antiwasserstoff zu synthetisieren, müssten jedoch zwei Arten von Teilchen – Antiprotonen und Positronen – gleichzeitig zusammen eingebunden werden. Aufgrund ihrer geringen Masse benötigen Positronen für einen stabilen Einschluss Felder im GHz-Frequenzbereich, während Antiprotonen …
Bild: Andy Borg - Meine Evergreens und unvergessenen HitsBild: Andy Borg - Meine Evergreens und unvergessenen Hits
Andy Borg - Meine Evergreens und unvergessenen Hits
… gewinnen können. HIER GEHT ES DIREKT ZUM GEWINNSPIEL: http://www.smago.de/5-x-2-karten-inkl-meet-greet-gewinnen-hier,,cdwoche,,1345.html Quelle: Smago TITELLISTE CD 1 01. Da wo deine Wurzeln sind (erstmals aufgenommen: 1990) 02. Könntest du in meine Träume schau'n (erstmals aufgenommen: 1989) 03. Adios amor (erstmals aufgenommen: 1982) 04. Ich …
Bild: Protonen auf Reisen
Protonen auf Reisen
… der Teilchenphysik. Die BASE-Kollaboration (Baryon Antibaryon Symmetry Experiment) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf sucht nach winzig kleinen Unterschieden zwischen Protonen und Antiprotonen. Prof. Dr. Stefan Ulmer, Physiker an der HHU, Gründer und Sprecher von BASE: „Um mögliche Unterschiede beim magnetischen Moment oder beim Ladung-zu-Masse-Verhältnis …
Bild: Fotosensor aus Smartphones hilft bei Antimaterieforschung am CERN
Fotosensor aus Smartphones hilft bei Antimaterieforschung am CERN
… fotografische Platten die einzige Option, um die gewünschte Präzision zu erreichen. Diese ließen jedoch keine Echtzeitmessungen zu. „Unsere Lösung wurde bereits an Antiprotonen erfolgreich getestet und wird nun direkt auf Antiwasserstoff angewendet: Wir kombinieren eine hohe Auflösung auf Fotoplattenniveau, Echtzeitdiagnose, Selbstkalibrierung und ein guter …
Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen
Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen
Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen --- Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der Grundstein gelegt, und bis heute arbeiten Physiker …
Bild: Komplexer Ringtunnel für High-Tech-Forschung
Komplexer Ringtunnel für High-Tech-Forschung
… derzeit größten Forschungsvorhaben weltweit. Hier werden in Zukunft rund 3.000 Wissenschaftler die Geheimnisse des Universums erforschen, indem sie Ionen und Antiprotonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigen. Beim Aufprall der Teilchen auf eine Materialprobe werden Erkenntnisse gewonnen, die für die unterschiedlichsten Forschungsgebiete genutzt …
Die „seltsame“ Seite der Atomkerne: Professor Alexandre Obertelli erhält ERC Advanced Grant
Die „seltsame“ Seite der Atomkerne: Professor Alexandre Obertelli erhält ERC Advanced Grant
… wenig bekannt, da es kaum präzise Messdaten gibt.Das Forschungsprojekt „HYPER“ will dies nun mit einem neuen Ansatz än-dern: Die Wissenschaftler:innen wollen Hyperkerne mithilfe von Antiprotonen – den Antiteilchen der Protonen – erzeugen. Die Wechselwirkung eines An-tiprotons mit einem Atomkern setzt die Energie frei, die notwendig ist, um Hyperonen …
Bild: Völkerrechtliches Abkommen für das internationale Beschleunigerzentrum FAIRBild: Völkerrechtliches Abkommen für das internationale Beschleunigerzentrum FAIR
Völkerrechtliches Abkommen für das internationale Beschleunigerzentrum FAIR
… die physikalische Grundlagenforschung. Schon heute arbeiten etwa 3.000 Wissenschaftler aus über 40 Ländern an der Planung der Experimentier- und Beschleunigeranlagen. FAIR wird Antiprotonen- und Ionenstrahlen mit bisher unerreichter Intensität und Qualität liefern. Im Endausbau besteht FAIR aus acht Kreisbeschleunigern mit bis zu 1.100 Metern Umfang, …
Sie lesen gerade: Erstmals Antiprotonen transportiert