openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Erhöhtes Risiko: Weshalb Koalitionen mit Populisten früher scheitern

12.06.202515:16 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Populistische Parteien sind längst kein Randphänomen mehr. Sie haben sich in vielen europäischen Ländern als feste politische Grösse etabliert und fordern das demokratische System grundlegend heraus. Diese Parteien nutzen eine scharfe Rhetorik gegen die sogenannte Elite und präsentieren sich als einzige Vertreter des «wahren Volkswillen». Um diesen vermeintlichen Willen durchzusetzen, lehnen sie etablierte Institutionen oft ab und fordern tiefgreifende politische Umwälzungen. Dabei bieten sie meist relativ einfache Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme. In den vergangenen Jahren haben sich in Europa zunehmend Regierungen mit populistischen Kräften gebildet – sei es als alleinige Kraft oder als Koalitionspartner.

Mit der Frage nach der Stabilität einer Regierung mit Populisten hat sich die Politologin Sophie Suda von der Universität Basel auseinandergesetzt. Zusammen mit einem Forschungsteam hat sie untersucht, ob und in welcher Weise populistische Parteien die Regierungen beeinflussen. Ziel der Studie war es, die Wirkung von Populismus auf die Dauer einer Regierung zu isolieren – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, der Region oder anderen bekannten Einflussfaktoren.

Analyse von drei Jahrzehnten

Die empirische Untersuchung umfasste Regierungswechsel bei 368 Kabinette in 26 west-, zentral und osteuropäischen Ländern. Die Forschenden ermittelten den Grund für alle frühzeitig abgebrochenen Regierungen und stellten die verschiedenen Regionen einander gegenüber. Zeitlich legten die Forschenden den Fokus ihrer Analyse auf den Zeitraum von 1990 bis 2021, was erlaubt hat, mehr Länder in die Studie einzubeziehen: «In den 90er-Jahren haben sich einige neue Demokratien in Europa etabliert. Die politischen Systeme befanden sich noch im Aufbau», erklärt Sophie Suda. Endete die Amtszeit einer Regierung frühzeitig, werteten die Forschenden dies als Zeichen politischer Instabilität.

Im Zentrum der Studie standen Fälle, in denen populistischen Parteien alleine oder im Rahmen eines Parteienbündnisses regierten im Vergleich zu Regierungen ohne Populisten. Dabei berücksichtigte das Forschungsteam sowohl Koalitionen, in denen Populisten die dominierende Kraft stellten, als auch solche, in denen sie als Juniorpartner auftraten.

Problematischer Politikstil

Der Vergleich zeigt: Kabinette mit populistischen Parteien brechen häufiger und früher auseinander – unabhängig vom Koalitionstyp. Sie sind folglich ein Risikofaktor für die Haltbarkeit einer Koalition. Die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Regierungsbruchs liegt bei Bündnissen mit Beteiligung populistischer Parteien etwa um 60 bis 65 Prozent höher als bei solchen ohne.

Die Resultate überraschten die Forschenden vor allem in einem Punkt: Nicht die ideologische Radikalität der Parteien ist entscheidend, sondern wie Populisten funktionieren. «Wir sind ursprünglich davon ausgegangen, dass extreme inhaltliche Forderungen der Parteien das Problem sind», sagt Suda. Doch Schwierigkeiten entstehen vielmehr, weil sich populistische Parteien strukturell und stilistisch stark von anderen unterscheiden.

In populistischen Parteien herrscht meist ein geringes Mass an interner Demokratie und eine zentralisierte Organisation. Strategische Entscheidungen trifft eine kleine Führungsgruppe, was die Wahrscheinlichkeit radikaler strategischer Forderungen erhöht. Dieser Faktor sowie ihre kompromisslose Haltung, ihre vielfaltsfeindliche Art und ihr grundsätzliches Bestreben, ein gesamtes System umzuwälzen, erschwere die Zusammenarbeit und trage erheblich zur Instabilität der Regierung bei, erklärt Sophie Suda. «Die Tatsache, dass Populisten Teil des Kabinetts sind, reicht oft schon aus, um sie vorzeitig zum Scheitern zu bringen», sagt Suda.

Der Populismus erwies sich über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg als konstanter Indikator für den Zerfall, unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie beispielsweise wirtschaftlichen Krisen. «Populismus ist dementsprechend ein zentraler Erklärungsfaktor für das vorzeitige Ende einer Regierung», so Suda.

Keine signifikanten regionalen Unterschiede

Das Phänomen zeigt sich in West-, Zentral- und Osteuropa mit vergleichbarem Effekt. Was West- und Osteuropa allerdings unterscheidet, ist die Wahrnehmung dieser Instabilität. In westeuropäischen Ländern gelten die politischen Verhältnisse generell als gefestigter, da es etablierte Parteisysteme gibt. Deshalb fallen Spannungen durch Populismus stärker auf.

