(openPR) Viele Fans der Marke NSU sind mehr als verwundert, wenn sie erstmals das NSU Museum der Altlussheimer AUTOVISION besuchen. Denn was man eigentlich bestenfalls in der „Wiege der Neckarsulmer Motorenwerke“, also in Neckarsulm oder Heilbronn erwarten könnte, hat Museumsgründer Horst Schultz dort mit großer Sammelleidenschaft seit den 1980er Jahren zusammengetragen und mit mühevoller Restaurationsarbeit in Eigenregie erschaffen: Eine in zwei Ausstellungshallen chronologisch aufgeteilte, unglaubliche Menge an Vor- und Nachkriegsfahrzeugen der Marke sowie weitere Exponate, die in großen Teilen sonst nirgendwo mehr existieren. Besonders in der Messingklasse, also in den Baujahren vor dem Zweiten Weltkrieg, sind absolute Unikate zu sehen, von denen viele NSU-Enthusiasten vor dem Museums-Besuch noch nie etwas gehört hatten. Und genau deshalb lag Horst Schultz schon immer besonders am Herzen, diese fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Fahrzeuge der Nachwelt zu erhalten. Denn immerhin haben die Ingenieure der Neckarsulmer Motorenwerke in Sachen Automobilentwicklung ihren nicht unerheblichen Beitrag geliefert.
NSU sorgte für bessere „Rahmenbedingungen“ bei Daimler
Was viele nicht wissen: Das erste Automobil der Welt mit vier Rädern, der Daimler Stahlradwagen, ist keine reine Entwicklung der Daimler Motoren-Gesellschaft. Der für damalige Verhältnisse mit einigen innovativen Technikneuheiten ausgestattete Rohrrahmen des Automobils aus dem Jahre 1889 wurde von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach bei NSU in Neckarsulm in Auftrag gegeben. Erstmalig hatte man es dort dann schließlich geschafft, eine Rahmen-Konstruktion zu entwickeln, die Dank ihrer völlig neuen Achsschenkellenkung im Gegensatz zu herkömmlichen, starren Kutschen-Fahrgestellen ein wesentlich besseres Kurvenverhalten an den Tag legte. Eine weitere Raffinesse bot dieser Rohrrahmen zudem, weil er gleichzeitig zur Wasserkühlung des 2-Zylinder V-Motors genutzt wurde. Rund 15 Jahre später, also ab 1904, entwickelte man dann bei NSU erstmals ein motorisiertes Dreirad mit Lenkrad. Ein Jahr später folgte das erste werkseigene Automobil, da man sich inzwischen um den dafür nötigen Motor gekümmert hatte. In den folgenden Jahrzehnten wurden bei NSU dann sowohl Fahrräder, Motorräder als auch Automobile entwickelt. Das gab es in dieser Art sonst nur noch bei den Chemnitzer Wanderer-Werken. Diese mobile „Dreibeinigkeit“ macht man sich in der Altlussheimer Museumsstiftung bis heute in sofern zu nutze, da man bei Führungen anhand der Marke NSU sehr gut in der chronologisch angeordneten Lehrausstellung zeigen kann, wie sich das Automobil nach und nach aus der Fahrradtechnik heraus entwickelt hat – und nicht, wie oft behauptet wird, nur eine Motorisierung von Kutschen darstellt.
Weltmarktführer der Nachkriegszeit
Neben zahlreicher internationaler Weltrekorde und Rennerfolge konnten die Neckarsulmer Motorenwerke besonders in der Nachkriegszeit unglaubliche Verkaufszahlen verzeichnen. Die Ende der 1940er Jahre beginnende Zeit des Wirtschaftswunders brachte mit sich, dass fast jeder ein möglichst preisgünstiges motorisiertes Fortbewegungsmittel benötigte, um schnell zur Arbeit zu kommen. Diesem Trend wurde man bei NSU voll gerecht, indem man eine große Bandbreite an Motorrädern und Mopeds für jeden Geldbeutel anbot. Modelle wie die NSU Quickly, welche bis heute liebevoll das Millionending genannt wird, machten die Neckarsulmer zeitweise zum weltgrößten Zweiradhersteller (siehe: www.nsu-museum.de).
Neckarsulmer Wankelmut sorgte für weitere Weltpremieren
Die Ingenieure der NSU Werke waren es auch, welche sich Felix Wankels völlig neuer Idee zum Bau eines möglichst zentrisch laufenden Verbrennungsmotors annahmen. Ab 1964 konnte man schließlich mit dem NSU Wankel-Spider das weltweit erste Serienautomobil mit Wankelmotor, oder genauer gesagt mit Kreiskolbenmotor, käuflich erwerben. Und schon drei Jahre später mischten die Nordschwaben mit einer weiteren Innovation aus der Neckarsulmer Automobilschmiede die internationalen Fahrzeugmessen auf: Der NSU RO 80 galt 1967 als bisher noch nie da gewesenes, zukunftsweisendes Automobil mit einer stromlinienförmigen Karosserie, die in Sachen CW-Wert alle Messwerte der Automobilkonkurrenz in den Schatten stellte. Auch hier war ein Kreiskolbenmotor verbaut, dessen anfängliche „Wehwehchen“ des Wankel-Spiders weitgehend ausgeräumt waren.
Lehrausstellung mit Vorbildfunktion
Bis heute zollt man diesen Mut - und vor allem die Ingenieursleistung des im Vergleich zum VW-Konzern oder der Daimler AG doch relativ kleinen Neckarsulmer Automobilherstellers - in der Altlussheimer Museumsstiftung mit allergrößtem Respekt. Museumsgründer Horst Schultz, der in seiner aktivsten Zeit als Elektroingenieur und Unternehmer ebenfalls für spektakuläre Neuheiten in seiner Branche sorgte, meint dazu mit leicht wehmütigem Ton: „Die verhältnismäßig kleinen NSU-Werke schafften es in den 1960er Jahren sogar, den großen internationalen Automobilkonzernen die Titelseiten der Automobil- und Technikmagazine wegzuschnappen! Derart erfolgversprechende Schlagzeilen aus dem Land der Erfinder werden in der heutigen Zeit leider immer rarer!“ In der Hauptsache um diesem Mangel an Erfindergeist ein Stück weit entgegenzuwirken, baute Horst Schultz schließlich das nunmehr seit 2002 bestehende Museum AUTOVISION, welches auf über 3.000 m² Ausstellungsfläche in einmaliger Form wie eine Zeitreise durch die Automobilität aufgebaut ist. Das hier integrierte weltgrößte NSU-Museum, die weltweite erste Dauerausstellung zum Thema „Wankel“ sowie „Mobilität der Zukunft“, die regelmäßig für Besucher aus aller Welt sorgende Bugatti-Ausstellung und die Science-Arena sollen besonders junge Leute für Technik begeistern, die kurz vor der Entscheidung ihrer Berufswahl stehen.













