(openPR) Nur zwei Tage nach dem Weltfrauentag feierte die Frauen Union (FU) Koblenz in der Rotunde des Bauern- und Winzerverbandes unter der Moderation ihrer stellvertretenden Vorsitzenden Gabriele Küthe ihr 50-jähriges Bestehen.
Aktiv und energiegeladen dabei war die Gründerin der FU Koblenz, die 90-jährige Roswitha Verhülsdonk, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin. In ihrem unterhaltsamen Grußwort sprach sie vor den, zu 95 Prozent weiblichen Gästen über die Geschichte der FU in Koblenz und in Anekdoten über die Frauen, die ihre Spuren hinterließen. Sie selbst wurde 1964 Mitglied der CDU und damit Mitglied der 1948 gegründeten Frauenvereinigung (damals noch „Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands“).
Bis heute sind sämtliche weibliche Mitglieder der CDU, sofern sie dem nicht widersprechen, zugleich Mitglieder der FU. Ihre Ziele sind, Frauen zu Mitarbeit in der Politik zu motivieren, die Ansprüche der Frauen auf Vertretung in Parteiorganen und Parlamenten durchzusetzen und sich in der politischen Bildung von Frauen zu engagieren.
Roswitha Verhülsdonk, die von der Landesvorsitzenden der FU, Ursula Groden-Kranich (MdB), in ihrer Festrede als einer der dringend gebrauchten „Leuchttürme“ bezeichnet wurde, zeigte mit ihren Ausführungen zugleich die Veränderungen in der Rolle der Frau in Gesellschaft und Parteien im Verlauf der letzten fünfzig Jahre auf. Zum Schluss: „Wir sind doch schon ein gutes Stück weitergekommen!“
Wohl wahr, wenn man bedenkt, dass es bei Gründung der FU noch hieß: „Mütter gehören nach Hause zu den Kindern“, und Frauen nur als „Ordnungsfaktor in der Welt des Privaten“, aber selten in der Politik eine Rolle spielten. Groden-Kranich erinnerte an die im Laufe der Jahre erstrittenen Rechte und an die ersten Frauen im Bundestag. Tatsächlich können die Frauen stolz auf das Erreichte sein, wie Zemfira Dlovani, Vorsitzende der Koblenzer FU, herausstellte: „Wir Frauen sind stark, tragen die Gesellschaft maßgeblich mit, sorgen für Gleichgewicht und übernehmen Verantwortung“. „Starke Frauen machen unser Land stark“, erklärte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die der FU Koblenz per Videobotschaft zum Geburtstag gratulierte. Sie versicherte, mit dem ausgehandelten Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ein starkes Paket für Frauen, Kinder und Familien geschnürt zu haben. Im 16-köpfigen Bundeskabinett der neuen GroKo werden neben der Kanzlerin sechs weibliche Minister aktiv an der Politikgestaltung mitwirken. Drei davon aus der CDU. Darunter Annette Widmann-Mauz. Sie ist seit 2015 Bundesvorsitzende der FU, die ihr 70-jähriges Jubiläum im Mai in Frankfurt feiert. Widmann-Mauz' Grußwort an die FU Koblenz verlas Julia Kübler, stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Koblenz. Darin zeigte sich Widmann-Mauz dankbar für das Engagement der Frauen in der FU und ihre Vorreiterrolle, wonach es heute selbstverständlich sei, dass Frauen sich in alle Bereiche der Politik einbringen. Zudem, so Groden-Kranich, habe Frauenpolitik immer etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, denn Frauen gestalten Politik für die Nachkommen. „Wir Frauen sind die Zukunft, der Schlüssel zur Veränderung!“.
