openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Leber auf dem Chip ersetzt Tierversuche

15.11.201716:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Leber auf dem Chip ersetzt Tierversuche
Für die Entwicklung von Organ-Biochips, die in der biomedizinischen Forschung Tierversuche ersetzen können, geht der Tierschutz-Forschungspreis des BMEL an PD Dr. Alexander Mosig vom Uniklinikum Jena
Für die Entwicklung von Organ-Biochips, die in der biomedizinischen Forschung Tierversuche ersetzen können, geht der Tierschutz-Forschungspreis des BMEL an PD Dr. Alexander Mosig vom Uniklinikum Jena

(openPR) Der Wissenschaftler PD Dr. Alexander Mosig vom Universitätsklinikum Jena wurde heute (15.11.) mit dem Tierschutz-Forschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ausgezeichnet. Der Preis würdigt die von dem Forscher und seiner Arbeitsgruppe entwickelten Biochips, die komplexe Organfunktionen z.B. der Leber oder der Blut-Hirn-Schranke nachbilden. Diese Organmodelle konnten bei der Untersuchung von Entzündungsprozessen und in der Wirkstoffcharakterisierung schon erfolgreich als Alternativen zu Tierversuchen eingesetzt werden.



---
Kleine Flüssigkeitstanks sind an den Kunststoff-Objektträger angeschlossen, schmale Hohlräume in seinem Inneren mit Zu- und Abflüssen verbunden – das Aussehen des Biochips ist weit entfernt von dem einer menschlichen Leber. Aber in der Funktion kommt das Modell dem Organ schon sehr nahe. Denn in ihm sind nicht nur alle relevanten Zelltypen der Leber strukturell korrekt angeordnet, die Zellen erfüllen auch ihre Stoffwechsel- und Gewebefunktionen, und das über mehrere Wochen hinweg. Die kleinen Tanks und Schläuche sind der Schlüssel dafür, sorgen sie doch für die richtigen Strömungsbedingungen im Chip-Organ. „Durch ein Mikroflusssystem können wir für eine realitätsnahe Perfusion sorgen, die erst die spezifische Kommunikation zwischen den Zelltypen und die gegenseitige Stabilisierung ermöglicht“, so PD Dr. Alexander Mosig. „Mit Hilfe von Sensoren können wir sogar die Sauerstoffsättigung gezielt regulieren.“

An den Gewebemodellen menschlicher Organe, die der 41-jährige Biochemiker mit seiner Arbeitsgruppe Inspire im Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen des Uniklinikums Jena entwickelt, können gezielt Aspekte von Organfunktionen unter Laborbedingungen untersucht werden. Bislang war das nur im Tierversuch möglich. Alexander Mosig sieht den Organ-Chip klar im Vorteil: „Wir arbeiten hier mit menschlichen Zellen und Gewebemodellen, so dass die Aussagekraft der Versuche viel größer ist als bei Versuchen mit Nagetieren.“

Das Inspire-Team setzte die Organ-Biochips schon in Kooperationsprojekten mit Medizinern, Chemikern und Pharmakologen ein, in der Grundlagenforschung zur Untersuchung der Ursachen von Entzündungen und Infektionen, aber auch bei der Entwicklung neuer Therapieoptionen. Zum Beispiel entwickelten sie das Modell einer Leber, deren Funktion entzündungsbedingt gestört ist. Die „Leber auf dem Chip“ zeigte dabei spezifische Immunreaktionen und war zudem zu Regenerationsprozessen in der Lage. Die Organchip-Technik floss auch in die Entwicklung eines humanen Krebsmodells ein, an dem der Wirkmechanismus einer Antitumor-Substanz aufgeklärt wurde.

Für die Testung von Nanotransportern als Wirkstoffträger haben die Wissenschaftler um Alexander Mosig die Blut-Hirn-Schranke auf dem Chip nachgebildet. Sie arbeiten an einem Modell dieser Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem, das wichtige Aspekte entzündlicher Nervenerkrankungen aufweist und bei der Optimierung der Wirkstofftransporter eingesetzt werden soll.

