(openPR) Die Schreie am Rande der Stadt
Stefan Barz
KBV-Verlag
Taschenbuch, 250 Seiten
ISBN 978-3-95441-585-4
12,00 Euro (D)
Stefan Barz‘ Wuppertal-Krimi entspricht nicht dem klassischen Klischee eines Regionalkrimis. Neben der wie stets fesselnden Krimi-Unterhaltung rückt er ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte in unheimliche Nähe und erzählt die Geschichte des KZ Kemna.
Im Frühling des Jahres 1993 findet der Journalist Martin Tesche bei der Auflösung der Wohnung seines verstorbenen Vaters Johannes ein sechzig Jahre altes Tagebuch. Martin ist erschüttert: Sein Vater verrät darin
unmissverständlich, an einem Mord beteiligt gewesen zu sein.
Martin begibt sich auf Spurensuche und reist an Johannes Tesches früheren Wohnort Wuppertal. Dort macht er Gerda Steinjans ausfindig, deren Name ihm in den Aufzeichnungen mehrfach begegnet ist. Die alte Frau kann sich noch gut an seinen Vater erinnern. Und auch an die Freunde Georg, Henri und Friedrich, an die Wandervogel-Gruppe, in der sie damals ihre jugendliche Freiheitsliebe auslebten und sich an der
Natur berauschten …
Aber mit den Erinnerungen kehren auch die Schreie wieder zurück, die von der Putzwollfabrik im Ortsteil Kemna zu ihnen herüberdrangen, einer Anlage, in der den Gerüchten nach ein Konzentrationslager eingerichtet worden war. Und der Nebel des Vergessens, der sich über die Mordtat gelegt hat, lichtet sich langsam …
Nachgefragt…
Nach drei Eifel-Krimis rund um den Ermittler Jan Grimberg hat es Sie nun thematisch ins Bergische Land
verschlagen, wo Sie auch als Lehrer tätig sind. Ihr erster bergischer Krimi spielt in Wuppertal und weckt
Erinnerungen an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die alte
Putzwollfabrik in Wuppertal-Kemna, in der ein frühes KZ der Nazis eingerichtet war, mit in den Plot einzubinden?
Barz: Zunächst hatte ich die Idee, über einen Mord im Nationalsozialismus zu schreiben. Und weil ich seit über zehn Jahren in Wuppertal wohne und bisher nur Eifelkrimis geschrieben habe, wollte ich außerdem mal einen bergischen Krimi schreiben. Also habe ich angefangen, mich mit dem historischen Wuppertal in der Zeit des Nationalsozialismus zu beschäftigen, und dann stößt man eigentlich zwangsläufig auf das KZ Kemna, das sich tief in das historische Gedächtnis Wuppertals eingebrannt hat.
Ich habe dann die Erfahrungsberichte von Karl Ibach und Willi Weiler gelesen, die 1933 als junge Männer in diesem KZ misshandelt wurden. Dabei wurde mir nochmal vor Augen geführt, dass die Nationalsozialisten wirklich schon sehr früh, nur ein halbes Jahr nach Hitlers Machtergreifung, eine solche Folterhölle geschaffen haben - und das direkt am Stadtrand! Die Menschen, die im Ortsteil Kemna wohnten, haben unmittelbar mitbekommen, welche Grausamkeiten in diesem KZ vor sich gingen, sie haben die Schreie der Menschen gehört, und sie konnten - oder
wollten - nichts dagegen tun. Das wollte ich unbedingt in der Geschichte mitverarbeiten. Als meine Protagonisten dieses Lager entdecken, wird ihnen endgültig bewusst, welche Terrorherrschaft in Deutschland begonnen hat, und eine Hauptfigur sagt visionär: „Sie planen Schreckliches!“
Das in einem Kriminalroman zu verarbeiten, war aber kein leichtes Unterfangen, denn die Geschichte des KZ Kemna ist zu ernst, um Kemna einfach nur als Kulisse für einen klassischen Krimi zu benutzen. Deshalb ist mein neuer Roman ein ungewöhnlicher Krimi geworden: Die Krimihandlung bildet den Rahmen, um eigentlich die Geschichte des KZ Kemna zu erzählen.



















