(openPR) - Bildungsberatung im Spannungsfeld von Selbstreflexion und Lernen angesichts eines Megatrends -
Beratende aus ganz Deutschland versammelten sich am vergangenen Wochenende in Halberstadt zur Jahrestagung „Digitalisierung in der Beratung“ des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung (dvb). Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Beitrag Beratung zu den derzeitigen Transformationsprozessen der Gesellschaft leistet, wie dabei sehr konkret technische Tools eingesetzt werden können und welche Herausforderungen dabei für die Beraterinnen und Berater bestehen. In Vorträgen und Workshops konnten sich über 100 Teilnehmende über den anhaltenden Megatrend der Digitalisierung und seine möglichen Folgen für verschiedene gesellschaftliche Bereiche informieren und dabei Arbeitsweisen und Werkzeuge für eine technisch unterstützte Beratung kennenlernen und reflektieren.
Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability der Universität Ludwigshafen erläuterte in ihrem Einführungsvortrag die komplexen Verknüpfungen von Trends in der Arbeitswelt, die den Rahmen der aktuellen Beratungstätigkeit bilden. Die Beschäftigungsfähigkeit der einzelnen Menschen hänge dabei zu einem großen Teil davon ab, ob deren Stärken erkannt werden: „Jede/r ist ein Talent, jede/r hat Talente“. „Diese aufzudecken und zu fördern ist die Aufgabe von Bildungs- und Berufsberatung“, so Rainer Thiel, Bundesvorsitzender des dvb. In den Workshops des folgenden Tages konnten Beratende selbst ausprobieren und Erfahrungen teilen, wie sich Arbeitsweisen und eigene Weiterbildung durch neue technische Formen verändern. In den intensiven Diskussionen wurde deutlich, wie unterschiedlich Vorerfahrungen und tägliche Praxis der einzelnen Teilnehmenden sind: Während eine erhebliche Anzahl von Beratenden bislang noch wenig online berät und dabei oft auf textbasierte Verfahren und Hilfsmittel zurückgreift, nutzen einige bereits intensiv videogestützte Beratungsplattformen, Smartphone-Apps und andere Tools. Vorsicht und sogar Bedenken angesichts der Technik auf der einen Seite steht ein selbstverständlicher Umgang auf der anderen gegenüber. Die digitale Transformation zeigt sich so auch unter Bildungs- und Berufsberatungsprofis als Kraft, die generations- und oft institutionsbezogene Kulturunterschiede markiert.
Den Abschluss der Tagung bildeten zwei Beiträge, die ethische Fragestellungen einer digitalisierten Beratungswelt betrachteten: Dr. Joachim Wenzel vom SPI Mainz führte aus, welche neuen Entwicklungen durch die Entwicklung künstlicher Intelligenz entstehen. Dabei wurde deutlich, dass vielen neuen Phänomenen oft altbekannte Themen zugrunde liegen. Die Orientierung der Beratung an Werten des Ratsuchenden sei ein solches Thema, so Wenzel. Für Dr. Katja Stoppenbrink von der Universität Münster spielt aus philosophischer Perspektive die Entscheidungsmacht des Menschen angesichts der Digitalisierung auch für Beratende eine Rolle: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist vom Menschen für den Menschen gemacht.“
Die Dokumentation der Tagung wird in Kürze unter www.dvb-fachverband.de veröffentlicht werden.










