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21 Jahre nach Tschernobyl – wie kann die gefährliche Strahlenbelastung vermindert werden?

12.02.200711:45 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: 21 Jahre nach Tschernobyl – wie kann die gefährliche Strahlenbelastung vermindert werden?
von links: Jürgen Ebert (SODI), Prof. Dr. Vasilij Nesterenko (BELRAD), Dr. Helmut Domke (Stiftung West-Östliche Begegnungen)
von links: Jürgen Ebert (SODI), Prof. Dr. Vasilij Nesterenko (BELRAD), Dr. Helmut Domke (Stiftung West-Östliche Begegnungen)

(openPR) Dieser Frage stellten sich am 8. Februar 2007 die Teilnehmer des von der Stiftung West-Östliche Begegnungen gemeinsam mit dem Solidaritätsbund International - SODI im Haus des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Berlin durchgeführten Diskussionsabends mit Professor Wassilij Nesterenko, Direktor des unabhängigen Instituts für Strahlensicherheit BELRAD in Minsk. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Tschernobylkatastrophe vom 26. April 1986 werden von Wissenschaftlern sehr unterschiedlich beurteilt. Die Angaben über die Anzahl der Krankheitsfälle differieren sehr stark, da einerseits viele Krankheitsbilder nicht unmittelbar nur auf die Strahlenbelastung zurückzuführen sind, andererseits auch strahlungsbedingte Krankheiten eine hohe Latenzzeit aufweisen können. Unstrittig ist jedoch, dass beim Reaktorunfall in Tschernobyl hohe Mengen von Radionukliden freigesetzt wurden, von denen heute und noch für viele Jahrzehnte für die Bevölkerung in den betroffenen Regionen in Belarus und der Ukraine hauptsächlich das bei der Urankernspaltung entstehenden radioaktiven Isotop Cäsium-137 eine gesundheitsgefährdende Strahlenbelastung verantwortlich ist. Besonders gravierend sind diese Gefahren für die Gesundheit von Kindern. Die Aufnahme der radioaktiven Isotope in den menschlichen Körper erfolgt in den betroffenen Regionen mit der Atemluft sowie durch Lebensmittel und Trinkwasser.



Die umfangreichen Messergebnisse der Strahlenbelastung, die der Atomenergie-Experte Prof. Dr. Vasilij Nesterenko, ehemals Leiter des Instituts für Kernenergetik an der weißrussischen Akademie der Wissenschaften, für die Bevölkerung in bestimmten Regionen und einzelnen Siedlungen präsentiert, sprechen eine deutliche Sprache. Er weist aber auch darauf hin, dass gewisse Schutzwirkungen gegen die Aufnahme von Radioaktivität schon mit einfachsten Mitteln erzielt werden können, beispielsweise durch Zentrifugieren von Milch oder durch die Behandlung von Fleisch mit entsprechenden Salzlösungen. Professor Nesterenko würdigte das Engagement von Initiativen und Organisationen, die Kindern aus den betroffenen Regionen Genesungsaufenthalte in Deutschland ermöglichen. Er wies aber auch auf die erheblich kostengünstigere Möglichkeit hin, Kindern innerhalb von Belarus in radioaktiv nicht belasteten Regionen Genesungs- und Erholungsaufenthalte zu verschaffen. Professor Nesterenko vertritt die Ansicht, dass Erholungsaufenthalte erheblich effizienter seien in Verbindung mit Behandlungen durch Pektine, die den Austritt radioaktiver Stoffe aus dem menschlichen Körper beschleunigen würden. Dazu wurde von seinem Institut das Mittel Vitapekt zur Nahrungsergänzung entwickelt, ein mit Vitaminen angereichertes Präparat aus Apfelschrot. Kritiker dieser Methode weisen darauf hin, dass die von Professor Nesterenko beschriebene positive Wirksamkeit von Pektin bisher wissenschaftlich stichhaltig noch nicht nachgewiesen und somit die medizinische Effizienz der Verabreichung des Präparats in der Fachwelt zumindest umstritten sei.

Völlig unstrittig blieb aber für die mehr als 60 Teilnehmer des Abends nach der Diskussion mit Professor Nesterenko: Das Thema Tschernobyl ist auch zwei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe brandaktuell. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind immer noch schwer überschaubar. Es sind große Anstrengungen nötig um den Schutz und den Gesundheitszustand der Menschen, insbesondere der Kinder in den verstrahlten Gebieten zu verbessern. Die Stiftung West-Östliche Begegnungen wird sich auch weiterhin für die Förderung von Projekten zu dieser Thematik einsetzen.

Andreas Zühlke
Stiftung West - Östliche Begegnungen
Medien und Kommunikation
Mauerstrasse 93
10117 Berlin

Tel.: 030.20911800
Fax: 030.20647646
Mail: E-Mail

Internet: www.stiftung-woeb.de

Die Stiftung West-Östliche Begegnung fördert persönliche Begegnungen von Menschen aus Deutschland und Ländern Osteuropas, des Baltikums und Mittelasiens. Sie will interkulturelles Lernen unterstützen, Ost-West-Kommunikation und -kompetenz vertiefen und zivilgesellschaftliches Engagement stärken.

Gegenseitiges Kennen- und Verstehen-Lernen sowie gemeinsames Handeln können gesellschaftliche Prozesse beeinflussen und zur dauerhaften Verständigung zwischen den Völkern beitragen. Wir verstehen deshalb Austauschprojekte als eine nachhaltige Investition in die Zukunft. Besonders junge Menschen können damit Qualifikationen erlangen, die sie als Vertreter der kommenden Generation auf die Aufgabe der Verständigung und Kooperation mit den Nachbar- und Partnerstaaten vorbereiten.

Die Stiftung West-Östliche Begegnung entstand im Ergebnis des gesellschaftlichen Wandels in Europa, der von selbstbewussten Bürgerinnen und Bürgern zum Ende des 20. Jahrhunderts mit friedlichen Mitteln herbeigeführt wurde. Engagierte Menschen aus den neuen deutschen Bundesländern, denen Verständigung und Freundschaft mit den Völkern der damaligen Sowjetunion gerade unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen ein wichtiges Anliegen war, errichteten im Jahre 1994 die Stiftung West-Östliche Begegnungen. Sie verfügt über das Kapital, das nach der Auflösung der "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft" 1989 verblieben war und zu dem seinerzeit Millionen Bürgerinnen und Bürger der DDR durch ihre Mitgliedsbeiträge beigetragen hatten.

Die neu gegründete Stiftung nahm den Auftrag der Geschichte an, insbesondere aus der verheerenden Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zu lernen und zu Versöhnung und Frieden beizutragen. Von Anfang an ermöglichte sie interessierten Menschen aus ganz Deutschland, vielfältige Begegnungsprojekte mit den neuen unabhängigen Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion durchzuführen und brachte die über Jahrzehnte in Ostdeutschland gewachsene Kompetenz und das vorhandene Wissen über das Leben in den Partnerländern in die Austauschprogramme ein.

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