(openPR) Saola, der heftigste Taifun seit Jahrzehnten, hat die Metropolregion des Perlflussdeltas, zu der Ballungszentren wie Hongkong, Guangzhou und Shenzhen gehören, schwer getroffen. Doch neben diesem natürlichen Sturm wütet in China ein weiterer Sturm, der bereits seit zwei Jahren anhält und das Land auf eine andere Weise erschüttert: das Abschwellen der Immobilienblase. Sven Thieme, Finanzexperte aus Dresden, sieht die Gefahr einer erneuten Finanzkrise und empfiehlt finanziell vorzusorgen.
Der chinesische Immobiliensektor in der Krise
Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie hatten vorübergehend die Anfälligkeit des chinesischen Immobiliensektors verschleiert. Dieser Sektor ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Chinas, sondern auch ein wichtiger Faktor im Vermögen der privaten Haushalte. Die Krise in diesem Sektor verschärft sich jedoch immer weiter. Bereits 2021 wurden die ersten Alarmglocken laut, als der große Immobilienentwickler Evergrande Zahlungsausfälle verzeichnete. Anfang 2023 schien sich die Lage etwas beruhigt zu haben, als die wirtschaftliche Erholung und eine weniger strenge Haltung der Behörden gegenüber Mietimmobilien auf Besserung hoffen ließen. Doch der Rückgang der Wohnungsverkäufe und -preise setzte sich weiter fort. Laut vorläufigen Daten der China Real Estate Information Corporation fielen die Verkäufe neuer Wohnungen im August 2023 bei den 100 größten Immobilienunternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 33,9 %. Immobilieninvestitionen gingen um 8,5 % zurück, was das BIP-Wachstum um einen Prozentpunkt beeinträchtigen könnte. Die Konsensschätzung von Bloomberg für das Wachstum liegt nur noch bei 5,1 % für das Jahr, was weit von den im Mai von den Behörden formulierten 5,7 % entfernt ist. Evergrande hat kürzlich Gläubigerschutz in den USA beantragt, und auch der größte chinesische Immobilienentwickler, Country Garden, steht vor möglichen Zahlungsausfällen. Die Zukunft dieser Unternehmen ist unsicher, obwohl die Behörden sie nicht im Stich lassen werden. Diese alarmierende Entwicklung, die sich global ausweiten könnte, nimmt der Compivent-Gründer Thieme zum Anlass, deutsche Anleger und Investoren auf die Bedeutung von Sachwerten hinzuweisen: „Erneuerbare Energien, Solarinvestments als auch Edelmetalle stellen eine gangbare Alternative dar, um Vermögen zu sichern.“
Späte und zurückhaltende Unterstützungsmaßnahmen
Dennoch wurden kürzlich im Reich der aufgehenden Sonne neue Unterstützungsmaßnahmen angekündigt. Banken wurde beispielsweise auferlegt, die Zinsen für Immobiliendarlehen zu senken. Die Mindestreservenanforderungen für Fremdwährungen wurden gelockert, und die Anzahlungen für Immobilieninvestitionen wurden gesenkt. Diese Maßnahmen sollen wohl einen vollständigen Zusammenbruch des Immobilienmarktes verhindern, doch die Behörden reagieren vergleichsweise spät und die Maßnahmen sind eher zurückhaltend. Was steckt hinter dieser Zurückhaltung? Ist es auf begrenzte Ressourcen zurückzuführen oder ein Zeichen „politischer Weisheit“? Es könnte eine Mischung aus beiden sein. Die chinesischen Möglichkeiten für Konjunkturprogramme sind tatsächlich begrenzt aufgrund der enormen Verschuldung des Landes seit der Finanzkrise von 2008. Die Gesamtverschuldung Chinas ist von 160 % des BIP im Jahr 2008 auf 360 % im Jahr 2022 gestiegen. Die Verschuldung darf nicht weiter ansteigen, insbesondere in Zeiten, in denen die Inflation nahezu null oder negativ ist.
Begrenzte Mittel oder langfristige Strategie?
Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese Entscheidung Teil einer langfristigen Strategie ist, die darauf abzielt, die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren, insbesondere auf lokaler Ebene. Eine schwere Immobilienkrise könnte bis kurz vor den Zusammenbruch des Systems hingenommen werden, um dieses Ziel zu erreichen. Chinesische Banken, die scheinbar über ausreichend Kapital verfügen, könnten laut einer Analyse von Société Générale in der Lage sein, eine solche Krise zu bewältigen. Dies ist sicherlich eine gewagte Entscheidung der obersten Führung, aber sie könnte langfristig heilsam sein, besonders für einen Führer, der 2027 offenbar eine Wiederwahl anstrebt.
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und geopolitische Aspekte
Die Konsequenzen dieses stillen Finanzsturms haben sich noch nicht voll entfaltet, aber sie sind nicht ausschließlich negativ. Ein China mit schrumpfender Bevölkerung und strukturell niedrigerem Wachstum könnte die Weltwirtschaft belasten, insbesondere die westlichen Industrieländer, die auf die chinesischen Verbraucher angewiesen sind, und diejenigen, die von chinesischen Investitionen in ausländische Anleihen profitiert haben. Ein warnendes Beispiel, wie man es in Deutschland nicht machen sollte, meint Sven Thieme, und betont, dass nur eine langfristige finanzielle Ausrichtung dem Einzelnen einen gewissen Kapitalerhalt und Wohlstand garantieren wird.
Andererseits ist festzustellen, dass diese Krise aber auch die Spannungen zwischen China und dem Westen mildern könnte, da ein weniger dynamisches China möglicherweise weniger als Bedrohung wahrgenommen wird. Sie könnte die Welt auch dazu drängen, sich stärker auf drängende globale Herausforderungen wie den Klimawandel zu konzentrieren, bei denen China bereits mehr Anstrengungen unternimmt als einige andere Länder.
Der Taifun auf dem chinesischen Immobilienmarkt wird also nicht nur Verwüstungen hinterlassen, sondern auch die Möglichkeit bieten, eine neue Ära des Wachstums und der globalen Zusammenarbeit zu schaffen. „In der Krise zu wachsen und die Probleme als Herausforderung anzunehmen, kann ebenfalls Teil einer gesunden Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Unwägbarkeiten sein, wie sie jeder von uns erleben kann“, so Sven Thieme.





