(openPR) Seit dem 10. Juli läuft Europas modernste biologisch-mechanische Aufbereitungsanlage nach dem patentierten Herhof-Trockenstabilatverfahren in Niederlehne nahe Berlin im Normalbetrieb. Noch ist die endgültige Leistungsstufe nicht erreicht. Für Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck wurde eine Vision teilweise Wirklichkeit. Die nächste Anlage nach dem Patent der in Hessen ansässigen Herstellerfirma wird im Frühjahr 2007 in Trier in Betrieb gehen.
Nicht unter 120.000 Millionen EURO wird derzeit bei den Planungen von Abfallbehandlungsanlagen kalkuliert. Die Behandlungsanlage in Niederlehme hat nach Angaben der Investoren nicht einmal die Hälfte gekostet. So sieht auch Herhof -Geschäftsführer Dimitris Grammatas in dem Trockenstabilitatverfahren eine echte Alternative zu den bundesweit geplanten Müllverbrennungsanlagen, zumal das, was „hinten herauskommt“ die Bilanz auf der Einnahmeseite erheblich verbessert. Das merkt letztlich der Bürger bei den Gebühren und die Umwelt bei den unendlichen Transportwegen.
Matthias Platzeck: Kurze Entsorgungswege lassen sich mit großer Wertschöpfung kombinieren.
Ministerpräsident Platzeck anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme am 13. Oktober: „Mit der heutigen Inbetriebnahme der Anlage für die Restabfallbehandlung in Niederlehme wird eine Vision teilweise Wirklichkeit: Das Ende der Wegwerfgesellschaft. Restmüllverwertung bedeutet eine Versöhnung von Ökologie und Ökonomie: Kurze Entsorgungswege lassen sich mit großer Wertschöpfung kombinieren. Ich selbst habe mich als Umweltminister stets dafür eingesetzt, dass dieses umweltschonende Verfahren der Abfallbehandlung Realität wird - in Brandenburg, und auch bundesweit. Wir haben in Brandenburg den sich seit einigen Jahren vollziehenden radikalen Umbruch in der Branche mit entschlossenem Handeln im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger genutzt.“
Die Herhof – Anlage in Niederlehme wird von dem Zweckverband Abfallbehandlung Nuthe-Spree (ZAB) betrieben. Ein Zusammenschluss der Landkreise Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Oder-Spreewald. Die MBS in Niederlehme verarbeitet den Restabfall von etwa 460.000 Einwohnern.
Der Abfall wird je nach Zusammensetzung und Konsistenz in zwei Bunkerbereichen angenommen, mit zwei automatisierten Kransystemen zunächst einer Zerkleinerung und dann der biologischen Trocknung in neun Rotteboxen zugeführt. Der Rotte- und Trocknungsprozess erstreckt sich über sechs Tage in einem Temperaturbereich von 50 bis 60 Grad Celsius. Die im Abfall enthaltene Feuchtigkeit geht dabei in den Luftstrom über, der das Rottegut ständig von unten nach oben durchströmt. Durch Kühlung mit Wärmetauschersystemen außerhalb der Rotteboxen kondensiert die Feuchtigkeit des Luftstroms. Das Kondensat wird biologisch-mechanisch gereinigt und das entstehende Permeat anschließend über Kühltürme verdunstet. Die nachfolgende rockenmechanische Sortierung trennt den zuvor in verschiedene Korngrößenklassen aufgeteilten trockenen Abfall mittels Sieb- und Dichtetrenntechnik in leichte, brennbare und schwere, inerte Bestandteile auf und sortiert Metalle aus, die als Stahl-Eisen-Schrott und Nichteisenmetalle vom ZAB direkt verkauft werden.
