(openPR) Interview mit Rainer Koch
Am 8. Dezember wird über die Entscheidung der Aufstiegsregelung für die dritte Liga entschieden. Vermutlich wird sich dabei der Zuschnitt der bestehenden Regionalligen verändern. Das könnte insbesondere Nord-Ost und Bayern betreffen. Uns ist bewusst, bis dahin ist es noch etwas hin. Können Sie vielleicht trotzdem schon eine Tendenz ausmachen, wohin es nach den Wünschen der Vereine gehen soll?
Dr. Rainer Koch: „Es liegen diverse Wünsche und Vorschläge auf dem Tisch, aus Bayern bekanntlich die sogenannte „Wendelsteiner Vorlage“. Die sieht im Kern die Aufstockung auf vier statt drei Aufsteiger in die dritte Liga vor unter Beibehaltung der fünf aktuellen Regionalligen. Die Regionalligen West und Südwest würden entsprechend ihres Proporzes an Herren-Mannschaften (50 Prozent) jeweils einen festen Aufsteiger bekommen. Die übrigen drei Regionalligen Nord, Nord-Ost und Bayern würden zugunsten der regionalen Identität und Rahmenbedingungen an den drei Regionalligen festhalten und auf einen Festaufsteiger verzichten. Die drei Meister würden dann künftig immer die zwei verbleibenden Aufsteiger ausspielen. Aus anderen Regionen liegen andere Vorschläge vor – von einer Aufstockung auf fünf Aufsteiger sowie fünf Absteiger, was die Drittligisten unisono ablehnen, bis hin zu vier Regionalligen und der dann nötigen Aufteilung der Klubs des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes auf die zwei Regionalligen Nord und Bayern, was im Nordosten verständlicherweise abgelehnt wird. Fakt ist: Eine Lösung, die alle Wünsche berücksichtigt, wird es nicht geben können. Es muss also der bestmögliche Kompromiss gefunden werden. Derzeit laufen viele Gespräche und das wird sich bis zum Außerordentlichen DFB-Bundestag am 8. Dezember, auf dem über die diversen Anträge entschieden wird, auch nicht ändern. Über eine Tendenz zu sprechen, wäre deshalb unseriös. Wichtig ist, dass eine Lösung mit einer breiten Mehrheit gefunden wird, die permanenten Diskussionen enden und somit wieder ein ruhiger und geordneter Spielbetrieb möglich ist.“
Das Viertelfinale des Toto-Pokals findet am 9. Dezember 2017 in Bayreuth statt. Viele Fans sind verunsichert, da sie nicht wissen, ob das Spiel wirklich stattfindet. Viele zögern daher auch eine Karte zu kaufen. Schließlich ist es ungewiss, wann ein mögliches Nachholspiel stattfindet. Unter der Woche könnten die wenigsten Fans aus München nach Bayreuth fahren (Entfernung 277 Kilometer). Was können Sie unseren Fans dazu sagen – wäre ein Nachholspiel an einem Wochenende möglich?
Dr. Rainer Koch: „Grundsätzlich wird von Seiten des Bayerischen Fußball-Verbandes immer versucht, die Spiele entsprechend ihrer Ansetzungen auszutragen. Und aktuell gibt es keinen Anlass, dass das Pokalspiel nicht wie geplant stattfindet. Mit konkreten Nachholterminen beschäftigt sich der zuständige Spielleiter immer erst, wenn eine angesetzte Partie abgesagt werden muss, weil es zum Beispiel die Witterung nicht zulässt, eine Stadt oder die Gemeinde den Platz sperrt oder die Sicherheitsbedenken der zuständigen Behörde zu groß sind. Diese Nachholtermine werden dann mit den beteiligten Vereinen abgesprochen. Sie müssen sich aber auch in den Rahmenterminkalender sinnvoll einfügen lassen. Ob das dann an einem Wochenende oder unter der Woche ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, es ist aber auch nicht ausgeschlossen.“
Sechzig ist natürlich auch im Toto-Pokal ein Zuschauermagnet. Wer partizipiert eigentlich an diesen Einnahmen? Wir haben lediglich gelesen, dass im Finale die Einnahmen geteilt werden. Was ist mit den Spielen davor?
Dr. Rainer Koch: „Grundsätzlich gilt im Toto-Pokal, dass alle Einnahmen unter den beteiligten Vereinen jeweils zur Hälfte aufgeteilt werden. Beide tragen schließlich auch zu gleichen Teilen zur Partie bei. Dieses Solidarprinzip gilt auf Landesverbandsebene genauso wie im DFB-Pokal, wo auch Mannschaften mit zum Teil höchst unterschiedlich großen Fangemeinden aufeinandertreffen. Ebenso profitieren auch alle Vereine gleichermaßen vom Solidarprinzip bei der Ausschüttung der Prämien für die einzelnen Toto-Pokalspielrunden in Bayern. Diese setzen sich nach Spielrunden gestaffelt in Bayern aus Geldern unseres Wettbewerb-Sponsors Lotto Bayern, sowie eines Solidarbeitrages des Toto-Pokal-Siegers zusammen. Durch diese Kombination profitieren in Bayern sowohl der Sieger als auch der Verlierer einer jeden Toto-Pokal-Runde finanziell, sie erhalten ein bestimmtes Preisgeld, das vorab bereits genau festgelegt ist. (Anmerkung 1860-News.de – Infos zur aktuellen Spielrunde findet ihr hier)“
Der Bundesgerichtshof wies am Donnerstag die Revision des Fußball-Bundesligisten FC Köln gegen das entsprechende Urteil des Oberlandesgerichts Köln zurück. Der Verein wollte eine höhere Summe erstreiten und hatte 30.000 Euro gefordert. Der Fan wird jetzt dagegen aber „nur“ 20.340 Euro Schadensersatz bezahlen müssen. Die einen sagen nun, der Bundesgerichtshof hat allgemein die Strafe des DFB als zu hoch angesehen. Der gemeine Fan würde nun sagen, durch solch einen Fehltritt bin ich finanziell ruiniert. Wäre es nicht möglich hier eine andere Lösung zu finden, anstatt mit hohen Geldstrafen ganze Existenzen zu gefährden?
