openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Software-Entwicklern fehlt bei KI-Assistenten „gesundes Misstrauen“ - anders als bei Kollegen

03.11.202509:00 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) Die Qualität von Software steigt, wenn die Programmierung von zwei Personen gemeinsam übernommen wird. In der Fachwelt spricht man von „Pair Programming“. „Entwickler sollen sich dabei gegenseitig inspirieren und problematische Lösungen vermeiden helfen. Sie können zudem ihr eigenes Wissen an Kollegen weitergeben und dafür sorgen, dass möglichst viele Personen im Unternehmen mit dem Quellcode vertraut sind“, erklärt Sven Apel, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes. Er hat mit seinem Team untersucht, ob dieses Verfahren genauso verlässlich mit KI-Assistenten funktioniert. In einer empirischen Studie bildeten insgesamt 19 Studierende mit Programmiererfahrung Zweierteams, sechs hatten jeweils einen menschlichen Kollegen, sieben Testpersonen programmierten mit einem KI-Assistenten zusammen. Die methodische Grundlage zur Messung des Wissenstransfers wurde von Niklas Schneider im Rahmen seines Bachelorstudiums entwickelt.

Die Forscher nutzten für die Studie den von Microsoft im Jahr 2021 eingeführten „Github Copilot“, der inzwischen wie ähnliche Produkte anderer Unternehmen von vielen Softwareentwicklern genutzt wird. Er hat die Art und Weise, wie programmiert wird, stark verändert. „Software kann damit viel einfacher entwickelt werden, so dass riesige Mengen Programmcode in kurzer Zeit entstehen. Dies birgt aber auch die Gefahr, dass sich Fehler einschleichen, die möglicherweise erst als Langzeitfolge sichtbar werden“, warnt Sven Apel. Von daher wollte der Informatikforscher mit seinem Team verstehen, welche Mechanismen beim Programmieren in Zweierteams die Arbeit gegenseitig befruchten und was davon auch auf die Zusammenarbeit mit KI-Assistenten übertragbar ist. Die Testteams bekamen dafür eine Programmieraufgabe gestellt, bei der sie Algorithmen entwickeln mussten, um diese dann in eine gemeinsame Projektumgebung zu integrieren.

„Beim gemeinsamen Programmieren spielt der Wissenstransfer eine wesentliche Rolle. Die Entwickler diskutieren dafür kontinuierlich die anstehenden Probleme und suchen gemeinsam nach Lösungen. Dabei werden nicht nur Fragen und Antworten ausgetauscht, sondern es werden am Bildschirm bewährte Verfahren demonstriert oder proaktiv eigene Erkenntnisse weitergegeben“, erklärt Sven Apel. Dieses Wissen wurde, wie die Studie zeigt, auch in den Zweierteams mit KI-Assistenten ausgetauscht, diese agierten jedoch weniger intensiv miteinander und deckten eine geringeres Themenspektrum ab. Vielfach ging es nur um den reinen Programmiercode. „Die menschlichen Teams neigten hingegen dazu, vom Thema abzuschweifen und weniger konzentriert am jeweiligen Problem zu verweilen“, führt der Informatik-Professor als ein Ergebnis an.

Besonders überrascht war das Forscherteam jedoch von einer grundlegenden Beobachtung: „Die Test-Programmierer neigten dazu, die Vorschläge des KI-Assistenten ohne kritische Prüfung anzunehmen. Sie vertrauten darauf, dass der Code wie erwartet funktionieren wird. Zwischen den menschlichen Kollegen gab es hierbei viel häufiger kritische Rückfragen und ein gesundes Misstrauen, ob der jeweilige Partner wirklich alles richtig gemacht hat“, sagt Sven Apel. Der Informatik-Professor geht davon aus, dass sich diese Beobachtung auch auf andere Bereiche übertragen lässt, in denen Menschen einer KI schneller vertrauen als anderen Menschen. „Ich denke, das hat etwas mit Bequemlichkeit zu tun. Man denkt sich bei der KI, ‚das wird schon passen‘, obwohl man eigentlich weiß, dass auch dem virtuellen Assistenten Fehler passieren können“, sagt Apel. Er befürchtet, dass sich dadurch in großen Softwareprogrammen „technische Schulden“ anhäufen, also Kosten, die in Zukunft mehr Aufwand verursachen und die Weiterentwicklung der Software schwieriger und fehleranfälliger gestalten.

Für den Informatikforscher zeigt die empirische Studie, dass KI-Assistenten für die Softwareentwicklung derzeit noch nicht die Vielfalt der menschlichen Zusammenarbeit nachbilden können. „Sie sind sicherlich nützlich für einfache, sich wiederholende Programmieraufgaben. Für komplexere Themen ist der Wissensaustausch wesentlich, der derzeit besser von Mensch zu Mensch funktioniert, eventuell dann in Kombination mit der KI-Assistenz“, so Apel. Es müsse weiter erforscht werden, wie Mensch und KI vertrauensvoll zusammenarbeiten können, ohne dabei den kritischen Blick zu verlieren.