Von Anfang an in Niederlehme für die beteiligten Landkreise dabei ist Mario Kirsch. Im Oktober 2003 zunächst als einziger Mitarbeiter leitet der vierzigjährige gelernte Maschinenbauer heute den Betrieb. Politik und Verwaltung vertrauen ihm. Der einstige „Aufpasser“ ist heute voll des Lobes. Ohne Probleme sei der Probebetrieb gelaufen und auch das Hochfahren auf den „Normalbetrieb“ habe keinerlei nennenswerte Probleme mit sich gebracht. Das Endprodukt würde bereits jetzt von Vattenfall als Energieträger geschätzt, erläutert Kirsch. Das in hoher Qualität energieeffizient und klimaschonend hergestellte „Endprodukt“ habe einen besonders hohen Heizwert und darauf werde natürlich bei den Abnehmern geachtet, so der Betriebsleiter.
Der thüringische Landtagsabgeordnete Frank Kuschel beklagt derweil eine fast 40% ige Preiserhöhung bei der Müllabfuhr in der Stadt und dem Landkreis Fulda. Dabei wäre die Müllentsorgung in der Trockenstabilat-Anlage bei Bad Hersfeld der Firma Herhof zu einem Bruchteil der heutigen Kosten von 195,00 Euro/Tonne zu haben gewesen, doch der Stromversorgungskonzern EON, der auch bei der geplanten Müllverbrennungsanlagen Heringen und Suhl beteiligt ist, habe die Finanzierung versagt, beklagt der Abgeordnete von der Linke/offene Liste jüngst. Nach seiner Ansicht würden die zunehmende Übertragung öffentlicher Aufgaben auf Privatunternehmen dazu führen, dass Gebühren nicht – „wie uns Bürgern immer versprochen wird – sinken, sondern steigen“. In den nächsten fünf Jahren würden von Privatunternehmen allein in Hessen und dem angrenzenden Thüringen drei weitere Müllverbrennungsanlagen gebaut. Diese Anlagen müssten, um rentabel zu bleiben, ausgelastet werden.
Stolz sind die hessischen Anlagenbauer auch auf einen weiteren Auftrag, der im Frühjahr des kommenden Jahres abgeschlossen werden soll und dann in den Probebetrieb geht. In Mertesdorf bei Trier soll schon bis Mitte 2007 die Abfallanlage ihren Vollbetrieb aufnehmen. Auftraggeber sind einmal mehr Kommunen, die sich zu dem Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft (RegAb) zusammengeschlossen haben. Der RegAb ist ein Zusammenschluss der Stadt Trier und der Kreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Daun und Trier-Saarburg mit insgesamt 514.000 Einwohnern. Die Jahreskapazität wird im Normalbetrieb 180.000 Tonnen betragen, bei Spitzenlast bis zu 220.000 Tonnen.
Herhof hat neben den deutschen Projekten auch internationale Vertriebsaktivitäten aufgenommen, so Geschäftsführer Grammatas und ist nun unter anderen im englischen Markt präsent. Das Solmser Unternehmen beteiligt sich aktiv an zahlreichen Ausschreibungen, die in England derzeit für mechanisch-biologische Anlagen durchgeführt werden.
Seit Mai 2005 gehört die Herhof GmbH zur griechischen Helector S.A., ein Tochterunternehmen der Elliniki Technodomiki TEB-Gruppe, das sich auf die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen und die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Umweltprojekten spezialisiert hat. Mit der Übernahme des Herhof Fachpersonals, den Produktions-, Lager- und Büroräumen sowie der Sicherung ausschließlicher Lizenzrechte an den Herhof Patenten legte die griechische Muttergesellschaft den Grundstein für das erfolgreiche Wirken und sicherte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Elliniki Technodomiki TEB verzeichnet durchschnittlich einen jährlichen Umsatz von 700 – 800 Mio. Euro und hat einen derzeitigen Börsenwert von etwa 1,5 Mrd. Euro.
„Durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserer Muttergesellschaft konnten wir nicht nur unsere Marktpräsenz in Deutschland stärken, sondern erwarten auch den Durchbruch eines modernen Abfallbehandlungssystems auf internationaler Ebene“, stellt Geschäftsführer Dimitris Grammatas fest. „Ohne den großen Einsatz, das Know-how und das reibungslose Zusammenwirken der deutschen und der griechischen Kollegen wäre diese Entwicklung innerhalb der letzten eineinhalb Jahre nicht möglich gewesen.“







