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So klingt Inklusion

16.12.202511:00 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) Wenn Kinder mit Behinderung im Musikunterricht nicht mitspielen können, liegt das oft an den Instrumenten. Der Musikpädagoge und Forscher Andreas Förster hat deshalb digitale Musikinstrumente entwickelt, die barrierefrei sind – gemeinsam mit den Kindern, für die sie gedacht sind. In seiner Doktorarbeit an der Technischen Universität Berlin und der Hochschule Furtwangen erforschte er, wie solche Instrumente entstehen können, wenn Schüler*innen mitgestalten statt nur ausprobieren. Aus dieser partizipativen Forschung entstanden neuartige Musikinstrumente wie der interaktive Sternenhimmel SnoeSky und eine leicht spielbare digitale Gitarre. Mit einem EXIST-Gründerstipendium wollen Förster und sein Team die Idee nun in ein Startup überführen, damit inklusive Musikpädagogik nicht Theorie bleibt, sondern Schulalltag wird.

„Viele Musikinstrumente sind schlicht nicht zugänglich“, sagt Andreas Förster. „Manche Kinder können sie gar nicht oder nur mit Hilfe nutzen und erleben so Ausgrenzung im Musikunterricht.“ Genau hier setzt seine Forschung an: Er wollte Instrumente schaffen, die allen Kindern Teilhabe ermöglichen – unabhängig von körperlichen, motorischen oder kognitiven Fähigkeiten.

Forschung mit den Kindern und nicht über sie
Försters Ansatz war von Beginn an partizipativ. Statt Instrumente am Schreibtisch zu entwerfen, arbeitete Förster in Förderschulen mit Schüler*innen, Lehrkräften und Assistenzkräften zusammen. „Ich bin in die Schule gegangen, ohne schon zu wissen, was wir genau entwickeln. Ich wollte erst hören, was sich die Kinder wünschen und was sie brauchen.“

Daraus entstanden mehrere Instrumente. In seinem ersten Projekt entwickelte er „SnoeSky“, ein interaktiver Sternenhimmel für sogenannte Snoezelen-Räume – Entspannungsräume mit Licht und Klang. Mit einer Taschenlampe steuern die Kinder Lichtpunkte an der Decke, die daraufhin Töne, Farben und Vibrationen erzeugen. „Das war eine multisensorische Erfahrung, die sehr gut ankam“, sagt Förster.

In einem zweiten Projekt arbeitete er über ein Jahr mit einer festen Schüler*innengruppe in Nordrhein-Westfalen: elf Kinder, zwei Musiklehrer, sieben Assistenzkräfte. Gemeinsam entwickelten sie eine ganze Reihe von Instrumenten. „Weil viele Kinder gerne Gitarre spielen wollten, haben wir eine Gitarre mit farbigen Buttons gebaut, mit denen man Akkorde auswählen kann. Mit einem Touchslider kann man sie anschlagen oder einzelne Saiten zupfen. Einfach zu bedienen, aber mit echtem Musikerlebnis.“

Vom Ball zum Musikinstrument
Ein Schlüssel zum Erfolg war die Entwicklung individuell angepasster Instrumente. „Wir haben beobachtet, welche Alltagsbewegungen für die Kinder bedeutsam sind“, erklärt Förster. „Ein Schüler hatte immer einen kleinen Ball bei sich. Wir haben daraus ein Instrument gebaut, das auf Bewegungen reagiert und Loops steuert. So konnte der Junge mit den anderen gemeinsam musizieren.“

Diese Arbeit führte zu einem Perspektivwechsel: Weg vom Ersatzdenken – hin zur Selbstwirksamkeit. Kinder, die sonst kaum Möglichkeiten haben, sich musikalisch auszudrücken, wurden Teil eines Ensembles und erlebten sich als aktiv gestaltend.

Umfrage mit klaren Ergebnissen
Bevor Förster in die Schulen ging, führte er eine bundesweite Erhebung durch. In zwölf Bundesländern befragte er Lehrkräfte an Förderschulen. Das Ergebnis war ernüchternd: Digitale Musikinstrumente werden kaum eingesetzt. Wenn überhaupt, dann meist nur als Notlösung, wie etwa Keyboard-Apps, die ein Klavier oder andere Instrumente imitieren. „Das führt schnell zu einer defizitorientierten Haltung: Du kannst kein echtes Instrument spielen, also bekommst du ein digitales. Genau das wollte ich vermeiden“, so Förster.

Was Schulen brauchen
In Gesprächen mit Lehrkräften wurde klar: Die Hürden liegen weniger im Willen als in der Praxis. „Instrumente müssen einfach zu bedienen sein“, sagt Förster. „Einschalten, spielen – ohne Kabelsalat, ohne komplizierte Software.“ Viele Lehrkräfte sind fachfremd. Bis zu 50 Prozent des Musikunterrichts wird laut Försters Erhebung nicht von Musikpädagog*innen erteilt. Deshalb will er neben den Instrumenten didaktisches Material entwickeln: Unterrichtsbeispiele, Handreichungen, Anleitungen.

Vom Verein zum Start-up
Aus seiner Forschung ist längst Praxis geworden. Förster gründete zunächst einen gemeinnützigen Verein, um inklusive Musikinstrumente zugänglich zu machen und in der Ausbildung von Musikpädagog*innen zu verankern. Gemeinsam mit der Universität zu Köln baut er derzeit eine Sammlung digitaler Instrumente auf, die Student*innen erproben können.

Der nächste Schritt ist die Unternehmensgründung: Mit Förderung durch das EXIST-Gründerstipendium entwickeln Förster und sein Team nun marktreife Instrumente. Den Anfang machen die digitale Gitarre und der „SnoeSky“. „Wir wollen die Technik so einfach machen, dass Lehrkräfte sie ohne Spezialwissen nutzen können. Einschalten, spielen, fertig.“

Musik als gemeinsame Sprache
Was Försters Arbeit auszeichnet, ist die Verbindung von Forschung, Technologie und Pädagogik – und der Respekt vor den Fähigkeiten der Kinder. „Ich wollte von Anfang an nicht Defizite ausgleichen, sondern Möglichkeiten schaffen“, sagt Förster. „Musik kann Brücken bauen – wenn man sie allen zugänglich macht.“ Was als Dissertation begann, wird jetzt zum Unternehmen. Förster will zeigen, dass inklusive Musik keine Sonderform ist, sondern schlicht gute Musikpädagogik.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Andreas Förster
Fachgebiet Audiokommunikation
Fakultät I Geistes- und Bildungswissenschaften
TU Berlin
E-Mail:
Tel.: 0177 7094579

Weitere Informationen:
Weitere Informationen zu dem Forschungsprojekt Zugängliche Musikinstrumente:
Die Doktorarbeit Zugängliche digitale Musikinstrumente im sonderpädagogischen Kontext ist frei verfügbar:
Ein Video über den interaktiven Sternenhimmel SnoeSky:

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