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„Der Libanon braucht uns.“ - Die Zeltschule macht weiter mit der Beirut-Nothilfe

18.09.202016:37 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: „Der Libanon braucht uns.“ - Die Zeltschule macht weiter mit der Beirut-Nothilfe
Jacqueline Flory liefert Hilfsmaterial an die Civil Defense
Jacqueline Flory liefert Hilfsmaterial an die Civil Defense

(openPR) Das Krisengebiet Libanon ist schon lange ein Pulverfass. Die Explosionen haben einen großen Knall verursacht, aber einen Monat danach hat sich die internationale Aufmerksamkeit anscheinend bereits in Schall und Rauch verflüchtigt. Die deutsche NGO Zeltschule e.V. hat die Beirut-Nothilfe eingerichtet und unterstützt weiterhin die notleidenden Menschen vor Ort, denn, so die Initiatorin Jacqueline Flory: „Der Libanon braucht uns.“

Am 4. August legen zwei Explosionen – nach wie vor ungeklärten Ursprungs – den Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut sowie die angrenzenden Stadtteile in Trümmer. Die ‚Katastrophe in der Katastrophe‘, denn der Libanon befindet sich schon seit langem in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Jacqueline Flory, die Initiatorin und Leiterin des Zeltschule e.V. organisiert kurzerhand das Projekt „Beirut-Nothilfe“ des Zeltschule e.V. und
macht sich auf den Weg nach Beirut.

Die Mitglieder und Unterstützer des Vereins – der seit Jahren Zeltschulen in syrischen Flüchtlingslagern im Libanon baut – sammelten in wenigen Tagen Sach- und Geldspenden im Wert von fast 50.000 Euro, (darunter fast 7.000 Gesichtsmasken), die Jacqueline Flory auf der Hilfsreise zielgerichtet vor Ort einsetzt.

DEN HELFERN HELFEN

Beispielsweise unterstützt der Verein ortsansässige Civil Defense Stationen mit benötigter Ausstattung. Die Civil Defense – grob vergleichbar mit der freiwilligen Feuerwehr in Deutschland – besteht aus ehrenamtlichen Helfern, die ihre Mitbürger in Notsituationen unterstützen und beschützen. Das ist vor allem notwendig in einem Land, in dem die Regierung für derartige Aufgaben wenig bis keine Verantwortung übernimmt, also konsequenterweise derartige Organisationen auch weder finanziell noch materiell ausreichend ausstattet. Nach den Detonationen war die Civil Defense der einzige Ansprechpartner für die
Menschen – staatlich organisierte Hilfe gab es nicht.

Jacqueline Flory berichtet entsetzt: „Den Helfern, die beispielsweise in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden suchen, fehlt es an der essenziellen Hilfs- und Schutzausstattung: Es gibt keine Funkgeräte, keine Taschenlampen – sie benutzten ihre privaten Handys hierfür. Keine Sauerstoffmasken, keine Sauerstofftanks, keine Corona-Schutzmasken, keine Handschuhe.
Dazu kommt, dass die Civil Defense keine Geldspenden annehmen darf. Sie sind völlig auf sich gestellt bei der Arbeit, die sie tun.“

„Was braucht Ihr am dringendsten? Was benötigt ihr für Eure aktuelle Arbeit?“ fragt Jacqueline Flory bei ihrem ersten Besuch in den Stationen, die oft nicht mehr sind als ein karg ausgestatteter Raum. Eine Frage, die, nach eigenen Angaben der Civil Defense Mitarbeiter bisher noch niemand gestellt hat. „Schockierend,“ findet das Jacqueline Flory, vor allem da seit dem 4. August viele internationale NGOs vor Ort sind und versuchen zu helfen. „Hilfe kann nur funktionieren, wenn man die Betroffenen fragt: Was hilft Euch?“ sagt sie.

