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Besserer Wissenstransfer für Ghanas Ananasbauern

09.11.201710:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Simple Technologien lassen sich gut durch Nachahmung erlernen. Komplexere Technologien hingegen richtig anzuwenden, das erfordert oft ein professionelleres Training. Wenn ghanaische Ananasbauern mit nachhaltiger Landwirtschaft zu mehr Erträgen kommen sollen, müssen sie in genau solchen komplexeren Anwendungen geschult werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von der Technischen Universität München (TUM) und des Weltwirtschaftsinstituts Kiel (ifW). In einer neuen Studie liefert es dazu konkrete Empfehlungen.



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Zwei Monate war Agrarökonom Dr. David Wüpper vom Lehrstuhl für Produktions- und Ressourcenökonomie der TUM bei knapp 400 ghanaischen Ananasbauern unterwegs – im Süden von Ghana in der tropisch, feuchtheißen Region südlich der Millionenstadt Kumasi. Er und Dr. Linda Kleemann vom ifW wollten – mit der Unterstützung von vielen weiteren Interviewern und Übersetzern – die Lerneffekte von Schulung und Nachahmung untersuchen. Ein Teil der Farmer war bereits einige Jahre zuvor befragt worden.

Eine zu kurze Erfolgsgeschichte

Der Ertrag der meist weniger als zwei Hektar großen Felder war lange nur für den Eigenbedarf gedacht. In den 90er-Jahren wurde auf Ananas umgestellt, welche profitabel in die Europäische Union exportiert wurden. Die Euphorie war groß, bei Bauern wie Wissenschaftlern, berichtet Wüpper: „eine richtige Erfolgsgeschichte aus der afrikanischen Landwirtschaft.“

Doch dann kam MD-2. Was wie ein Roboter aus einer bekannten Serie klingt, bezeichnet eine Ananassorte von einem amerikanischen Unternehmen, die für Costa Ricas industriellen Anbau gezüchtet wurde. Sie enthält mehr Vitamin C, mehr Süße, ist gleichmäßiger geformt und länger haltbar. Sie verdrängte die traditionellen ghanaischen Sorten aus den Supermärkten. „Die MD-2 hat Ghana sehr zurückgeworfen“, erklärt der Wissenschaftler von der TU München. „Denn diese Sorte stellt hohe Ansprüche an Pflanzenschutz, Düngung und Bewässerung. Das kann eine industrielle Landwirtschaft leisten, aber ist viel schwieriger für ghanaische Kleinbauern.“

Ghana, obwohl näher an den Ländern der EU gelegen als Costa Rica, rangiert nun in der Statistik der Ananas-Exporte seit vielen Jahren auf den hinteren Plätzen. Das Interesse der Wissenschaftler, der Vereinten Nationen und der Weltbank an den Ananasbauern blieb dennoch ungebrochen. Sie alle wollten dazu beitragen, dass die Bauern wieder erfolgreich wirtschaften – trotz ihrer oft weit voneinander verstreut liegenden Felder, trotz ihrer noch weitgehend ineffizienten extensiven Landwirtschaft und trotz MD-2.

Ihr gemeinsames Ziel heißt: nachhaltige Landwirtschaft etablieren. Diese verringert die irreversible Schädigung der Böden (Bodendegradation), erhöht deren Fruchtbarkeit und somit am Ende ebenso Ertrag und Einkommen. Viele Akteure – Regierungsorganisationen, NGOs und Privatunternehmen – sind in dem westafrikanischen Land, um kleine Betriebe mit Schulungen zu unterstützen. Im wesentlichen bei zwei Techniken: dem Mulchen und Einsatz von organischem Dünger, aber auch dem Anbau von Zwischenfrüchten.

Beim Mulchen wird der Boden rund um die Pflanzen abgedeckt, mit organischem Material, mit Stoff oder Plastik. Das schützt den Boden, weil er weniger austrocknet und es verhindert Unkraut. Mulchen ist nicht kompliziert. Es lässt sich leicht nachahmen und der Effekt ist bei jedem Boden verlässlich gleich.

Grenzen der Nachahmung

Organischen Dünger zu verwenden und Zwischenfrüchte anzubauen, das wiederum ist deutlich komplexer. Was beim Nachbarn wirkt oder wächst, muss auf dem eigenen Feld noch lange nicht gelingen. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle: die Regenmenge, Bodenzusammensetzung und Lage des Feldes. Ideal sei eine Schulung an Beispielfeldern, sagt Wüpper. „Hier können Bauern anhand des Wachstums der Pflanzen direkt die Effekte verschiedener Praktiken sehen.“ Doch von diesen Feldern gebe es zu wenige und die Wege sind weit in Ghana.

Die Schulung der komplizierteren Techniken müsse mehr in den Fokus rücken, bilanziert der Experte, sie sollten intensiver und nachhaltiger werden. „Am Anfang sehe ich als Bauer viele Herausforderungen noch gar nicht. Wenn dann Probleme entstehen, muss ich nachfragen können.“ Da die Schulungen sich aber meist auf einen halben Tag beschränkten und es keine weitere Begleitung gebe, verpuffe der Effekt des Trainings.

Das Interesse der schulenden Organisationen, wie etwa der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, an der Studie sei groß, sagt David Wüpper: „Weil die Entwicklungshilfe-Organisationen lernen wollen.“ An den finanziellen Mitteln werde sich wenig ändern, da macht sich der Wissenschaftler wenig Illusionen. Aber er hofft, dass sich Fokus und Intensität der landwirtschaftlichen Schulungen ändern. Effektivere Trainings wiederum würden mehr Ertrag und Einkommen für die Ananasbauern Ghanas bedeuten.

Publikation:

David Wuepper, Johannes Sauer and Linda Kleemann: Sustainable intensification amongst Ghana's pineapple farmers: the complexity of an innovation determines the effectiveness of its training, Cambridge University Press 2017.
DOI: 10.1017/S1355770X1700033X

Kontakt:

Dr. David Wüpper
Technische Universität München
Lehrstuhl für die Produktions- und Ressourcenökonomie landwirtschaftlicher Betriebe
Tel: +49 (8161) 71 – 3458
E-Mail: E-Mail

Weitere Informationen:
- https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34290/ Zum Artikel

Quelle: idw

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