openPR Recherche & Suche
Presseinformation

CO2-Zertifikatehandel: RWE wegen überhöhter Strompreise abgemahnt

20.12.200614:28 UhrEnergie & Umwelt
Bild: CO2-Zertifikatehandel: RWE wegen überhöhter Strompreise abgemahnt
FDP: Kartellamt verpasst der Bundesregierung einen Denkzettel
FDP: Kartellamt verpasst der Bundesregierung einen Denkzettel

(openPR) Das Bundeskartellamt hat der RWE AG, Essen, seine vorläufige Beurteilung mitgeteilt, dass die Forderung von Industriestrompreisen im Jahr 2005 insoweit missbräuchlich war, als in den Preisen mehr als 25% des im Preis anteilig enthaltenen CO2-Zertifikatswerts überwälzt wurde, berichtet das Branchenmagazin EUROPATICKER Umweltruf (http://www.europaticker.de). Das Bundeskartellamt ging dabei von der wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnis aus, dass Opportunitätskosten im Prinzip in die betriebswirtschaftliche Kalkulation einfließen. Das setzt allerdings voraus, dass die zur Stromerzeugung unentgeltlich zugeteilten Emissionsberechtigungen bzw. CO2 -Zertifikate auch tatsächlich zum Verkauf zur Verfügung stehen.



Zahlreiche Unternehmen der stromintensiven Industrie hatten sich - unter anderem über den Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. („VIK“) und die Wirtschaftsvereinigung Metalle („WVM“) – im Jahr 2005 über das Verhalten der Stromkonzerne in Bezug auf den CO2-Emissionshandel beim Bundeskartellamt beschwert. Seit dem 1.1.2005 müssen Kraftwerke, aber auch Unternehmen aus anderen CO2-emittierenden Branchen, für ihre Produktion Emissionsberechtigungen einsetzen. Durch den Handel mit solchen Zertifikaten sollen möglichst kosteneffizient Treibhausgase verringert werden.

Das Bundeskartellamt hatte aufgrund der Beschwerden Ende 2005 Verfahren gegen RWE und die E.ON Energie AG eingeleitet. Die der RWE zugestellte Abmahnung betrifft ausschließlich die Preisgestaltung für das Jahr 2005 bezogen auf die Strompreise ihrer Industriekunden. Das parallel laufende Verfahren gegen E.ON wird sich – unter Berücksichtigung der in diesem Verfahren gewonnenen Erkenntnisse – unmittelbar anschließen.

RWE ist – bezogen auf die bundesweiten Strommärkte – gemeinsam mit E.ON marktbeherrschend, da zwischen beiden Unternehmen kein wesentlicher Wettbewerb stattfindet und sie im Verhältnis zu ihren Wettbewerbern eine überragende Marktstellung innehaben. Beide Konzerne erzeugen gemeinsam gut 60% der Nettostrommenge, verfügen über Kraftwerke der Grund-, Mittel- und Spitzenlast, halten zusammen über 200 Minderheitsbeteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern und kontrollieren über 50-70% der deutschen Stromnetze.

Das Bundeskartellamt hatte zu prüfen, ob ein Missbrauch insoweit vorliegt, als die von RWE geforderten Preise von solchen abweichen, die sich bei wirksamem Wettbewerb gebildet hätten. Gegenstand der Prüfung war dabei der auf die Überwälzung von emissionshandelsbedingten Opportunitätskosten entfallende Preisumfang.

Eine Vergleichsbetrachtung mit anderen, am europäischen Emissionshandel teilnehmenden Industrien hat ergeben, dass die Wettbewerbsbedingungen auf anderen Märkten eine Überwälzung der kostenlos zugeteilten Emissionsberechtigungen nicht erlauben. Dies gilt nicht nur für Branchen, die im weltweiten Wettbewerb mit nicht am Emissionshandel teilnehmenden Wettbewerbern stehen, sondern auch für Branchen wie beispielsweise den Mineralöl-, Zement-, Kalk- oder Zuckermarkt, in denen deutsche Unternehmen mit ebenfalls am Zertifikatehandel beteiligten nationalen oder europäischen Wettbewerbern konkurrieren.

Unabhängig von der Vergleichsbetrachtung mit anderen Industrien hat die Prüfung des Amtes ergeben, dass aus stromwirtschaftlichen und emissionsrechtlichen Gründen lediglich für eine geringe Zahl der den Kraftwerksbetreibern zugeteilten Emissionsberechtigungen tatsächlich alternative Verwendungen für die Zertifikate bestanden. Nun insoweit wäre ein monetärer Nutzen entgangen, wenn der Wert dieser Zertifikate nicht einkalkuliert worden wäre.

Unter Heranziehung eines brennstoffübergreifenden Umrechnungsfaktors und eines „Erheblichkeitszuschlags“ beanstandet das Bundeskartellamt deshalb in seiner vorläufigen Verfügung eine Überwälzung von bis zu 25% des im Strompreis anteilig enthaltenen Zertifikatswertes nicht. Jede darüber hinaus stattfindende Überwälzung wäre als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung anzusehen.

