openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Gibt es eine Narzissmusepidemie?

03.11.201717:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Konstanzer Psychologen überprüfen die Theorie eines Anstiegs im Narzissmus – und stellen einen Rückgang fest

Wird unsere Gesellschaft zunehmend narzisstischer? Wissenschaftler vermuten einen Anstieg des Narzissmus von Generation zu Generation und sprechen sogar vom Ausbruch einer „Narzissmusepidemie“ in unserer Gesellschaft. Ein Forschungsteam von Psychologen um Dr. Eunike Wetzel von der Universität Konstanz überprüfte nun diese Annahme anhand von rund 60.000 Persönlichkeitstests von amerikanischen Studierenden aus drei Jahrzehnten. Die Psychologen kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Narzissmus ist in den letzten 25 Jahren nicht etwa angestiegen, sondern ging sogar leicht zurück.



---
Der Rückgang verläuft kontinuierlich seit Anfang der 1990er und setzte somit bereits vor der Wirtschaftskrise ein. Die Ergebnisse der Auswertung sind im Wissenschaftsjournal Psychological Science veröffentlicht.

„Wir hatten erwartet, dass wir einen Anstieg im Narzissmus zwischen 1992 und den 2000er-Jahren finden würden und anschließend einen möglichen Rückgang nach der Weltwirtschaftskrise. Wir waren daher überrascht von den Ergebnissen unserer Studie“, schildert Eunike Wetzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Psychologische Methoden und Diagnostik am Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz. Klassische Theorien gehen davon aus, dass Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums förderlich für die Entwicklung von Narzissmus sind, während Wirtschaftskrisen mit sinkendem Narzissmus in Zusammenhang gebracht werden. Wetzels Ergebnisse zeichnen jedoch ein anderes Bild: Der Rückgang im Narzissmus setzte bereits in den ökonomisch stabilen Zeiten vor der Wirtschaftskrise ein.

Für ihre Studie werteten die Psychologen Daten von drei amerikanischen Universitäten aus, die seit 1992 einen einheitlichen Narzissmus-Persönlichkeitstest durchführen. Die Daten stammen von insgesamt rund 60.000 Studierenden, die zum Zeitpunkt ihrer jeweiligen Befragung im Alter zwischen 18 und 24 Jahren waren. „Es geht uns nicht um den Narzissmus im Sinne einer klinischen Störung wie die narzisstische Persönlichkeitsstörung“, betont Wetzel und verdeutlicht: „Wir untersuchen Narzissmus in der allgemeinen Bevölkerung. Wir betrachten Narzissmus als Persönlichkeitseigenschaft, wie zum Beispiel auch Extraversion oder Gewissenhaftigkeit Merkmale eines Menschen sind: Manche Menschen sind gewissenhafter als andere, manche neigen stärker zu Narzissmus als andere“, so Wetzel.

„Bisherige Forschung betrachtete Narzissmus nur als Gesamtkonstrukt. Das ist problematisch, weil Narzissmus aus verschiedenen Aspekten besteht“, fährt Eunike Wetzel fort. Die Psychologin unterscheidet daher in ihrer Studie drei wesentliche Facetten des Narzissmus – Führungsverhalten („Leadership“), Eitelkeit („Vanity“) und Anspruchsdenken („Entitlement“) – und verfolgt die Ausprä-gung dieser Facetten über die drei untersuchten Jahrzehnte hinweg. Den deutlichsten Rückgang verzeichnet das Merkmal „Anspruchsdenken“, das ausdrückt, ob sich ein Mensch gegenüber seinen Mitmenschen als höherwertig und überlegen fühlt. „Das ist interessant, da dieses Merkmal gemeinsam mit Eitelkeit zum Kern des Narzissmus gehört. Dass gerade diese Aspekte zurückge-gangen sind, widerspricht der These von einer Epidemie des Narzissmus“, verdeutlicht Wetzel.

Der Rückgang von Narzissmus zeichnet sich gleichermaßen bei Männern und Frauen ab, insbesondere in den Aspekten Anspruchsdenken und Führungsverhalten. Abweichend von dem Schema stellten die Psychologen jedoch nur bei Frauen eine generelle Verringerung des dritten Aspekts, Eitelkeit, fest.

Originalpublikation:
Wetzel, E., Brown, A., Hill, P. L., Chung, J. M., Robins, R. W., & Roberts, B. W. (2017). The narcis-sism epidemic Is dead; long live the narcissism epidemic. Psychological Science, Advance online publication. doi:10.1177/0956797617724208

Faktenübersicht:
- Narzissmus-Studie auf der Basis von 60.000 Persönlichkeitstests amerikanischer Studierender von 1992 bis zur Gegenwart.

- Datengrundlage: Studierende der University of California, Berkeley, der University of California, Davis, sowie der University of Illinois at Urbana-Champaign (alle USA).

- Der Frauenanteil der befragten Studierenden lag zwischen 55 Prozent (1992) und 72 Prozent (2015).

- An der Studie beteiligte Universitäten:
Universität Konstanz, Universität Magdeburg, University of Kent (Großbritannien), Carleton University (Kanada), Tilburg University (Niederlande), University of California, Davis (USA), University of Illinois at Urbana-Champaign (USA).

Hinweis an die Redaktionen:
Ein Schaubild der Ergebnisse kann im Folgenden heruntergeladen werden:
http://bit.ly/2hD4IUe

Bildunterschrift: Gemessener Rückgang von Narzissmus über drei Jahrzehnte hinweg, untergliedert in die Aspekte Führungsverhalten („Leadership“), Eitelkeit („Vanity“) und Anspruchsdenken („Entitlement“). Grafik: Dr. Eunike Wetzel, Universität Konstanz.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail:

-

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 978069
 504

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Gibt es eine Narzissmusepidemie?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universität Konstanz

Schulden machen im 20. Jahrhundert
Schulden machen im 20. Jahrhundert
Ein Wissenschaftliches Netzwerk mit Beteiligung der Konstanzer Wirtschaftshistorikerin und Juniorprofessorin Dr. Julia Rischbieter untersucht die Bedeutung und die Folgen von Staatsverschuldung anhand konkreter Handlungsweisen von Akteuren. --- Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Pforzheim und ihre damalige Kämmererin wurden im November 2017 wegen Untreue zu Haftstrafen verurteilt. Sie hatten in den Jahren vor der Finanzkrise mit riskanten Finanzgeschäften versucht, die Zinslast der Stadt zu drücken und dabei gleich auch den städtischen Ha…
Carl-Zeiss-Stiftungsprofessur für Systemtoxikologie an der Universität Konstanz
Carl-Zeiss-Stiftungsprofessur für Systemtoxikologie an der Universität Konstanz
Förderung für eine neue Professur im Fachbereich Biologie in Höhe von 1,12 Millionen Euro --- Die Carl-Zeiss-Stiftung hat die Förderung einer Stiftungsprofessur an der Universität Konstanz auf dem Gebiet der Systemtoxikologie im Fachbereich Biologie bewilligt. Während sich traditionelle toxikologische Testung auf die Beschreibung von direkt beobachtbaren Schadstoffwirkungen fokussiert, wird die neu geschaffene Professur „Systems Toxicology“ viele (tausende und mehr) molekulare Änderungen an der Feinkontrolle von Zellen und Organen messen. So…

Das könnte Sie auch interessieren:

Sie lesen gerade: Gibt es eine Narzissmusepidemie?