(openPR) Dieser Frage stellten sich am 8. Februar 2007 die Teilnehmer des von der Stiftung West-Östliche Begegnungen gemeinsam mit dem Solidaritätsbund International - SODI im Haus des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Berlin durchgeführten Diskussionsabends mit Professor Wassilij Nesterenko, Direktor des unabhängigen Instituts für Strahlensicherheit BELRAD in Minsk. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Tschernobylkatastrophe vom 26. April 1986 werden von Wissenschaftlern sehr unterschiedlich beurteilt. Die Angaben über die Anzahl der Krankheitsfälle differieren sehr stark, da einerseits viele Krankheitsbilder nicht unmittelbar nur auf die Strahlenbelastung zurückzuführen sind, andererseits auch strahlungsbedingte Krankheiten eine hohe Latenzzeit aufweisen können. Unstrittig ist jedoch, dass beim Reaktorunfall in Tschernobyl hohe Mengen von Radionukliden freigesetzt wurden, von denen heute und noch für viele Jahrzehnte für die Bevölkerung in den betroffenen Regionen in Belarus und der Ukraine hauptsächlich das bei der Urankernspaltung entstehenden radioaktiven Isotop Cäsium-137 eine gesundheitsgefährdende Strahlenbelastung verantwortlich ist. Besonders gravierend sind diese Gefahren für die Gesundheit von Kindern. Die Aufnahme der radioaktiven Isotope in den menschlichen Körper erfolgt in den betroffenen Regionen mit der Atemluft sowie durch Lebensmittel und Trinkwasser.
Die umfangreichen Messergebnisse der Strahlenbelastung, die der Atomenergie-Experte Prof. Dr. Vasilij Nesterenko, ehemals Leiter des Instituts für Kernenergetik an der weißrussischen Akademie der Wissenschaften, für die Bevölkerung in bestimmten Regionen und einzelnen Siedlungen präsentiert, sprechen eine deutliche Sprache. Er weist aber auch darauf hin, dass gewisse Schutzwirkungen gegen die Aufnahme von Radioaktivität schon mit einfachsten Mitteln erzielt werden können, beispielsweise durch Zentrifugieren von Milch oder durch die Behandlung von Fleisch mit entsprechenden Salzlösungen. Professor Nesterenko würdigte das Engagement von Initiativen und Organisationen, die Kindern aus den betroffenen Regionen Genesungsaufenthalte in Deutschland ermöglichen. Er wies aber auch auf die erheblich kostengünstigere Möglichkeit hin, Kindern innerhalb von Belarus in radioaktiv nicht belasteten Regionen Genesungs- und Erholungsaufenthalte zu verschaffen. Professor Nesterenko vertritt die Ansicht, dass Erholungsaufenthalte erheblich effizienter seien in Verbindung mit Behandlungen durch Pektine, die den Austritt radioaktiver Stoffe aus dem menschlichen Körper beschleunigen würden. Dazu wurde von seinem Institut das Mittel Vitapekt zur Nahrungsergänzung entwickelt, ein mit Vitaminen angereichertes Präparat aus Apfelschrot. Kritiker dieser Methode weisen darauf hin, dass die von Professor Nesterenko beschriebene positive Wirksamkeit von Pektin bisher wissenschaftlich stichhaltig noch nicht nachgewiesen und somit die medizinische Effizienz der Verabreichung des Präparats in der Fachwelt zumindest umstritten sei.
Völlig unstrittig blieb aber für die mehr als 60 Teilnehmer des Abends nach der Diskussion mit Professor Nesterenko: Das Thema Tschernobyl ist auch zwei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe brandaktuell. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind immer noch schwer überschaubar. Es sind große Anstrengungen nötig um den Schutz und den Gesundheitszustand der Menschen, insbesondere der Kinder in den verstrahlten Gebieten zu verbessern. Die Stiftung West-Östliche Begegnungen wird sich auch weiterhin für die Förderung von Projekten zu dieser Thematik einsetzen.
Andreas Zühlke
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