„Wir konnten unsere Organchip-Systeme bereits mehrfach anstelle von Tierversuchen einsetzen und damit einen Beitrag zur Reduktion und Vermeidung von Tierversuchen zu leisten“, betont Alexander Mosig. „Unsere Gruppe arbeitet an Organ-Modellen von Darm, Lunge, Knochen und Niere, um die Technik als Alternative zu Tierversuchen für die Infektionsforschung, die Wirkstofftestung und perspektivisch auch für toxikologische Untersuchungen zu etablieren.“ Für dieses Engagement erhält Alexander Mosig den diesjährigen Tierschutz-Forschungspreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Mit dem Preis zeichnet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bereits zum 36. Mal innovative, wissenschaftliche Arbeiten aus, durch die Tierversuche reduziert oder ersetzt werden können.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sagte zur heutigen Preisverleihung: „Mein Ziel ist es, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken und Versuchstieren den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten. Deshalb habe ich im Rahmen meiner Initiative „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“ auch im Herbst 2015 das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eröffnet. Damit nimmt Deutschland bei der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen eine Vorreiterrolle ein. Mit der jährlichen Verleihung des Tierschutzforschungspreises treibt mein Haus die Erforschung von Alternativen zum Tierversuch aktiv voran. Mein Dank gilt Wissenschaftlern wie dem Preisträger Dr. Alexander Mosig und den Mitarbeitern seiner Arbeitsgruppe Inspire, die daran arbeiten, dass Tierversuche künftig überflüssig werden.“

Ansprechpartner:
PD Dr. Alexander Mosig
Nachwuchsgruppe Inspire, Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641-9390910,
E-Mail: E-Mail

CSCC: Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control & Care, CSCC) ist eines von acht integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das 2010 eingerichtete CSCC ist am Universitätsklinikum Jena angesiedelt und widmet sich der Erforschung von Sepsis und deren Folgeerkrankungen. Die über 100 Forscherinnen und Forscher des CSCC betrachten dabei alle Aspekte der Erkrankung, von der Risikobewertung und Prävention über die Akutbehandlung bis hin zur Nachsorge.

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 980280
 1252

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Leber auf dem Chip ersetzt Tierversuche“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universitätsklinikum Jena

Bild: Was hilft gegen Angst auf dem Zahnarztstuhl?Bild: Was hilft gegen Angst auf dem Zahnarztstuhl?
Was hilft gegen Angst auf dem Zahnarztstuhl?
In einer jetzt veröffentlichten Metastudie untersuchten Wissenschaftler des Uniklinikums Jena die Wirksamkeit verschiedener nicht-medikamentöser Interventionen gegen psychische Belastung und Angst bei Zahnbehandlungen. In der Auswertung von insgesamt 29 Studien kamen sie zu dem Ergebnis, dass ausführliche Information, Musik, Entspannung und Ablenkung gegen leichte bis mittlere Zahnarztangst wirken. Hypnose erwies sich als am wirksamsten. --- Der Empfang am Tresen ist überaus freundlich, das Wartezimmer hell und nicht voll, doch schon, wenn d…
Bild: Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnetBild: Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet
Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet
Prof. Dr. Aria Baniahmad am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Jena erhält den Förderpreis der Astellas Pharma GmbH für Androgenrezeptor-Forschung. Damit werden seine Untersuchungen zu Signalmechanismen an dem Rezeptor gewürdigt, die zur Resistenzentwicklung des Prostatakrebses führen. --- Prostatakrebs ist der am häufigsten diagnostizierte Krebs bei Männern in westlichen Ländern. Der aktivierte Androgenrezeptor, der Rezeptor für das männliche Geschlechtshormon, hat eine zentrale Funktion bei der Regulation des Wachstums und…

Das könnte Sie auch interessieren:

Drei Jahre nach der TGN1412-Pharma-Katastrophe - Tierversuche versprachen falsche Sicherheit
Drei Jahre nach der TGN1412-Pharma-Katastrophe - Tierversuche versprachen falsche Sicherheit
… neues Medikament eingenommen hatten. Der Wirkstoff TGN1412, der bei den zuvor völlig gesunden Medikamententestern zu lebensgefährlichen Organschäden führte, war intensiv in Tierversuchen getestet und für sicher befunden worden. Der monoklonale Antikörper TGN1412 der Würzburger Firma TeGenero sollte ein Wundermittel gegen Multiple Sklerose, rheumatische …
Bild: Herbert-Stiller-Preis für tierversuchsfreie Forschung geht an Uni GreifswaldBild: Herbert-Stiller-Preis für tierversuchsfreie Forschung geht an Uni Greifswald
Herbert-Stiller-Preis für tierversuchsfreie Forschung geht an Uni Greifswald
Ärzte gegen Tierversuche fördert innovatives Blasenkrebs-auf-dem-Chip-Modell Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) hat gestern Dr. Pedro Caetano Pinto von der Universitätsmedizin Greifswald mit dem diesjährigen Herbert-Stiller-Preis für exzellente tierversuchsfreie Forschung ausgezeichnet. Dr. Pinto erhält den mit 20.000 Euro dotierten …
Minimensch auf einem Biochip - Stellungnahme Ärzte gegen Tierversuche
Minimensch auf einem Biochip - Stellungnahme Ärzte gegen Tierversuche
Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) hat aktuell eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er exemplarisch für die tierversuchsfreien Forschungsmöglichkeiten das Potential und die Vorzüge moderner Biochips, die wie ein „Minimensch“ funktionieren, erläutert. Im Gegensatz zum Tierversuch würden solche Methoden auf den Menschen übertragbare …
Bild: Bald Tierversuchsstopp bei Kosmetika?Bild: Bald Tierversuchsstopp bei Kosmetika?
Bald Tierversuchsstopp bei Kosmetika?
Tierversuche geraten immer mehr in die Öffentlichkeit und treffen vermehrt auf starke Ablehnung innerhalb der Bevölkerung. Man wird sich immer bewusster, was den Umgang bzw. die Misshandlung von Tieren angeht. Immer wieder wird sich auch die Frage gestellt, welche Aussagekraft bestimmte Tierversuche bei Produkten für Menschen haben. Doch wenigstens in …
Bild: Herz aus Stein - Verein Ärzte gegen Tierversuche lobt „Preis“ für den schlimmsten Tierversuch ausBild: Herz aus Stein - Verein Ärzte gegen Tierversuche lobt „Preis“ für den schlimmsten Tierversuch aus
Herz aus Stein - Verein Ärzte gegen Tierversuche lobt „Preis“ für den schlimmsten Tierversuch aus
Ärzte gegen Tierversuche vergibt erstmals das „Herz aus Stein“. Der bundesweite Verein will damit auf besonders absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland genehmigt und durchgeführt worden sind. User können aus einer Liste von fünf Versuchsanordnungen aus dem Jahr 2017 auswählen. Nominiert sind Institute aus Berlin, München, Martinsried …
PETA und Ärzte gegen Tierversuche fordern die Einstellung der Tierversuche an der Universität Ulm
PETA und Ärzte gegen Tierversuche fordern die Einstellung der Tierversuche an der Universität Ulm
… hat PETA nun einen Aktionsaufruf gestartet, damit Tierfreunde bei der Universität und den zuständigen Behörden Protest einlegen können. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche schließt sich diesem Aktionsaufruf an. Gemeinsam mit Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, Mitglied bei Ärzte gegen Tierversuche sowie unter anderem Facharzt für Chirurgie und Mitglied …
Bild: Biochips ersetzen TierversucheBild: Biochips ersetzen Tierversuche
Biochips ersetzen Tierversuche
(Reinach/Bonaduz) Ärzte und Biologen veröffentlichen Stellungnahme Aktuell haben die Ärzte gegen Tierversuche e.V. eine Stellungnahme zu Biochip-Verfahren veröffentlicht. Grund dafür ist die Tatsache, dass in gewissen Forscherkreisen noch immer behauptet wird, ohne Tierversuche sei es nicht möglich, Chemikalien oder Medikamente ausreichend auf ihre Wirkung …
Bild: Für die Gesundheit: Forschung mit TierenBild: Für die Gesundheit: Forschung mit Tieren
Für die Gesundheit: Forschung mit Tieren
… Gehirn? Das sind zwei der vielen Forschungsfragen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Universitätsklinikum Jena (UKJ) beantworten möchten. Oftmals ist das nur Mithilfe von Tierversuchen möglich, hier mit Schafen bzw. Mäusen.Die Forschenden handeln dabei strikt nach dem 3R-Prinzip: 3R steht für die dreiteilige Strategie, die Zahl von Tierversuchen …
Bild: Herbert-Stiller-Förderpreis für tierversuchsfreie Forschung verliehenBild: Herbert-Stiller-Förderpreis für tierversuchsfreie Forschung verliehen
Herbert-Stiller-Förderpreis für tierversuchsfreie Forschung verliehen
Endlich stehen sie fest: die Preisträger des Herbert-Stiller-Förderpreises 2019, der vom Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) für innovative tierversuchsfreie Forschungsprojekte verliehen wird. Nach Sichtung zahlreicher exzellenter Forschungsanträge wurden am 14. September 2019 im Rahmen der 40-Jahr-Feier des Vereins in Frankfurt a.M. die Preisträger …
Bild: Organe auf Mikrochips für sichere MedikamententestsBild: Organe auf Mikrochips für sichere Medikamententests
Organe auf Mikrochips für sichere Medikamententests
… und teuer. Darüber hinaus gehen Tests neuer Medikamente am Menschen mit Risiken einher. Deshalb werden neue Wirkstoffe zuvor in konventionellen 2-D-Zellkulturen und Tierversuchen getestet, charakterisiert und validiert. Resultate aus 2-D-Zellkulturen sind allerdings oft zweifelhaft, da die Zellen im menschlichen Körper in einer 3-D-Architektur wachsen …
Sie lesen gerade: Leber auf dem Chip ersetzt Tierversuche