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Debatte um Social-Media-Verbot: Fakten statt Bauchgefühl

(openPR) Auf der re:publica 2026 diskutieren Josephine B. Schmitt (CAIS), Roland A. Stürz (bidt) und Hannes-Vincent Krause (WI) am 18. Mai 2026 gemeinsam aktuelle empirische Erkenntnisse zu den Folgen von Social-Media-Verboten und sprechen dabei auch direkt mit Jugendlichen über deren Erfahrungen und Perspektiven.Die Einführung des Verbots in Australien wurde vor allem mit Risiken für die mentale Gesundheit junger Menschen begründet. Besonders die Perspektiven Jugendlicher seien jedoch vor der Entscheidung kaum berücksichtigt worden.

„Pauschale Social-Media-Verbote ersetzen oft die Debatte über wirksame Plattformregulierung“, sagt Josephine B. Schmitt, Wissenschaftliche Koordinatorin am CAIS. „Sie suggerieren politische Handlungsfähigkeit, verschieben die Verantwortung aber auf junge Menschen, statt Plattformen konsequent zu regulieren.“ Soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur Risikoräume, sondern auch Orte für Information, Austausch, Selbstorganisation und gesellschaftliche Teilhabe. „Verbote lösen viele Probleme nicht, sondern verschieben sie in weniger sichtbare Räume“, so Schmitt.

Den Wunsch nach wirksamer Regulierung statt pauschaler Verbote unterstreicht Hannes-Vincent Krause, der als Psychologe und Wirtschaftsinformatiker am Weizenbaum-Institut forscht: „Wissenschaftlich gesehen lässt sich ein Social-Media-Verbot nicht wirklich tragen – weder in Hinblick auf Notwendigkeit noch Effektivität. In einem angstgetriebenen Diskurs sollten wir nicht in blinden Aktionismus verfallen, einzelne Plattformen nicht grundsätzlich verbieten, sondern von Providern klare Regulation von echten Problemen wie problematischem Content fordern und uns endlich in angemessener Weise der Vermittlung von Medienkompetenz widmen.“

Dass sich ein generelles Social-Media-Verbot für Minderjährige empirisch nur begrenzt begründen lässt, zeigt auch ein aktuelles Diskussionspapier der Weizenbaum-Forschenden Charlotte Mysegades, Christoph Neuberger und Jakob Ohme: Studien belegen bislang keine starken negativen Effekte sozialer Medien, vielmehr gelten die Zusammenhänge als geringfügig, kontextabhängig und in ihrer Ursache-Wirkung-Beziehung oft unklar. Statt pauschaler Verbote plädieren auch sie für eine stärkere Regulierung problematischer Inhalte, die Vermittlung digitaler Kompetenzen und die Förderung jugendgerechter Angebote (vgl. Discussion Paper).

Mehrheit für Verbote, Zweifel an der Wirkung

Dass der Wunsch nach klaren Regeln in der Bevölkerung dennoch groß ist, zeigen aktuelle Daten des bidt – gleichzeitig herrscht eine verbreitete Skepsis gegenüber der Wirksamkeit solcher pauschalen Verbote. Eine deutschlandweite, repräsentative Befragung kommt zu folgenden Ergebnissen (vgl. Policy Brief):

- 66 Prozent der Befragten sprechen sich für die Einführung eines Verbots von Sozialen Medien für Kinder unter 14 Jahren aus. Mit steigender Altersgrenze nimmt die Zustimmung jedoch deutlich ab.
- Bezogen auf unter 18-Jährige sind mehr Menschen gegen ein Verbot Sozialer Medien (23 %) als dafür (11 %).
- Eigene positive oder negative Erfahrungen mit Sozialen Medien beeinflussen die Haltung zu einem Verbot hingegen nur geringfügig, ebenso wie zentrale soziodemographische Merkmale.
- Je nach Parteienpräferenz zeigen sich Unterschiede, jedoch spricht sich in allen Gruppen jeweils eine Mehrheit für ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren aus.
- Auffällig ist zugleich eine verbreitete Skepsis gegenüber der Wirksamkeit eines entsprechenden Verbots: Eine Mehrheit von 59 % der Menschen in Deutschland hält es für eher oder sehr unwahrscheinlich, dass ein gesetzliches Verbot tatsächlich die Nutzung Sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche verhindern kann.