Also fragt Jacqueline, was benötigt wird, besorgt diese Gegenstände mit rund 25.000 Euro der Spendengelder und liefert sie direkt am nächsten Tag aus. Hilfs- und Schutzmaterial, wie Masken, orthopädisches Material, Verbandsmittel, Sauerstofftanks, Taschenlampen, Funkgeräte etc. Es soll nicht ihr einziger Besuch bleiben. Jacqueline Flory hat noch mehr Material auf der Liste, das es bei der aktuellen Situation (75% der Importgüter kamen über den jetzt zerstörten Hafen ins Land) in Beirut nicht zu besorgen gab. Diese Dinge wird sie im Herbst mitbringen, wenn sie mit ihren Kindern wiederkommt – und die Spendengelder nicht
ausbleiben, denn das Thema findet nun 50 Tage nach den Explosionen inzwischen wenig Platz in den Medien.

DEN OPFERN BEISTEHEN

Auch Einzelschicksale benötigen Unterstützung, die sie von der Beirut-Nothilfe der Zeltschule bekommen. Etwa 20.000 Euro verteilt Jacqueline Flory ganz direkt an besonders notleidende Familien – so wie die von Sidra. Sidra ist ein 14-jähriges syrisches Mädchen, das vor ein paar Jahren mit seiner zehnköpfigen Familie aus Aleppo flüchten musste. Sie, ihre Geschwister und ihre Eltern leben in einem baufälligen Zimmer in der Nähe des Beiruter Hafens, wo der Vater
illegal arbeitet.

Am 4. August um 18.07 Uhr kocht Sidra gerade Tee für alle in der kleinen Kochnische, als das Dach über ihren Köpfen zusammenbricht. Dieser Tee kostet Sidra das Leben. Ihre 11jährige Schwester erleidet eine schwere Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma. Ihrem Vater bohrt sich ein Metallträger in die Hüfte. Ihre Mutter hat unzählige Schnitte an Füßen und
Beinen. Sidra wird von abstürzenden Steinen erschlagen. Stundenlang wartet die Familie auf Hilfe, doch niemand kommt. Als die Brüder Sidra aus den Trümmern tragen, ist sie bereits tot, spürte nichts mehr, und zumindest das ist der Mutter ein kleiner Trost.
Jacqueline Flory bezahlt aus dem Nothilfe-Fond die Arztrechnungen der Familie und das Geld für die Beisetzung von Sidra. Derartige Schicksale gibt es unzählige in den betroffenen Vierteln.

WIE ES WEITER GEHT

Aktuell ist das Land in einer Art Lockdown mit abendlicher Ausgangssperre – offiziell wegen Corona. Doch dieser Lockdown ist politisch motiviert, denn er hält die Menschen von den abendlichen Demonstrationen ab, die der Unzufriedenheit über die eigene Regierung Ausdruck verleihen. Allerdings hält er auch die Menschen davon ab, ihre zerstörten Häuser, Scheiben und Fenster zu reparieren. Besonders tragisch, weil auch hier die stürmische und kalte Jahreszeit wortwörtlich vor der Tür steht.

Es gibt viel zu tun. Auch wenn Beirut aus dem internationalen Fokus rückt. Jacqueline Flory wird in den bayrischen Herbstferien erneut mit ihren Kindern in den Libanon reisen. Um die Zeltschulen zu besuchen, Familien und ihren Kindern zu helfen und um die Menschen der gebeutelten Stadt Beirut zu unterstützen. Bis dahin sammelt sie hier weiter Geld für ihre „Beirut-Nothilfe“.

„Wir dürfen den Libanon nicht aufgeben. Wir müssen die Menschen dort unterstützen. Denn es stehen schon Andere in den Startlöchern, um dieses staatliche Vakuum zu nutzen. Ein stabiler Libanon, mit wehrhaften Bürgern ist in unserem ureigensten Interesse.“

Spenden und somit die "Beirut-Nothilfe" unterstützen könnt ihr via Spendenbutton auf Facebook (www.facebook.com/Zeltschule/) oder via Paypal oder Überweisung auf www.zeltschule.org.

Unser Spenden-Konto:
Kontoinhaber: Zeltschule e.V.
IBAN: DE44 7015 0000 1004 3195 29
BIC: SSKMDEMMXXX

Video:
Zeltschule e.V. unterstützt syrische Flüchtlingskinder im Libanon und in Syrien

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