«Im Osten Europas kommen Koalitionen mit Populisten häufiger vor», erläutert Sophie Suda. In diesen Ländern kommt es allerdings allgemein häufiger zum vorzeitigen Ende von Regierungen, unter anderem auch deshalb, weil das politische System in vielen Ländern in Osteuropa fragmentierter ist. «In solchen Kontexten sind Populisten trotz – oder gerade wegen – der unbeständigen Verhältnisse als legitime Koalitionspartner etwas akzeptierter als im Westen», sagt Suda.

So sei es auch für kleinere Parteien keine Seltenheit, Allianzen mit populistischen Kräften zu bilden, um politisch mitgestalten zu können. Das wiederum erleichtert deren Aufstieg von den politischen Rändern ins Zentrum der Macht. Eine Strategie, die Populisten schon lange nutzen, um Einfluss zu gewinnen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Sophie Suda, Universität Basel, Departement Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
Maximilian Andorff-Woller, Lisa Klagges, Marcel Lewandowsky, Sophie Suda
Friendly foes or enemies within? Assessing the (in)stability of coalition governments with populists in Europe
Parliamentary Affairs, (2025), doi: 10.1093/pa/gsaf018
https://doi.org/10.1093/pa/gsaf018

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1285464
 565

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Erhöhtes Risiko: Weshalb Koalitionen mit Populisten früher scheitern“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Balzert-Preis 2026 geht an Europäische Meisterschaft für Hacker*innen
Balzert-Preis 2026 geht an Europäische Meisterschaft für Hacker*innen
Die Tenure-Track Professor*innen Dr. Franziska Boenisch und Dr. Adam Dziedzic vom CISPA Helmholtz Center for Information Security erhalten für die von ihnen ins Leben gerufene CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship den Preis für digitale Didaktik der Prof. Balzert-Stiftung in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik e.V., der Österreichischen Computergesellschaft sowie der Schweizer Informatik Gesellschaft ausgezeichnet. Prof. Dr. Helmut Balzert: „Mit der European Cybersecurity & AI Hackathon Championship fördern Fra…
21.09.2026
08:15
Bild: World Cleanup Day: Effiziente Müllsammlung per KI
World Cleanup Day: Effiziente Müllsammlung per KI
DBU fördert Startup Zebrafant.ai mit 125.000 Euro Osnabrück. Herumliegender Abfall in Nachbarschaft und Umwelt ist für viele Menschen ein Ärgernis – und belastet Natur und Städte gleichermaßen. Deshalb steht der World Cleanup Day heute (Sonntag) im Zeichen des gemeinsamen Entsorgens von Müll. Doch bei den Sammelaktionen muss es nicht bleiben: Das Startup Zebrafant.ai aus Weisenheim am Sand (Rheinland-Pfalz) entwickelt eine effektive, von künstlicher Intelligenz (KI) gestützte Tourenplanung für öffentliche Depotcontainersysteme. Diese Softwar…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Agenda 2011-2012: Ampelkoalitionen - unter gegebenen Umständen vorstellbarBild: Agenda 2011-2012: Ampelkoalitionen - unter gegebenen Umständen vorstellbar
Agenda 2011-2012: Ampelkoalitionen - unter gegebenen Umständen vorstellbar
Lehrte, 12.01.2017. Sigmar Gabriel kann sich Koalitionen aus SPD, Grünen und der FDP vorstellen aber auch aus SPD, Linken und Grünen. Die Wahlergebnisse der letzten Landtagswahlen sind ein Indiz dafür, dass sich die parteipolitischen Interessen der Wähler geändert haben. Ein Bündnis mit der FDP birgt das Risiko, dass der konservative Wurmfortsatz der …
Bild: Wohlbefinden: Kleine Veränderung - große WirkungBild: Wohlbefinden: Kleine Veränderung - große Wirkung
Wohlbefinden: Kleine Veränderung - große Wirkung
… nur 5% auseinander liegen, nämlich 75% und 70%, deutliche Auswirkungen. Schätzt eine Person sich nur 5% niedriger ein, bestehen folgende erhöhte Risiken: • 18.6% erhöhtes Risiko für Schlafkrankheiten • 15% erhöhtes Risiko Ängste oder Depressionen zu entwickeln • 14.6% erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken • 5.9% erhöhtes Risiko für Bluthochdruck • …
Nach dem Brexit: bdvb fordert Rückbesinnung auf die Werte der Sozialen Marktwirtschaft
Nach dem Brexit: bdvb fordert Rückbesinnung auf die Werte der Sozialen Marktwirtschaft
