(openPR) Die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz gewinnt an Bedeutung
Neue Wege wollen die Stadtwerke in Rotenburg an der Wümme im Osten Bremens im kommenden Jahr gehen. Für 12 Millionen Euro plant der Kommunalversorger eine Biogasanlage mit einem besonderen Clou. „Wir wollen das bei der Vergärung gewonnene Methangas auf Erdgasqualität aufbereiten und dann in unser Netz einspeisen“, kündigte Mitte Juni Stadtwerke-Chef Peter Möhl vor dem Planungsausschuss der Kreisstadt an.
Mit diesem Vorhaben gehören die Rotenburger im Kreis der Stadtwerke und Gasversorger zu den Vorreitern. Aber nicht mehr lange. Denn die Gaswirtschaft hat ihre ablehnende Haltung, die sich jahrelang gegenüber dem Biogas gepflegt hat, abgelegt. Dazu beigetragen hat vor allem eine Anfang dieses Jahres vorgelegte Studie des renommierten Wuppertal-Instituts, an der auch der Bundesverbandes der Gas- und Wasserwirtschaft mitgewirkt hat.
Danach kann Biogas bis zum Jahr 2030 rund zehn Prozent des heutigen Erdgasbedarfes ersetzen, das entspricht immerhin jährlich 100 Milliarden Kilowattstunden. „Bei solchen Zahlen sprechen wir nicht mehr über Peanuts. Biomethan wird sich dann nicht mehr in Nischen bewegen, sondern in Richtung eines bemerkenswerten Marktsegments“, sagt deshalb Klaus-Robert Kabelitz, Bereichsleiter Volkswirtschaft und Energiewirtschaft, bei Eon Ruhrgas, dem deutschen Marktführer in der Erdgasbranche.
Diese Entwicklung begrüßt auch die Politik: „Mit der zunehmenden Biogasnutzung können wir einerseits die Abhängigkeit von Erdgaslieferungen aus dem Ausland reduzieren und anderseits für die Verbraucher die Energiepreisentwicklung dämpfen. Biogas kann künftig helfen, Erdgasimporte aus dem Ausland deutlich zu reduzieren“, betonte jüngst Klaus Hofbauer, umweltpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag.
Zufrieden wird Hofbauer registrieren, dass die Stadtwerke Aachen AG (Stawag) noch vor dem diesjährigem Weihnachtsfest gleich zwei Biogasanlagen mit Erdgaseinspeisung am Niederrhein in Betrieb nehmen wollen. Die Motivation der Rheinländer umschreibt Projektleiter Leonhard Unterberg so: „Die Einspeisung ist der ökologisch richtige Ansatz, da wir so im Gegensatz zur reinen Verstromung die eingesetzte Energie vollständig ausnutzen.“
Insgesamt bis zu zehn Biogasanlagen wollen die Aachener in den kommenden Jahren ans Gasnetz anschließen. „Hier entsteht ein ganz neuer Markt, den wir von Beginn an aktiv mitgestalten wollen. Wir spüren schon jetzt zunehmendes Interesse vieler anderer Versorger, auch der Branchenführer, an unserem Projekt“, beschreibt der Stawag-Mann die Situation.
Auch noch in diesem Jahr will das Münchner Unternehmen Renewable Energy Systems GmbH mit der Biogaseinspeisung starten. Einleiten will die RES das „grüne Gas“ in das Erdgasnetz der Stadtwerke München, Abnehmer wird die E.on Bayern AG sein. Der Regionalversorger mit Sitz in Regensburg hat angekündigt, in diesem Jahr und im kommenden Jahr zehn Millionen Euro in den Bau und in die Modernisierung von Biogasanlagen investieren zu wollen. „Unser Kraftwerkswerkspark besteht auf rund 70 Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, womit wir zwei Prozent unsers Strombedarfs decken. Mit unserer Biogasoffensive wollen wir diese Quote nach oben treiben“, kündigte Vorstandschef Peter Deml an.
Nicht nur die Stadtwerke Aachen und Rotenburg oder E.on Bayern engagieren sich zunehmend im Biogassektor. Mittlerweile haben auch Unternehmen wie die EWG AG, die Stadtwerke aus Düsseldorf, Munster (Lüneburger Heide) und Passau, die Kölner RheinEnergie AG, E.ON Mitte, die EMB Erdgas Mark Brandenburg oder die Gasversorgung Westfalica GmbH, die zur Gelsenwasser-Gruppe gehört, Projekte angekündigt oder sich an ersten Anlagen beteiligt.
Einen genauen Überblick über die Biogas-Projekt der Energiewirtschaft haben weder der BGW noch der Fachverband Biogas. „Das ist einfach zu viel im Fluss“, sagt Fachverband-Geschäftsführer da Costa Gomez. Sein Verband werde jedenfalls „aktiv“ insbesondere auf die Kommunalversorger zu gehen: „Wir gehen davon aus, dass viele Stadtwerke über den Bau von Biogasanlagen ein vitales Interesse an der Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten haben. Das entspricht auch unserer Philosophie.“ Die Anfragen von Seiten der Energiewirtschaft in der Freisinger Bundesgeschäftsstelle des Fachverbandes nehmen jedenfalls ständig zu, sagt der Verbandsmanager.
Dass bei diesem steigenden Informationsbedarf über die Biogasnutzung die Zahl der Kongresse und Fachmessen zunehmen, ist nahe liegend. Mit der RENEXPO® 2006 findet die nächste größere Veranstaltung von 28. September bis zum 1. Oktober in Augsburg statt, die bereits das sechste Mal das Biogasthema auf der Tagesordnung hat.
Bei dem anhaltenden Boom beim Biogas – allein bis zum Jahr 2020 erwartet die Branche 15.000 MW installierter Kraftwerksleistung in Biogasanlagen – appelliert Matthias Eichelbrönner einen Partner nicht zu vergessen: „Die Landwirte, da sie ein unverzichtbarer Rohstofflieferant für die Biogaserzeugung sind.“ Eichelbrönner, der eine Zeitlang die MVV Erneuerbare Energien GmbH in Mannheim geleitet hat, berät mittlerweile einige Energieversorger bei ihren Biogasprojekten. Die Landwirte müssten als Partner und nicht nur als reiner Lieferant von nachwachsenden Rohstoffen gesehen werden. „Das fordert ein Umdenken in vielen Unternehmen“, betont Consultant Eichelbrönner, „denn nur so ist die erhoffte Dynamik beim Ausbau der Biogasnutzung überhaupt umzusetzen.“
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