(openPR) Das Vorhaben des Gesundheitsministerium, die Novellierung der Ausbildung der bisherigen Psychotherapeut*innen in Form einer Direktausbildung umzusetzen steht wegweisend, nachhaltig und paradigmatisch für die Entwicklungen des Fachs zur eigenständigen akademischen Disziplin. Die Entwicklungen zu einem eigenen konsekutiven Studium (BSc und MSc) der Psychotherapie in Deutschland fördert die Qualitätssicherung und stimuliert entsprechende Forschungsimpulse. Die Psychotherapie kann nicht mehr als Appendix, Paradisziplin oder Subfach von ausschließlich Psychologie oder Medizin in den akademischen und professionellen Fächerkanon eingeordnet werden. Die Zeit ist reif, methodisch und inhaltlich die Kontur der Psychotherapie als Wissenschaft und Profession im Zusammenhang all ihrer Bezugswissenschaften (Medizin, Psychologie, Gesundheitsökonomie, gender studies, Pädagogik, Soziologie, Ethik, spezifische Methodologie für die Psychotherapieforschung, Problemgeschichte und Theorieentwicklung der wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Schulen, Praxeologie im Rahmen von "Famulaturen" usw. usf.) im Rahmen einer Psychotherapiewissenschaft zu definieren und inhaltliche und strukturelle Aspekte einzubinden.
Die Verankerung des Berufs des*r Psychotherapeuten*in sichert so den eindeutigen Status als akademischen Heilberuf und führt zur Justierung und Ausdifferenzierung der Kompetenzbereiche. Als Folge werden die gängigen Paradigmata in Ausbildung, Lehre und Psychotherapieforschung neu überdacht, neue Wege werden beschritten, um den hohen Anforderungen der Profession gerecht zu werden.
Gemäß einem psychologischen Professionsverständnis gilt vielleicht das berufspolitische Interesse, die Psychotherapie weiterhin in die akademische Psychologie einzubetten im Rahmen eines Bachelorstudiums der Psychologie. Aus wissenschaftshistorischer, -theoretischer und v.a. berufspraktischer Perspektive ist dies jedoch nicht zu argumentieren. Durch die wissenschaftstheoretische Trennung der Psychologie von der Psychotherapie im Rahmen von eigenständigen Studiengängen können neue Berufsfelder entstehen: durch die Ausdifferenzierung entstehen klare Berufsbilder und neue Konturen in den jeweiligen Professionsverständnissen und -identitäten. In einem weiteren Schritt soll angeregt werden, die Psychologie als Profession im Rahmen eines adäquaten eigenen Psychologengesetzes zu regeln, beispielsweise für die Bereiche der interkulturellen Beratungspraxis, der Rechtspsychologie, der Schulpsychologie, im Gutachterbereich, im Bereich Kindeswohl, in der Forensik, in der Wirtschaftspsychologie und in vielen anderen Bereichen mehr.
Daraus abgeleitet wird empfohlen, ein konsekutives Psychotherapiestudium ausschließlich an Universitäten anzusiedeln, um ein entsprechendes interdisziplinäres Forschungsumfeld gewährleisten zu können, um so die eigenständige Entwicklung im Dienste des Faches Psychotherapie unter Einbeziehung ihrer Vielfalt und dem Methodenpluralismus auf hohem universitären Niveau gerecht werden zu können.
Der Paradigmenwechsel und ist insofern von herausragender Bedeutung, da eine Institutionalisierung auf universitärer Ebene geschaffen und ein gesamteuropäisches Professionsverständnis der Psychotherapeut*innen erreicht werden kann. Spezifiziert auf die Situation in Deutschland besteht die historische Chance, die Etablierung der Direktausbildung bzw. des Direktstudiums Psychotherapie(wissenschaft) für die Bereiche der Berufsausübung, der Weiterbildung und der Akademisierung des Faches nachhaltig für die nächsten Generationen zu verankern.
Die Konstituierung von "polyvalenten Psychologiestudiengängen" für die Psychotherapie hingegen, gefährdet im Hinblick auf die sich entwickelnde Approbationsordnung des Psychotherapiestudiums die curriculare Kohärenz. Aktuell bedeutet es nun im laufenden Gesetzgebungsverfahren die Regelungen des Übergangs zu schaffen sowie die Finanzierung der Weiterbildung zu klären und dabei weiterhin die Idee eines einschlägigen Vollstudiums der Psychotherapie auf Bachelor- und Masterniveau gem. der EU-Richtlinie (konsekutives Approbationsstudium der Psychotherapie mit anschließender Weiterbildung) zu verfolgen.