… Großbritanniens für einen so genannten „Brexit“ enttäuscht und fordert faire Austrittsverhandlungen. Gleichzeitig mahnt er an: Die Politik darf die Menschen nicht den Populisten überlassen, sondern muss Perspektiven bieten. Die größte und älteste Vertretung von Wirtschaftsakademikern in Deutschland appelliert an die Politik, Planungssicherheit für Unternehmen auf …
Bild: Pflanzen-, Fisch- oder Fleischkost? Was bringt mehr Vor- und Nachteile für die Gesundheit?
Pflanzen-, Fisch- oder Fleischkost? Was bringt mehr Vor- und Nachteile für die Gesundheit?
… zu den Fleischessern, auch bei den Pescatariern sank dieses Risiko, mit 13 % jedoch etwas geringer. Allerdings hatten die Vegetarier bei den Schlaganfällen ein um 20 % erhöhtes Risiko, für die Forscher ein unerwartetes Ergebnis. Die Pescatarier schnitten hier besser ab, bei ihnen zeichnete sich nur eine leichte Tendenz für ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle …
Erhöht Mobilfunk Strahlung die Gefahr nicht für das Risiko für Hirntumore?
Erhöht Mobilfunk Strahlung die Gefahr nicht für das Risiko für Hirntumore?
… Studie mehrerer deutscher Universitäten nicht das Risiko für Hirntumore. Im Rahmen der so genannten Interphone- Studie der Weltgesundheitsorganisation sei bei Handynutzern in Deutschland kein erhöhtes Risiko beobachtet worden, so eine Mitteilung der Universität Bielefeld. Demnach hat, wer regelmäßig, also mindestens einmal pro Woche (!) sein Handy nutzt, …
Bild: Vom Umgang mit Populisten - Wie Sie die Pseudo-Argumente der Blender entlarvenBild: Vom Umgang mit Populisten - Wie Sie die Pseudo-Argumente der Blender entlarven
Vom Umgang mit Populisten - Wie Sie die Pseudo-Argumente der Blender entlarven
… sich einfach zu machen. Je komplexer die Lage der Nation, desto simpler die Erklärungsansätze – zum Leidwesen aller, die noch selber denken. Die rhetorische Effektivität der Populisten macht uns sprachlos. Gerade das dürfen wir jetzt nicht sein. Zwei ganz einfache Fragen helfen, im Gespräch zu bleiben. Wir scheinen in wunderbar einfachen Zeiten zu leben. …
Bild: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt
Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt
"Kotzbrocken" haben schlechtere Gefäße sup.- Menschen, die wegen ihrer streitlustigen, arroganten und unkollegialen Art umgangssprachlich oft zu "Kotzbrocken" erklärt werden, haben ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Zu diesem Ergebnis ist ein Forscherteam um Dr. Angelina Sutin aus Baltimore gekommen. Die Wissenschaftlerin …
Bild: Mobbing-Diskussion mit Anne Will: Die meisten Opfer im öffentlichen DienstBild: Mobbing-Diskussion mit Anne Will: Die meisten Opfer im öffentlichen Dienst
Mobbing-Diskussion mit Anne Will: Die meisten Opfer im öffentlichen Dienst
… deutliche Überrepräsentation von Mobbingopfern im Gesundheits- und Erziehungsbereich sowie in der öffentlichen Verwaltung vorliegt. So besteht z.B. im Gesundheitsbereich ein siebenfach erhöhtes Risiko, im Erziehungs- und im Verwaltungsbereich ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, Mobbingopfer zu werden. Überrepräsentiert ist auch das Kreditgewerbe. …
Bild: Andrea Ypsilanti schließt große Koalition in Hessen ausBild: Andrea Ypsilanti schließt große Koalition in Hessen aus
Andrea Ypsilanti schließt große Koalition in Hessen aus
… in den Parteien die Koalitionsbildung zu erleichtern. Leider haben sich die Parteienvertreter mit ihrer Halstarrigkeit getäuscht mit ihren ablehnenden Aussagen zu möglichen Koalitionen. Für die Wählerinnen und Wähler in Hessen zählen jedoch nicht persönliche oder parteipolitische Animositäten, sondern eine stabile, handlungsfähige Regierung, die sich …
Frühgeborene: Kein generell erhöhtes Risiko für Angststörungen oder Depression
Frühgeborene: Kein generell erhöhtes Risiko für Angststörungen oder Depression
… Schluss kommen Forscherinnen und Forscher nach Analyse einer in Deutschland durchgeführten Längsschnittstudie. Sie widerlegen damit Annahmen aus früheren Studien, die ein generell erhöhtes Risiko für Depression und Angststörungen bei Frühgeborenen postuliert hatten. --- Im Journal of Child Psychology and Psychiatry berichtet das Team um Dr. Julia Jäkel …
Sie lesen gerade: Erhöhtes Risiko: Weshalb Koalitionen mit Populisten früher scheitern