Eine solche ist Julia Klöckner, Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz, die jetzt als Bundes-Landwirtschaftsministerin nach Berlin wechselt. Ihrer Festrede voraus schickte sie ihre große Begeisterung für die passend zum Thema gewählten und mit voluminöser, klangfarbenreicher Stimme dargebotenen Liedbeiträge der Sängerin Menna Mulugeta, die den Festakt energiegeladen begleitete. Klöckner sprach über Vorbilder und Netzwerke und rief auf zu Solidarität für Frauen in Not, und für Frauen, denen in ihrer Welt kein Rüstzeug für ein selbstbestimmtes Leben mitgegeben wird. Die Fluchtursache werde künftig entscheidend mit der Rolle der Frau zu tun haben. Hierzu führte Ursula Groden-Kranich das Beispiel des afrikanischen Landes Ruanda an, wo es nach Bürgerkrieg und Völkermord heute eine paritätische Quote in allen gesellschaftlichen Bereichen gibt. Durch die Rolle der Frau dort sei Frieden und die Entwicklung des Landes möglich geworden. Zur Rolle der Frau in Deutschland erinnerte Julia Klöckner, Jahrgang 1972, an die 1950er-Jahre, als selbst Frauen mehrheitlich davon überzeugt waren, dass Frauen nicht in ein Ministeramt gehören. Bis zur Reform des Ehe- und Familienrechts im Jahr 1977 waren sie gesetzlich zur Führung des Haushaltes verpflichtet. Der Ehemann konnte in alleiniger Entscheidung sogar ihre Berufsanstellung kündigen. Nervensägen sei es zu verdanken, dass Männer und Frauen heute gleichberechtigt seien. Obwohl Julia Klöckner eine Ausgewogenheit der Geschlechter befürwortet, sehe sie, dass das Sein von Frauen in Ämtern etwas verändere. Andere Frauen würden dadurch motiviert, selber einzusteigen und mitzugestalten. Ohne das in 1996 von der CDU beschlossene Frauenquorum, mit dem anvisiert wurde, dreißig Prozent Frauen in politische Führungspositionen zu bringen, wäre sie selbst, gab Klöckner zu, 2002 wohl kaum über die Landesliste in den Bundestag eingezogen. Mit dem Istzustand hinsichtlich der Frauenquote, vor allem in der Bundespolitik, zeigte sie sich jedoch nicht zufrieden. Die Frauen säßen nur in den Schaufenstern. Zudem kritisierte sie, dass Frauen in Führungspositionen oft mit überzogenen Erwartungen überhäuft werden, die an Männer in gleichem Maße nicht gestellt würden. „Macht den Jungs Dampf!“, forderte Julia Klöckner ihre Mitstreiterinnen auf.
Zu kämpfen für die Ziele der Frauenunion, insbesondere für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das lohne sich, versicherte Ursula Groden-Kranich. Wie schon Klöckner, rief auch sie die Frauen dazu auf, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. „Wir sollten das 'ich kann, ich will und ich werde' der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer verinnerlichen“, ergänzte Gabriele Küthe.
Zum FU-Jubiläum meldeten sich auch zwei Männer zu Wort: Josef Oster (MdB) und Andreas Biebricher (Kreisvorsitzender der CDU Koblenz). Oster wollte sich in erster Linie für die positive Zusammenarbeit mit der FU bedanken und ihre weitere Unterstützung für seine Arbeit im Bundestag, für die CDU, die „offenbar einzig verbliebene echte Volkspartei Deutschlands“, einwerben. Warum er die FU für zeitgemäß und für unverzichtbar hält, erklärte Biebricher, indem er Missstände wie Gewalt gegen Frauen, blockierte Karrierewege und ungerechte Bezahlung vor Augen führte. Da müsse so lange noch was getan werden, bis sich Politik und Gesellschaft eines Tages hoffentlich so positiv verändert haben, dass eine FU überflüssig wird.
Mit einem von „Frau Fußel“ gereimten satirischen Beitrag zu dem Beruf Hausfrau ging der offizielle Teil des Festaktes zu Ende. Ein reger Meinungsaustausch garnierte den anschließend dargebotenen Imbiss.