FDP: Kartellamt verpasst der Bundesregierung einen Denkzettel

Die Entscheidung des Bundeskartellamtes zur Einpreisung von Emissionszertifikaten in den Strompreis ist ein Denkzettel für die Bundesregierung, so die energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Gudrun Kopp.

Bundesumweltminister Gabriel, der die Zertifikate auch in der zweiten Handelsperiode an die Konzerne verschenken will, muss nun endlich die laut EU-Richtlinie zulässigen zehn Prozent der Zertifikate versteigern, wie es die FDP seit langem fordert. Grundsätzlich wäre für die Zeit nach 2012 eine vollständige Versteigerung der Zertifikate sinnvoll und notwendig. Zwar mag die Einpreisung der kostenlos vergebenen Zertifikate betriebswirtschaftlich korrekt sein, die Konzerne können sich dieses Verhalten aber nur erlauben, weil sie aufgrund der Marktstrukturen in Deutschland keinem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind.

Deshalb muss auch Wirtschaftsminister Glos jetzt endlich die Weichen für mehr Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt stellen. Konkret darf es keine Verschiebung der Anreizregulierung für die Stromnetze bis ins Jahr 2009 oder 2010 geben und die lange angekündigte Verordnung zum Kraftwerksanschluss muss endlich vorgelegt werden, damit neue Anbieter auf den Markt kommen. Darüber hinaus ist auch ein massiver Ausbau der europäischen Grenzkuppelstellen dringend voranzubringen, um einen wirklichen Binnenmarkt für Strom zu realisieren. Ein entsprechender Vorschlag der FDP liegt im Bundestag bereits vor.

RWE und die anderen Verfahrensbeteiligten haben Gelegenheit, bis zum 22. Februar 2007 zur Abmahnung Stellung zu nehmen.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 113330
 3463

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „CO2-Zertifikatehandel: RWE wegen überhöhter Strompreise abgemahnt“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von EUROPATICKER Umweltruf

