(openPR) Franziska Haberland: "Wir wünschen uns sehr, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse alsbald auf politischer Ebene gehört werden und dementsprechende Programme mit nachhaltigen finanziellen Strukturen aufgestellt werden."
Eine im Juni 2020 veröffentlichte Langzeitstudie von Verhaltensökonomen der Universität Bonn zeigt: Mentoring kann die Chancen benachteiligter Kinder erhöhen, auf das Gymnasium zu kommen.
Die Forscher*innen untersuchten hierfür den Einfluss von Freizeit-Patenschaften auf die Bildungschancen von Grundschulkindern aus Familien mit niedrigem sozialökonomischem Status. Ein Jahr Mentoring bewirkte, dass 20% mehr von ihnen auf ein Gymnasium wechselte als Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Status ohne Förderung durch eine Patenschaft.
Die Gründe für die langfristigen positiven Effekte der Patenschaften sehen die Forscher*innen u.a. darin, dass sowohl Kinder als auch Eltern durch das Mentoring darin ermutigt werden, sich für einen höheren Bildungsweg zu entscheiden.
Im Telemachos Fachbrief 23 des Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften e.V. zog Armin Falk, einer der Autoren der Studie, Bilanz:
„Wenn wir die Potenziale in der Gesellschaft nicht nutzen, dann ist das nicht nur ein Gerechtigkeits-, sondern auch ein Effizienzproblem. Jedes Land hat damit zu kämpfen, dass die unmittelbaren Lebensumstände die Persönlichkeit stark vorbestimmen. Und darin liegt ein doppelter Auftrag: zu verstehen und zu verändern.“
Franziska Haberland, Leiterin des Patenschaftsprojekts "Neuköllner Talente" in der Bürgerstiftung Neukölln, sieht auch politischen Handlungsbedarf:
"Die vergleichsweise hohe Bildungsungerechtigkeit im deutschen Bildungssystem ist spätestens seit Einführung der PISA-Studie allgemein bekannt und diskutiert. (...) Die Corona-Pandemie mit Lockdowns, Quarantänemaßnahmen, Homeschooling, etc. wirkt auf diese ohnehin schon tiefen Gräben wie ein Katalysator, der uns den Ernst der Lage noch mal deutlich vor Augen führt.
Dass Patenschaften einen deutlichen Effekt auf die Bildungschancen von Grundschulkindern aus Familien mit niedrigem sozio-ökonomischen Status haben, ist nun durch die Langzeitstudie der Universität Bonn wissenschaftlich bewiesen. Diesbezüglich decken sich auch unsere Erfahrungen aus den „Neuköllner Talenten“ mit den Studienergebnissen, v.a. auch hinsichtlich der nachhaltigen Langzeiteffekte. (...)
Doch trotz des von Falk dargestellten guten „Kosten-Nutzen-Verhältnisses“ von Patenschaftsprojekten, hangeln sich die meisten in prekären Strukturen von Projekt- zu Projektförderung. Wir wünschen uns sehr, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse alsbald auf politischer Ebene gehört werden und dementsprechende Programme mit nachhaltigen finanziellen Strukturen aufgestellt werden."
Über das Neuköllner Talente Projekt: Das Patenschaftsprojekt der Bürgerstiftung Neukölln vermittelt seit über 10 Jahren Neuköllner Kinder im Grundschulalter mit ehrenamtlichen Pat*innen. Die Paten-Tandems gehen gemeinsam ein Jahr lang einmal in der Woche in ihrer Freizeit Interessen und Begabungen nach. Die Patenschaften fördern die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und schaffen vertrauensvolle Beziehungen zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnet wären.
Link zur Studie: Armin Falk, Fabian Kosse und Pia Pinger: Mentoring and Schooling Decisions: Causal Evidence. IZA Discussion Paper Series No. 13387, 2020
Link zum Neuköllner Talente Projekt
Link zum ungekürzten Statement von Franziska Haberland