„Wie neueste Befragungsdaten des bidt zeigen, spricht sich eine breite Mehrheit der Bevölkerung für ein Verbot von Sozialen Medien für Kinder unter 14 Jahren aus – und dies trotz einer weit verbreiteten Skepsis bezüglich der Wirksamkeit. Dahinter steckt in meinen Augen das legitime Bedürfnis der Menschen nach Klarheit bei der Regulierung von Sozialen Medien, da die bisherige Regulierung sehr komplex erscheint und damit schwierig in der Umsetzung ist“, erklärt Roland A. Stürz, Abteilungsleiter des bidt Think Tank.

Auf dem Panel ordnen die Forschenden die Debatte zum Social-Media-Verbot evidenzbasiert ein und diskutieren Lösungswege für einen effektiven Jugendschutz.

Das Panel „Das verbiete ich dir!!1!1! – Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: erste Fakten statt Bauchgefühl“ findet am 18. Mai 2026 auf der re:publica statt – inklusive Diskussion mit Jugendlichen.

Moderatorin: Salwa Houmsi.
Teilnehmende: Josephine B. Schmitt (CAIS), Roland Stürz (bidt), Hannes-Vincent Krause (Weizenbaum-Institut), Jugendliche vor Ort

Über die beteiligten Institute

Das Netzwerk der Institute für Digitalisierungsforschung (NIfD) vereint seit 2021 führende Einrichtungen in Deutschland, die die gesellschaftlichen, politischen und technologischen Folgen der digitalen Transformation interdisziplinär erforschen. Dazu gehören unter anderem das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt), das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) sowie das Weizenbaum-Institut.

Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt): Das bidt ist ein Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es forscht interdisziplinär, informiert und berät wissenschaftsbasiert zu zentralen Entwicklungen des digitalen Wandels. Damit liefert es die Grundlagen, um die digitale Zukunft im Dialog mit der Gesellschaft verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert zu gestalten. https://www.bidt.digital/

Center for Advanced Internet Studies (CAIS): Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das CAIS in Bochum seit April 2021 langfristig als zentrales Institut für Digitalisierungsforschung. Durch evidenzbasierte Lösungsvorschläge trägt das CAIS zur Gestaltung des digitalen Wandels im Interesse der Menschen bei. Am CAIS werden die Fächerwelten von Sozial- und Geisteswissenschaften bis zur Informatik verzahnt und Forschungsergebnisse in der Praxis erprobt. http://www.cais-research.de/.

Weizenbaum-Institut: Das Weizenbaum-Institut erforscht die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Seine Forschungsthemen reichen von Künstlicher Intelligenz und Plattformökonomie über digitale Demokratie und Nachhaltigkeit bis zu Fragen von Sicherheit, Teilhabe und Gerechtigkeit im digitalen Wandel. Es trägt mit seinen Handlungsempfehlungen dazu bei, die digitale Transformation nachhaltig, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu gestalten. Es wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und dem Land Berlin gefördert. https://www.weizenbaum-institut.de/

Pressekontakte

CAIS: Dr. Esther Laukötter
E-Mail
bidt: Anna-Maria Esch
E-Mail
Weizenbaum-Institut: Jasmine Ait-Djoudi
E-Mail

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Josephine B. Schmitt (CAIS): E-Mail
Roland Stürz (bidt): E-Mail
Hannes-Vincent Krause (Weizenbaum-Institut): E-Mail

Originalpublikation:
- Policy Brief bidt: Roland Stürz et al. (2026): Verbot Sozialer Medien. Einstellungen der Bevölkerung: https://www.bidt.digital/Policy-Brief-Social-Media-Verbot

- Discussion Paper Weizenbaum-Institut: Charlotte Mysegades, Christoph Neuberger & Jakob Ohme (2026): Evidenzbasiert regulieren. Kinder- und Jugendschutz im Kontext sozialer Medien (Weizenbaum Discussion Paper #54). Weizenbaum Institute: https://www.weizenbaum-institut.de/media/Publikationen/Weizenbaum_Discussion_Paper/Weizenbaum_Discussion_Paper_54.pdf DOI 10.34669/WI.DP/54

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