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Eliza und die Grenzen der Künstlichen Intelligenz

01.02.200709:31 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) KI-Kritiker und KI-Forscher im Streitgespräch: Weizenbaum und Wahlster auf der Call Center World in Berlin

Berlin. Der 84jährige Joseph Weizenbaum http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum zählt zu den legendären Persönlichkeiten der Forschungsszene für Künstliche Intelligenz (KI). Der „Pionier, Dissident und Computerguru“, der als Professor für Computerwissenschaften am MIT in Cambridge unterrichtete und mittlerweile wieder in Berlin lebt, entwickelte 1966 ein Computerprogramm namens Eliza, das einen einfachen Dialog mit einem Menschen führen konnte. Das Projekt spielt auf Eliza Doolittle aus George Bernhard Shaws Schauspiel Pygmalion an: „Meine Idee war, dass mein Sprach-Analyse-Programm in seiner sprachlichen Ausdrucksweise immer besser, also differenzierter, genauer und raffinierter werden würde, genau wie die Blumenverkäuferin aus dem Musical, unter der Anleitung ihres Lehrers Professor Higgins“, erläutert Weizenbaum.

„Eliza versteht mich" hätten ihm so manche zugeraunt, die an einem Terminal des MIT ein paar Zeilen mit der automatischen Pseudo-Psychiaterin ausgetauscht hatten, erinnert sich Weizenbaum. Dabei war sein Rezept simpel: Man nehme die Eingabe, suche nach wichtigen Begriffen und treibe mit dem Echo solcher Sätze das Gespräch voran: „Mein Freund hat mich hergeschickt". „Ach so, Ihr Freund hat Sie hergeschickt“. „Er sagt, ich sei oft depressiv". „Tut mir leid zu hören, dass Sie oft depressiv sind“. Wenn diese Regel nicht greift, helfen ein paar Fragen weiter, die die Aussage aufnehmen: „Es ist wahr, ich bin unglücklich". „Hilft es Ihnen, hierher zu kommen, um nicht mehr unglücklich zu sein?" – so entlockte das Programm den freiwilligen Versuchskaninchen intime Geständnisse: „Schaut man sich die Struktur der therapeutischen Gesprächstechnik an, die von Carl Rogers entwickelt wurde, so fällt dabei auf, dass sie wie eine Art Echo funktioniert“, so Weizenbau.

Das Ganze sei vor allem eine Projektion. „Je mehr Zuwendung jemand braucht, umso stärker ist er bereit, diese Fähigkeiten auf sein Gegenüber zu projizieren“, sagt Weizenbaum. Die Resonanz auf das Experiment war enorm. Überall in den USA tauchten an den Universitäten Kopien davon auf. „Eliza war wirklich in aller Munde. Aber was mich überraschte, waren ganz spezifische Reaktionen. Ich beobachtete, welch enge Beziehung die menschlichen Gesprächsteilnehmer aufnahmen und zwar in kürzester Zeit. Das äußerte sich so, dass sie darüber sprachen wie über einen Menschen und ihm menschliche Eigenschaften zuschrieben. Am extremsten erlebte ich es bei meiner Sekretärin. Als ich einmal ihr Zimmer betrat, war sie mitten im ‚Gespräch’ mit ‚Doctor’. Es war ihr sichtlich unangenehm, dass ich ihre Sitzung störte und bereits nach kurzer Zeit forderte sie mich auf, sie doch eine Weile allein zu lassen“, wundert sich Weizenbaum.

Sogar Therapeuten lobten die Mensch-Maschine-Interaktion, wollten es ausgebaut haben und sahen Möglichkeiten, es für Routinearbeiten in ihren Praxen einzusetzen. Das war für Weizenbaum ein „Damaskus-Erlebnis“. Er wandelte sich vom Forscher für Künstliche Intelligenz zum Kritiker einer übertriebenen Computergläubigkeit. Seine These ist, dass die Menschen, auch wenn sie einst den Computern Intelligenz zubilligen, niemals zulassen dürften, dass Computer für sie Entscheidungen fällen.

Die Kritik von Weizenbaum hat sich nach Ansicht des Spracherkennungsexperten Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de, auf die KI-Forschung positiv ausgewirkt: „Es geht nicht mehr darum, in den konstruierten Computern oder Robotern den besseren Menschen zu erkennen und auf eine postbiologische Welt zuzusteuern. Das sind Wahnvorstellungen. Heute geht es darum, dass sich der Mensch nicht länger dem Computer anpassen muss. Die Informationstechnik muss sich an den Menschen anpassen. Softwaresysteme müssen daher intelligenter werden, damit sie besser verstehen, was der Mensch von ihnen will und damit sie sich umgekehrt dem Menschen einfacher verständlich machen: Das gilt besonders für die automatische Spracherkennung per Telefon. Es geht nicht um eine Nachahmung der Kommunikation zwischen Menschen, sondern um eine angemessene Behandlung des Menschen im Dialog mit dem Computer“, so Pape.

Auch Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) http://www2.dfki.de und einziges deutsches Mitglied des Nobelpreiskomitees, rückt humanistische Ziele in den Vordergrund seiner Forschungsarbeiten. „Die semantische Wende ist die größter Herausforderung für die Informatik in den nächsten Jahren. Nicht die Interaktion über komplizierte Kunstsprachen mit Tastatur und Maus, sondern die Kooperation in der Alltagsbegrifflichkeit mit Sprache und Gestik sollen in Zukunft im Zentrum einer ‚Informatik für den Menschen’ stehen“, sagt Wahlster. Auf der Call Center World in Berlin http://www.callcenterworld.de werden Weizenbaum, Wahlster und Pape bei einem Expertenforum (27. Februar 2007, 14 bis 15 Uhr, Hotel Estrel, Berlin-Neukölln, Halle 1 B 5) über die Chancen und Grenzen der Mensch-Maschine-Kommunikation diskutieren. Moderiert wird die Runde von Deutschlandfunkredakteur Jürgen Liminski.

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