(openPR) Bayreuth. Einen Zuwachs bei den neu eingetragenen Lehrstellen verzeichnet die IHK für Oberfranken zum 31. August. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Lehrstellen um 1,3% auf 2.763. Bernd Rehorz, Bereichsleiter Bildung bei der IHK strebt bis zum Jahresende 4.000 neue Lehrstellen im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen an. Besonders positiv ist die Entwicklung bisher vor allem in den Regionen Kronach, Lichtenfels und Bamberg. Große Hoffnungen setzt die Kammer in die jetzt beginnenden Nachvermittlungsaktionen. Rehorz ist zuversichtlich, dass alle Jugendlichen, die sich ernsthaft um eine Ausbildung bemühen, eine Ausbildungsstelle erhalten. Die IHK-Mitgliedsbetriebe werden auch dieses Jahr wieder mit Abstand die meisten Auszubildenden einstellen.
Die vom DGB veröffentlichten Zahlen zur Ausbildungsmisere sind für die IHK nicht das Maß der Dinge. „Zum einen melden derzeit bundesweit nur 55% der Unternehmen ihre Lehrstellen regelmäßig an die Agentur für Arbeit“, so Rehorz, „zum anderen sind Ende August traditionell erst rund zwei Drittel der neuen Ausbildungsverträge unter Dach und Fach.“ Auch wenn nicht jeder Schulabgänger bis zum Jahresende untergebracht werden könne, so wird sich die Lücke doch noch deutlich reduzieren.
Schulen sind gefordert
Der Forderung der SPD nach verlängerten Schulzeiten erteilt Rehorz eine klare Absage: „Wir können nicht einerseits die Schulzeit bei den Gymnasien verkürzen und gleichzeitig die Schulzeit in der Haupt- und Realschule verlängern.“ Das Problem, dass immer mehr Schulabgängern die fachlichen, die sozialen und die persönlichen Kompetenzen fehlen, müsse anders angegangen werden. Rehorz: „Was wir brauchen, sind kleinere Schulklassen, Hausaufgabenbetreuung bei Schlüsselkindern und eine stärkere Konzentration auf die wichtigsten Kompentenzfelder. Gut qualifizierte Jugendliche sind die Zukunft des Hochtechnologiestandortes Deutschland.“ Unabhängig von allen Sparzwängen dürfe man gerade hier nicht sparen. Dabei spricht sich Rehorz zusätzlich für die Einrichtung von Ganztagsschulen aus: „Ich selbst habe eine Ganztagsschule besucht und kann sie deswegen den Verantwortlichen nur wärmstens ans Herz legen.“ Auch fordert die IHK mehr zweijährige theorieentlastete Ausbildungsberufe. Rehorz: „Gerade bei Schülern mit schlechterem Notendurchschnitt kommen diese sehr gut an.“
Ausbildungsplatzabgabe keine Lösung
Eine klare Absage erteilt die IHK auch der Forderung nach Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe. Rehorz: „Der Lehrstellenmarkt muss ein freier Markt bleiben. Nur so ist eine qualitativ hochstehende Ausbildung sichergestellt.“ Er verweist dabei auf das Gegenbeispiel Frankreich, wo eine rein schulische Ausbildung erfolgt und die Jugendarbeitslosigkeit deutlich höher ist als in Deutschland.
Ausbildungsintensität in Oberfranken überdurchschnittlich
Die Ausbildung kostet die Unternehmen viel Geld, deshalb lasse sich die Zahl der Lehrstellen nicht beliebig erhöhen. Rehorz: „Ich bin aber stolz darauf, dass wir in Oberfranken die höchste Ausbildungsdichte Bayerns haben“. D.h., die Betriebe bilden, überdurchschnittlich aus. Wie attraktiv Oberfranken für Auszubildende ist, zeige die große Zahl der Einpendler aus Sachsen und Thüringen, die einen Ausbildungsplatz in Oberfranken gefunden haben.
Auch regional unterscheide sich die Situation. Während der Raum Hof Ende August beri den neu abgeschlossenen Lehrverträgen ein Minus von 10% und der Raum Forchheim ein Minus von 7% bei den neu registrierten Ausbildungsplätzen verkraften müsse, verzeichnen die anderen Teilregionen Oberfrankens Zuwächse oder zumindest eine stabile Entwicklung. Im IHK-Verantwortungsbereich verzeichnet der Raum Kronach ein Plus von 30%, Lichtenfels ein Plus von 12% und Bamberg ein Plus von 7%.
Pakt für Ausbildung erhöht Chancen für schwache Schulabgänger
Aufgrund der hohen Absolventenzahlen sei der Druck zuletzt gestiegen, so Rehorz. Gerade Hauptschulabsolventen mit schlechteren Noten hätten vermehrt Probleme, eine Lehrstelle zu bekommen. Entgegen anders lautenden Behauptungen hat dies aber nicht dazu geführt, dass sie chancenlos sind. 39% der Auszubildenden im IHK-Bereich haben einen Hauptschulabschluss.
Genau hier, bei den schlechteren Schulabgängern, so der IHK-Mann, setze der Ausbildungspakt an. Gerade im Rahmen der mit den Arbeitsagenturen abgestimmten Nachvermittlungsaktionen, wo die Qualifikationen und die Begabungen der unvermittelten Jugendlichen geprüft und mit dem Anforderungsprofil der Unternehmen abgeglichen werden, die noch Jugendliche suchen, war der Pakt für Ausbildung sehr erfolgreich. Dazu IHK-Pressesprecher Peter Belina: „Mehrere hundert Jugendliche, die in den vergangenen Jahren über eine Einstiegsqualifizierung eine Lehrstelle gefunden haben, wären ohne den Pakt für Ausbildung auf der Straße gelandet. Das weiß auch der DGB, der den Pakt regelmäßig angreift, ohne aber ein Erfolg versprechendes Alternativkonzept anbieten zu können.“ Nicht umsonst steht die Politik zum Pakt und will diesen verlängern.
Alle ausbildungswilligen und –fähigen Schulabgänger erhalten ein Angebot
In den kommenden Wochen beginnt für die Ausbildungsplatzakquisiteure der IHK die eigentliche Arbeit. Nachdem seit Januar im Rahmen von 3.004 Betriebsbesuchen zahlreiche neue Lehrstellen akquiriert werden konnten und viele Unternehmen davon überzeugt wurden, ihr Ausbildungsniveau zu halten, gilt es ab September, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot zu machen. Rehorz: „Dazu stehen wir.“ Rehorz weiß, wovon er spricht. Immerhin betreut die IHK für Oberfranken gemeinsam mit der IHK zu Coburg 56% aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge vor der Handwerkskammer mit 33% und den freien Berufen mit einem Anteil von 7,5%. Insgesamt durchlaufen derzeit 11.600 junge Menschen eine Ausbildung bei einem IHK-Mitgliedsbetrieb - 9.600 davon im Einzugsbereich der IHK für Oberfranken, 2.000 im Einzugsgebiet der IHK zu Coburg.
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