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Klimadebatte: Verbote simulieren nur Handlungsfähigkeit

22.03.200713:14 UhrEnergie & Umwelt

(openPR) Ökologische Krise verlangt nach ökonomischen Antworten

Bonn/Neuss – Es ist noch nicht lange her, da war das Thema Umwelt „megaout“. Doch Anfang 2007 ist plötzlich alles anders: Vermeintlich weiche Themen wie Familiepolitik und Umweltschutz beherrschen die Agenda. Erinnert sich niemand mehr daran, dass Deutschland vor kurzem fünf Millionen Arbeitslose hatte? Die Menschen reagieren unterschiedlich auf den so genannten Klimawandel. Bei den Politikern werden „Verbotsphantasien“ geweckt, wie Stefan Dietrich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net schrieb. Die Klimadiskussion habe inzwischen eine Temperatur erreicht, die jede Gegenwehr gegen früher nicht durchsetzbare Verbote wegzuschmelzen vermöge. Vom Fahrverbot bis zum Glühbirnenverbot ist alles im Sortiment. Und anstatt sich um die Verkündigung des Glaubens zu kümmern, rufen selbst Kardinäle zu einem „Autofasten in der österlichen Bußzeit“ auf.



„Sechs Wochen nach Ostern feiern wir das Pfingstfest. Dann kommt bekanntlich der heilige Geist auf uns herab. Und dann werden die Vorschläge aller selbst ernannten Klimaexperten auch hoffentlich wieder etwas vernünftiger“, sagt Uwe Röhrig vom Hannoveraner Beratungsunternehmen International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de. „Aber im Ernst. Es ist bezeichnend, dass viele subjektiv gut gemeinten Vorschläge von Politikern oder auch Kirchenvertretern das Thema Mobilität in den Vordergrund rücken. Vom Billigflieger bis zum Auto mit herkömmlichem Verbrennungsmotor: Das Bedürfnis der Menschen nach Bewegung soll mit Verboten eingeschränkt werden.“ Dabei verursache der Verkehr nur ein Fünftel des „menschengemachten“ Kohlendioxidausstoßes, so Dietrich. Es werde den deutschen Autoherstellern nicht gedankt, dass ihre Motoren immer effizienter und sparsamer würden und dass der Volkswagen-Konzern http://www.volkswagen.de mehrfach vergebliche Anläufe unternommen habe, um das Drei-Liter-Auto in den Mark zu drücken.

Die Industrie hat andere Interessen, um auf den Klimazug aufzuspringen. Nach einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de könnte der Klimawandel die deutsche Wirtschaft bis 2050 fast 800 Milliarden Euro kosten. Das jährliche Wachstum könne um bis zu 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Die mediale Empörungswelle wird sicher wieder hochschlagen, wenn am 6. April der zweite Klimabericht der UN vorgestellt werden wird, in dem es um die konkreten Folgen der Erderwärmung geht. Vieles spreche dafür, dass sich „ein nachhaltiger Werte- und Bewusstseinshandel vollzieht“ – und zwar in Bevölkerung, Politik und Wirtschaft gleichermaßen, schreibt die Wirtschaftswoche (Wiwo) http://www.wiwo.de.

Nicht nur die High-Tech-Industrie habe weltweit den Umweltschutz als hilfreich für ein cooles Image entdeckt: „Anders als die grüne Welle in den Siebziger- und Achtzigerjahren, die ideologieüberfrachtet und überwiegend politikgetrieben war, sind viele Unternehmen diesmal Teil der Bewegung – sei es aus Überzeugung, sei es aus betriebswirtschaftlichem Kalkül und wegen des Drucks von Finanzmärkten, Investoren und Kunden.“ Tobias Janßen von der Neusser Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Godlfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com erhofft sich, dass der Klimawandel zum Anlass genommen wird, um Innovationen voranzutreiben: „Die ökologischen Veränderungen verlangen nach ökonomischen, nicht nach staatlichen Antworten. Bisher haben sich die Politiker jeder Couleur mit – um es vorsichtig zu formulieren – sehr populistischen Forderungen hervorgewagt. Wer nach Verboten ruft, simuliert letztlich nur Handlungsfähigkeit.“ Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) http://www.hwwi.de, fordert daher auch mehr „Ökonomie für das Klima“: „Was wir wirklich brauchen, ist eine radikale Ökonomisierung der Klimapolitik. Nicht neue Verbote sind zu fordern, sondern wirtschaftliche Anreize und Sanktionen, die den CO2-Ausstoß verringern.“

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