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Weshalb E-Learning oft nichts bringt: 12 Fragen an Didaktik-Experte Timo Braun

28.07.202211:38 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Weshalb E-Learning oft nichts bringt: 12 Fragen an Didaktik-Experte Timo Braun
„Da lese ich lieber ein gutes Fachbuch!“, sagt Timo Braun über viele E-Learnings.  (© WTT CampusONE)
„Da lese ich lieber ein gutes Fachbuch!“, sagt Timo Braun über viele E-Learnings. (© WTT CampusONE)

(openPR) „Die Zeit der langweiligen E-Learnings ist vorbei“, sagt Timo Braun, während er sich lächelnd umschaut. Er steht vor einer riesigen grünen Wand, die einen Großteil des weitläufigen Raumes einnimmt. Die grüne Wand, ein gigantischer Greenscreen, nennen Braun und seine Kollegen nur „Der Hulk“. Dieser „Hulk“ steht in einem Studio in Fellbach, in dem verschiedene digitale Formate – wie E-Learnings, Erklärvideos, Webcasts – entstehen. Umgesetzt werden die Formate mit Hilfe von Regisseuren, Schauspielern, Moderatoren und Didaktik-Experten.  So entsteht laut Braun eine neue Art von digitaler Wissensvermittlung: Eine, die tatsächlich wirkt. 

Warum das so ist, beantwortet Didaktik-Experte Timo Braun in 12 Fragen.

Herr Braun, Sie sagen, E-Learning bringe sehr häufig nichts. Gewagte These für einen E-Learning-Redakteur,oder?

So gewagt ist das nicht. Fragen Sie doch mal einen Mitarbeiter in einem beliebigen Unternehmen, wie heiß der auf das nächste WBT ist (Anm.: Web Based Training, gängiges E-Learning-Format). Und fragen Sie ihn, was er aus dem letzten WBT mitgenommen hat.

Worauf wollen Sie hinaus? Dass der gängige E-Learning-Content Unsinn ist?

Nein, das würde ich nicht sagen. Ein großer Teil der eingesetzten E-Learnings ist in der Substanz sicherlich solide. Sehr oft kommen Experten zum Einsatz, die sicherstellen, dass die Inhalte korrekt sind. Die Schwierigkeit sehe ich weniger beim „Was“ als beim „Wie“.

Etwas kryptisch. Das müssen Sie schon näher erläutern. Was stimmt nicht mit dem „Wie“?

In meinen Augen wird unterschätzt, wie aufwendig eine wirkungsvolle Didaktik und Aufmachung hinter einem E-Learning ist. Man denkt sich: „Wir haben doch alle Inhalte drin und sauber strukturiert. Müsste doch funktionieren.“ Hier fängt E-Learning aber erst an. Ich muss mir genau überlegen, mit welchen Methoden sich für das jeweilige Thema ein echter Lerneffekt erzielen lässt.

Aber habe ich nicht meine Schuldigkeit getan, wenn ich dem Lerner alle notwendigen Inhalte mit einer gutentechnischen Lösung zur Verfügung stelle?

Nein. Ich finde, wir müssen schon ein bisschen mehr um ihn kämpfen. Denken Sie an Ihren Schulunterricht zurück. Bei welchem Lehrer haben Sie am meisten aufgepasst? Bei dem, der zum Mitmachen animiert und um Abwechslung bemüht war oder bei dem, der vorne stand und trocken einen Punkt nach dem anderen vorgetragen hat? Die Wahrheit ist, dass Lernen für uns erst einmal Aufwand bedeutet. Zumal in einem ohnehin sehr hektischen Alltag. Es muss also immer darum gehen, den Lerner zu begeistern und ihm zu zeigen, dass die Inhalte ihn wirklich weiterbringen. Und genau das, dieses Zusammenspiel von Inhalt und Inszenierung, gelingt im E-Learning viel zu selten.

Woran machen Sie das konkret fest?

Es beginnt bei der Darstellung. Klassische WBTs sind oft bessere Power-Point-Präsentationen. Sie sind textlastig und inhaltlich überfrachtet. Dazu kommen eine sterile Audiostimme und manchmal noch ein paar Comic-Figuren, die weit unter dem heutigen Standard liegen. Ganz ehrlich: Da lese ich lieber ein gutes Fachbuch. Seit ein paar Jahren werden verstärkt auch Videos eingesetzt. Aber die sind selten didaktisch gestaltet. Meist erzählt einfach ein Experte etwas in die Kamera. Was bleibt da wirklich hängen?

Also eine Frage der Präsentation?

Auch. Aber nicht um der Präsentation Willen. Mein Hauptanliegen ist das persönliche Involvement des Lerners. Das bleibt häufig auf der Strecke. Er „spürt“ die Bedeutung des Themas für seine eigene Arbeitsrealität nicht. Die Folge ist, dass E-Learning für ihn einen Muss-Charakter bekommt. Und das ist selten eine gute Voraussetzung für Lernbereitschaft.

Was muss sich Ihrer Meinung nach konkret ändern?

Wir müssen den Lerner viel stärker bei seinen Sehgewohnheiten abholen. Etwa mit Produktionen, die an Netflix- und TV-Formate oder auch Computerspiele angelehnt sind. Bei Pflichtthemen wie Compliance oder Datenschutz verfolge ich mit meinem Autorenteam mittlerweile einen radikalen Storytelling-Ansatz. Von der ersten Sekunde an versuchen wir Spannung aufzubauen. Zudem binden wir den Lerner aktiv ins Geschehen mit ein, damit er die bloße Konsumentenrolle verlässt. Und was tun Sie dagegen, dass der Lerner, wie Sie es selbst kritisieren, mit zu vielen Infos überfordert wird?

Haben Sie ein Beispiel?

Vor kurzem haben wir eine digitale Trainingsreihe zu Cybersicherheit entwickelt. Für diese Reihe haben wir den Deutschen Exzellenz-Preis gewonnen. Dabei muss der Lerner beispielsweise der IT-Heldin, einer gewöhnlichen Mitarbeiterin, dabei helfen, schädliche Mails aus dem Verkehr zu ziehen. Oder er darf in der Rolle des Cyberkriminellen einen Beutezug durch ein ungeschütztes Büro machen. Das Ganze ist filmisch inszeniert. Diese Verknüpfung von hoher Interaktivität und emotionaler Identifikation schafft einen extrem starken Lerneffekt.

Das heißt, der Lerner nimmt im Grunde an einer Geschichte teil?

Genau! Der Lerner identifiziert sich mit der Heldin, die sich erfolgreich gegen die böse Übermacht verteidigen muss. Das soll auch seine Rolle in der wirklichen Welt sein. Was oft als nerviges Regelwerk empfunden wird, wie das Verschlüsseln von Mails, betrachtet er nun als mächtige Waffe im Kampf gegen die Cyberkriminalität. Wir leisten auf diese Weise weit mehr als eine rein rationale Wissensübermittlung. So ziehen wir den Lerner auch emotional hinein. Wir feuern quasi aus allen Rohren auf beide Gehirnhälften!

 

 

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