Bild: 100 Jahre Ausbildung auf Emder WerftBild: 100 Jahre Ausbildung auf Emder Werft
100 Jahre Ausbildung auf Emder Werft
Wirtschaftsminister Walter Hirche hat im Rahmen der Feierstunde von Niedersachsen Ports (NPorts) zum 100-jährigen Ausbildungsjubiläum in Emden seinen Dank für das große Engagement des Unternehmens in der Berufsausbildung junger Menschen ausgesprochen. Ich bin froh, dass NPorts die Verpflichtung und Verantwortung übernimmt und jungen Menschen eine Zukunftsperspektive gibt, erklärte Hirche und appellierte sogleich an die anwesenden Vertreter der Wirtschaft, zu prüfen, welche neuen und ungenutzten Potentiale im Ausbildungsbereich noch ausgeschöp…
Bild: Schnelles Geld mit dem VerpackungsmüllBild: Schnelles Geld mit dem Verpackungsmüll
Schnelles Geld mit dem Verpackungsmüll
Umweltminister Gabriel will die Vorschriften für den Verpackungsmüll neu sortieren. Doch die geplante Verordnung schade nicht nur den bisherigen Trittbrettfahrern, meinte am vergangenem Freitag das Wirtschaftmagazin Capital. Es schade auch den Verbrauchern. Als einzigen Nutznießer hat das Magazin den Private-Equity-Fonds KKR ausgemacht. Dem Magazin wurde ein Brandbrief vom Tengelmann-Chef, Karl-Erivan Haub an Bundeswirtschaftminister Glos zugespielt, indem er die schnelle Abstimmung mit dem Umweltminister Gabriel zum Verpackungsmüll anmahnt…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild:  Climagate vertieft Partnerschaft mit Von Bohlen & Halbach Cie. FZ-LLCBild:  Climagate vertieft Partnerschaft mit Von Bohlen & Halbach Cie. FZ-LLC
Climagate vertieft Partnerschaft mit Von Bohlen & Halbach Cie. FZ-LLC
Dubai/London, 09. Juli 2023- Climagate vertieft Partnerschaft mit Von Bohlen & Halbach Cie. FZ-LLC, um maximale Transparenz im CO2-Zertifikatehandel zu erreichen Climagate, ein führender Anbieter im CO2-Zertifikatehandel, gibt heute die Vertiefung seiner strategischen Partnerschaft mit Von Bohlen & Halbach Cie. FZ-LLC bekannt. Diese erweiterte …
0,0015 g/kWh Nuklearabfall und unschlagbare CO2-Belastung
0,0015 g/kWh Nuklearabfall und unschlagbare CO2-Belastung
… spricht sich nachdrücklich für die Neubewertung, Nutzung und die Förderung der weiteren Erforschung der Kernenergie aus. Deutschland hat neben Italien die zweithöchsten Industrie-Strompreise in der EU. Der sogenannte »Atomkonsens« gefährdet unsere Wirtschaft und reduziert die Kaufkraft der Bevölkerung. Das Kernkraftwerk Biblis (Block A 1225 MW, Block …
Es ist Zeit zu handeln! Bürgerintitiative ruft zu Demonstration gegen das Kohlekraftwerk auf
Es ist Zeit zu handeln! Bürgerintitiative ruft zu Demonstration gegen das Kohlekraftwerk auf
… ohnehin kontinuierlich denen von Ökostromversorgern an – kein Wunder, denn Kohle wird teurer und auch CO2-Ausstoß wird in Zukunft durch den CO2-Zertifikatehandel zu einem Kostenfaktor werden. Bürgerinititative Kohlefreies Mainz e.V. Obere Zahlbacher Straße 52 55131 Mainz E-Mail: Telefon: 06131 48 10 509 oder 0174 31 68 951www.kohlefreies-mainz.de Die …
Bild: Mit Energiesparbox.de die Umwelt schützenBild: Mit Energiesparbox.de die Umwelt schützen
Mit Energiesparbox.de die Umwelt schützen
Kunden von Energiesparbox.de sparen trotz steigender Strompreise Geld und vermindern ihren CO2 Ausstoß Im Jahr 2011 wird der Strom für Millionen Verbraucher deutlich teurer. Bei rund 500 bis 900 Versorgern stehen Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent an, so das Verbraucherportal Verivox. Auch die Stromriesen RWE, Vattenfall und EnBW planen …
direct/ EUROFORUM Deutschland GmbH : Bremst der CO2 -Zertifikatehandel das Wachstum?
direct/ EUROFORUM Deutschland GmbH : Bremst der CO2 -Zertifikatehandel das Wachstum?
… Zertifikate ausgegeben werden. Die EUROFORUM-Konferenz "CO2-Emissionshandel" (2. und 3. März 2006, Berlin) greift die aktuellen Diskussionen über die Zusammenhänge zwischen Brennstoffpreisen, Strompreisen und Zertifikatepreisen aus den unterschiedlichen Blickwickeln der Betroffenen auf. Über den aktuellen Stand der Ausarbeitung des NAP II sowie über …
Bild: Climagate: Der Handel mit CO2-Zertifikaten wird durch die Digitalisierung transparenter.Bild: Climagate: Der Handel mit CO2-Zertifikaten wird durch die Digitalisierung transparenter.
Climagate: Der Handel mit CO2-Zertifikaten wird durch die Digitalisierung transparenter.
… Lösungen weiter optimieren. Durch den Einsatz innovativer digitaler Plattformen sind wir in der Lage, unseren Kunden eine transparente und schnelle Abwicklung im CO2-Zertifikatehandel zu gewährleisten. Unsere neuen digitalen Systeme ermöglichen eine nahtlose Integration von Handelsprozessen, von der Platzierung von Aufträgen bis zur Abrechnung. Dadurch …
Energiekonzerne in der Kritik
Energiekonzerne in der Kritik
Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger halten das Klimaschutzengagement der Energieriesen RWE, E.on, Vattenfall und EnBW für unzureichend und die aktuellen Strompreise der Konzerne für überzogen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag von Greenpeace hervor. Demnach bemängeln 85 Prozent aller Befragten die Strompreise großer …
Bild: Kartellamt mit RückzieherBild: Kartellamt mit Rückzieher
Kartellamt mit Rückzieher
… führen. Der VEA-Vorstand forderte das Kartellamt auf, sich nun auf ihre Eingriffsmöglichkeiten gegen Preismissbrauch zu besinnen. Das angekündigte Einschreiten gegen die überhöhten Strompreise und deren strukturellen Ursachen dürfte daher keine leere Worthülse sein. „Das Kartellamt muss nun Taten Folgen lassen“, sagte der Energie-Experte. Rückfragen bitte …
Steigende Energiekosten fest im Blick - Erdwärme statt Gas und Öl
Steigende Energiekosten fest im Blick - Erdwärme statt Gas und Öl
Erneut ist von einer Steigerung der Preise für fossile Energieträger auszugehen. E.ON hat bereits angekündigt, die Strompreise um bis zu 10 Prozent zu erhöhen, RWE um 9 Prozent. Auch andere Stromkonzerne planen Erhöhungen, es ist von insgesamt 300 Anbietern die Rede. Seinerseits machte E.ON-Chef Wulf Bernotat den Staat für die hohen Strompreise verantwortlich. …
Bild: Belastung für private Haushalte steigt deutlich - RWE erhöht die Preise, andere Energieanbieter werden folgenBild: Belastung für private Haushalte steigt deutlich - RWE erhöht die Preise, andere Energieanbieter werden folgen
Belastung für private Haushalte steigt deutlich - RWE erhöht die Preise, andere Energieanbieter werden folgen
Berlin, 21. Juni 2010. Der Energiekonzern RWE plant die Erhöhung seiner Strompreise zum 01. August. Rund 7,3 Prozent mehr sollen die Kunden im Durchschnitt für die Grundversorgung bezahlen. Von der Erhöhung sind mehrere Millionen Haushalte in ganz Deutschland betroffen, pro Haushalt entstehen Mehrkosten im Wert von rund 60 Euro. In Branchenkreisen …
Sie lesen gerade: CO2-Zertifikatehandel: RWE wegen überhöhter Strompreise abgemahnt