Alisa Welter, Doktorandin bei Informatik-Professor Sven Apel und Erstautorin der Publikation, wird das Forschungsergebnis bei der „40th IEEE/ACM International Conference on Automated Software Engineering“, einer der drei weltweit wichtigsten Konferenzen auf diesem Gebiet, vorstellen. Diese findet vom 16. bis 20. November in Seoul in Südkorea statt. Von etwa 1.200 Einreichungen wurden lediglich 150 wissenschaftliche Publikationen als Konferenzbeiträge akzeptiert. Die empirische Studie wurde von der Europäischen Union im Rahmen des ERC Advanced Grant „Brains On Code” finanziert (siehe dazu die Pressemitteilung vom 26.04.2022): https://saarland-informatics-campus.de/piece-of-news/brains-on-code/

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sven Apel
Professor für Software Engineering der Universität des Saarlandes
Tel. 0681 302- 57211
Email: E-Mail

Alisa Welter
Doktorandin am Lehrstuhl für Software Engineering
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
https://www.se.cs.uni-saarland.de/publications/docs/WSD+.pdf

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1295376
 636

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Software-Entwicklern fehlt bei KI-Assistenten „gesundes Misstrauen“ - anders als bei Kollegen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Sein Innovationsgeist ist bis heute Vorbild: Joseph von Fraunhofers historische Glashütte wiedereröffnet
Sein Innovationsgeist ist bis heute Vorbild: Joseph von Fraunhofers historische Glashütte wiedereröffnet
Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, begrüßte die Ehrengäste, darunter Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder sowie der Generaldirektor des Deutschen Museums, Prof. Michael Decker, in der historischen Kulisse des Klosters Benediktbeuern. Im Alter von 24 Jahren übernahm Joseph von Fraunhofer hier die Gesamtleitung der Glashütte. Der gebürtige Straubinger entwickelte sich vom Glasschleifer zu einem Wissenschaftler von Weltrang und erfolgreichen Unternehmer. Angewandte Forschung bringt Wissen zur Wirkung In seiner …
Gemeinsame Power statt doppelter Strukturen: Berliner Wissenschaft bündelt Rechenleistung für KI und Datenforschung
Gemeinsame Power statt doppelter Strukturen: Berliner Wissenschaft bündelt Rechenleistung für KI und Datenforschung
Berlin verfügt in Mathematik, Künstlicher Intelligenz und in der datenintensiven Forschung über herausragende wissenschaftliche Expertise auf Weltspitzenniveau. Um diese Stellung auch in Zukunft zu sichern und weiter auszubauen, braucht es leistungsfähige Rechen- und Speicherkapazitäten. Die beteiligten Einrichtungen haben deshalb beschlossen, vorhandene Ressourcen stärker gemeinsam zu planen und zu nutzen und neue Kapazitäten gemeinsam aufzubauen. Das Land Berlin stellt der Berlin University Alliance hierfür zusätzliche Mittel speziell für d…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: KI in Change Management bekommt menschliches Gesicht
KI in Change Management bekommt menschliches Gesicht
… ein strategischer Schritt, um dem wachsenden Unbehagen angesichts des „Blackbox“-Charakters von KI entgegenzuwirken. Indem die viadoo Change Guides die KI als ihre Kollegen ansehen, fördert das Unternehmen Transparenz durch Personifizierung, sowohl innerhalb seines Teams als auch innerhalb von Kundenorganisationen. Und viadoo hat erreicht, womit viele …
Cloud-ERP ist wichtiger Bestandteil der Unternehmensrevolution
Cloud-ERP ist wichtiger Bestandteil der Unternehmensrevolution
… es in einer sich stetig ändernden und dynamischen Geschäftswelt wichtig, unterwegs flexibel auf Unternehmensinformationen zugreifen zu können. Digitale Assistenten werden zu neuen Kollegen 58 Prozent der Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, priorisieren außerdem einen digitalen Assistenten, der über Sprach- und Texteingabe mit dem ERP-System …
Bild: SiGe-Manager 2026: SiGe-Software mit IQ
SiGe-Manager 2026: SiGe-Software mit IQ
… Weise Software hat seine SiGe-Software für die Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination aktualisiert und erweitert. Zu den Neuerungen zählen unter anderem KI-Assistenten.Zahlreiche Unfälle auf Baustellen entstehen durch Fehler bei der Bauausführung, einen unzureichenden Arbeitsschutz, organisatorische Mängel und fehlende Abstimmungen. Software …
Pioneer AI gibt Update zur bahnbrechenden Strategie seines Partnerunternehmens Flex Labs AI in der KI-gestützten Automatisierung für Entwickler