Dr. Rainer Koch: „Die Lösung ist ganz einfach: die Fans halten sich an die Regeln und verstoßen nicht gegen die Stadionordnung. Dann wird der Verein nicht sanktioniert und hat keinen Schaden. Wenn den Vereinen keinen von Fans verursachten Schaden hat, müssen Fans auch keinen Schadensersatz leisten.“
Zum Abschluss eine Frage exotischer Natur. Die Regionalliga Bayern hat durch die Vereine wie einst Jahn Regensburg, Unterhaching und jetzt auch 1860 München an Qualität dazu gewonnen. Bald nähert sich die Winterpause, die in den unteren Ligen verhältnismäßig lang ist. Wäre es dem BFV möglich, einen Hallenmaster für Regionalligisten einzuführen? Mit dem Sender Sport1, der ohnehin Partner der Regionalliga ist könnte sicherlich eine TV-Übertragung auf die Beine gestellt werden. Die Fans würden sich freuen, was meinen Sie?
Dr. Rainer Koch: „Zunächst möchte ich sagen, dass die Regionalliga Bayern natürlich durch Teams wie Jahn Regensburg, SpVgg Unterhaching und zuletzt den TSV 1860 München an Attraktivität und Qualität zugelegt hat. Allerdings bitte ich dabei auch, nie die sogenannten „Kleinen“ zu vergessen, die ebenfalls einen nicht unerheblichen Anteil an der Attraktivität der Liga haben. Denn gerade auch die „David gegen Goliath“-Spiele sind elementarer Bestandteil der Liga und führen zur breiten Akzeptanz und Identifikation der Fußballfans mit dieser Amateur-Spitzenliga. Zur Idee eines Hallenmaster-Wettbewerbs: Den gibt es ja im Grunde genommen schon jetzt. Schließlich spielen wir in der Winterpause den „Lotto Bayern Hallencup“ aus, bei dem es allen Regionalligisten unbenommen ist, teilzunehmen. Und in der jüngeren Vergangenheit haben auch einige Regionalligisten daran teilgenommen. 2012 und 2013 hat sich beispielsweise der SV Seligenporten zum Bayerischen Hallenkönig gekrönt. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass der Fokus der Regionalligisten mittlerweile ganz klar auf der Meisterschaft und einer intensiven Rückrundenvorbereitung liegt, die eine Teilnahme nur bedingt oder kaum noch ermöglicht. Daher sage ich: Das Angebot seitens des Verbandes ist bereits da, aber wir akzeptieren auch, wenn die bayerischen Regionalligisten ihren Schwerpunkt auf die Meisterschaft legen. Auf der einen Seite tun die Regionalligisten jedem bayerischen Wettbewerb gut, auf der anderen Seite erhöhen sich aber auch die Chancen anderer Vereine, einen prestigeträchtigen Bayerischen Fußballtitel zu gewinnen, wenn solche Topteams nicht dabei sind. Und wer in den letzten Jahren ein Hallencup-Finale besucht hat, weiß, dass dort insbesondere die Fans der kleinen Klubs oder sogenannten „Underdogs“ für eine großartige Stimmung gesorgt haben. Zum Thema TV-Übertragung: Es ist nicht so, dass die TV-Sender Schlange stehen, um Amateurspitzenfußball zu übertragen – leider. Wir sind sehr froh, dass wir unter großen Anstrengungen den Status Quo mit zahlreichen Live-Übertragungen aus der Regionalliga Bayern bei Sport1 oder im Bayerischen Fernsehen erreicht haben. Wir arbeiten sehr hart daran, dieses Angebot für die Fußballfans und zugunsten unserer Spitzenvereine weiter auszubauen. Das ist aber wie gesagt kein Selbstläufer. Nicht jedes Spiel oder jedes Event, das eine bestimmte Anhängerschaft attraktiv findet, ist auch für einen TV-Sender so interessant und letzten Endes auch lukrativ, dass eine Live-Übertragung gerechtfertigt ist und sich letzten Endes auch für diese TV-Unternehmen wirtschaftlich rechnet. Letzteres wird bei der Diskussion um Liveübertragungen gerne vergessen.“
https://www.1860-news.de/2017/11/30/interview-mit-rainer-koch-regionalliga-reform-bayreuth-etc/