Pioneer AI gibt Update zur bahnbrechenden Strategie seines Partnerunternehmens Flex Labs AI in der KI-gestützten Automatisierung für Entwickler
Vancouver, BC - 10. März 2025 / IRW-Press / Pioneer AI Foundry Inc. (Cboe CA:JPEG) (Pioneer oder das Unternehmen) freut sich, ein Update zu seinem Partnerunternehmen Flex Labs Inc. (Flex) und dessen strategischen Fokus auf die KI-Automatisierung für Entwickler zur Vereinfachung und Optimierung von KI-Unterstützung und App-Entwicklung zu geben. Flex ist ein Marktführer in KI-gestützter Automatisierung und vereinfacht den KI-Entwicklungsprozess durch die Bereitstellung KI-basierter bedingender Auslöser mit multi-modaler Unterstützung. Dieses …
IntraFind nennt fünf KI-Trends für 2019
IntraFind nennt fünf KI-Trends für 2019
München, 11. Dezember 2018 - IntraFind, Spezialist im Bereich KI-Software, erläutert, welche Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz sich nächstes Jahr in der Unternehmenswelt bemerkbar machen werden. KI wird auch 2019 eine maßgebliche Rolle spielen. Die IntraFind Software AG ist Spezialist für Enterprise Search und Natural Language Processing; das Unternehmen bietet Produkte für die unternehmensweite Suche sowie Textanalyse an, die auch auf KI und modernsten Machine-Learning-Verfahren basieren. Folgende fünf KI-Trends werden nach Ansic…
Bild: eMBIS erweitert KI-Angebot: Neues Assistenten-Seminar und Update für Online-Marketing
eMBIS erweitert KI-Angebot: Neues Assistenten-Seminar und Update für Online-Marketing
… zu integrieren. Die eMBIS Akademie reagiert auf diese Entwicklung mit einem neuen Seminar sowie einer umfassenden Überarbeitung ihres erfolgreichen KI-Marketing-Seminars. Neu: KI-Assistenten erstellen – eigene KI-Lösungen für den Arbeitsalltag entwickeln Mit dem neuen Seminar „KI-Assistenten erstellen“ vermittelt Trainerin Ellen Marx, wie Unternehmen …
GoodData führt Full-Stack-Datenintelligenz-Plattform mit neuen KI-Funktionen ein
GoodData führt Full-Stack-Datenintelligenz-Plattform mit neuen KI-Funktionen ein
www.irw-press.at/prcom/images/messages/2025/81149/GoodData_1077159_DEPRcom.001.jpeg Integrierbare, unternehmensgerechte agentenbasierte KI bietet zuverlässige, skalierbare und einbettbare KI für Unternehmen weltweit. SAN FRANCISCO, CA / ACCESS Newswire / 24. September 2025 / GoodData, ein führendes Unternehmen im Bereich Analytik und Datenintelligenz, gab heute die Einführung seiner KI-Plattform der nächsten Generation bekannt, die AI Lake, AI Hub und AI Apps in einer einzigen grundlegenden Anwendung für Datenintelligenz auf Unternehmenseb…
Bild: Pegasystems-Umfrage: Konsumenten erwarten beim Einsatz von KI im Kundenservice vor allem TransparenzBild: Pegasystems-Umfrage: Konsumenten erwarten beim Einsatz von KI im Kundenservice vor allem Transparenz
Pegasystems-Umfrage: Konsumenten erwarten beim Einsatz von KI im Kundenservice vor allem Transparenz
… Filiale, 14 Prozent den Online Chat und lediglich ein Prozent Social Media. 80 Prozent wünschen auch in Online Chats einen menschlichen Ansprechpartner; lediglich 8 Prozent einen KI-Assistenten. Dennoch glaubt fast ein Drittel (31 Prozent), dass KI den gleichen, wenn nicht sogar einen besseren Service als ein echter Mitarbeiter bieten kann. 39 Prozent …
Bild: gofilemaker ERP-Software auf der FileMaker Konferenz 2025 in Hamburg mit KI und neuem Buch
gofilemaker ERP-Software auf der FileMaker Konferenz 2025 in Hamburg mit KI und neuem Buch
… wir derzeit an einem entscheidenden Technologiesprung. Neben den bewährten Modulen für Warenwirtschaft, CRM, Faktura und Projektmanagement wird die Software künftig einen integrierten KI-Assistenten enthalten. Dieser soll Anwendern helfen, alltägliche Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen – von der Texterstellung für Angebote und E-Mails über …
Squirro nennt fünf Voraussetzungen für die Optimierung des KI-Einsatzes
Squirro nennt fünf Voraussetzungen für die Optimierung des KI-Einsatzes
Zürich/München, 26. Juni 2018 - Künstliche Intelligenz ist weder Allheilsbringer noch Weltuntergang, sondern eine ausgereifte Technologie, die Unternehmen schon heute nutzbringend einsetzen können. Squirro (https://squirro.com), führender Anbieter KI-gesteuerter Cognitive-Insights-Lösungen, erläutert, welche Voraussetzungen sie dafür beachten müssen. Wahrnehmungen von KI gehen weit auseinander. Während die einen darin eine Bedrohung sehen, betonen andere die damit verbundenen Vorteile. Tatsache ist, dass KI, erfolgreich angewendet, in den me…
Sie lesen gerade: Software-Entwicklern fehlt bei KI-Assistenten „gesundes Misstrauen“ - anders als bei Kollegen