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Weltschlaganfalltag am 29. Oktober 2017 - umfassende Nachsorge gesucht

24.10.201716:14 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Weltweit ereignen sich jährlich rund 17 Millionen Schlaganfälle. 26 Millionen Menschen weltweit leben mit bleibenden Behinderungen durch einen Schlaganfall, in Deutschland sind es etwa eine Million. Charakteristisch sind Lähmungen an mindestens einem Arm und/oder Bein sowie Sprachstörungen. Darüber hinaus treten im Verlauf Folgeerkrankungen wie Depression, Demenz, Epilepsie und chronische Schmerzen auf.



Die Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Akutphase ist gut koordiniert und die Wirksamkeit von Schlaganfall Spezialabteilungen, sogenannten Stroke Units, wurde in Studien belegt. Mehr als ein Drittel der Patienten benötigt im Anschluss an die Akutversorgung eine spezialisierte Rehabilitation, die, je nach Schweregrad des Schlaganfalls, mehrere Phasen durchlaufen kann. Soweit werden die Patienten strukturiert versorgt, aber mit der Entlassung aus der Klinik stehen sie und ihre Angehörigen in der Regel großen Problemen und einem unübersichtlichen Versorgungssystem gegenüber. Um ihnen zu helfen, werden bereits neue Wege in der Nachsorge beschritten, so z. B. in der Intensivierten Rehabilitations-Nachsorge der Deutschen Rentenversicherung oder dem Case Management mit Hilfe von Schlaganfall-Lotsen. Zudem haben sich einige regionale Netzwerke gebildet, die innovative Modelle der Schlaganfall-Nachsorge entwickeln, wie das SOS-NET in Sachsen und die Berliner Schlaganfall-Allianz e.V. Letztere erprobt beispielsweise in einem gemeinsamen Projekt mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe den Einsatz speziell geschulter ehrenamtlicher Schlaganfall-Helfer.

„Was auf dem Gebiet der Schlaganfall-Nachsorge noch aussteht, ist eine systematische, wissenschaftlich fundierte Bedarfsanalyse als Grundlage für die Entwicklung einer umfassenden integrierten Versorgung“ erläutert Prof. Dr. Andreas Meisel, Direktor des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) der Charité. „Die ambulante Nachsorge ist weitgehend unstrukturiert und mit einer hohen Fehl- und Unterversorgung unter anderem für spezifische Hilfs- und Heilmittel verbunden“, fährt er fort. Die MAS-Studie (Managing Aftercare for Stroke, Nachsorge-Management) des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin sollte im ersten Schritt Aufschluss über den Versorgungsbedarf geben. Dazu wurden Patienten nach ihrer ambulanten Entlassung ärztlich untersucht und in Hinblick auf ihre medizinischen sowie sozialen Bedürfnisse befragt. Hierbei zeigte sich ein hoher Anteil von Patienten mit Hirnleistungsstörungen, Spastik, Depression und eingeschränkter Therapietreue. Bedarf für eine neuerliche medizinische Abklärung sowie Unterstützung durch Sozialarbeiter gab es bei jeweils etwa einem Drittel, für zusätzliche ambulante Therapien bei fast der Hälfte der Patienten. In einem zweiten Schritt wird jetzt – es werden noch Studienteilnehmer gesucht – die Versorgung von Patienten 6 Monate nach dem Schlaganfall koordiniert und aus dem, was im Rahmen der Standard-Versorgung möglich ist, das Optimum für den Patienten herausgeholt, um die Wirksamkeit dieses Vorgehens zu belegen. „Unser langfristiges Ziel ist es, auf Grundlage dieser Daten ein integriertes Nachsorgemodell für Schlaganfall-Patienten zu entwickeln“, erklärt Dr. Benjamin Hotter, Koordinator der MAS-Studie. Um dieses Ziel zu erreichen sind die Wissenschaftler auch an weiteren Netzwerken und Konsortien beteiligt, etwa der Berliner Schlaganfall-Allianz e.V., dem NAVICARE- Netzwerk zur Stärkung patientenorientierter Versorgungsforschung unter der Leitung des Institut für Public Health der Charité und dem SmartHealthNet-Forschungsprojekt für datenbasiertes Fallmanagement unter der Konsortialführung der Ambulanzpartner Soziotechnologie.

Üblicherweise ist der Hausarzt für die Schlaganfall-Nachsorge verantwortlich. Für die wichtigen Schlaganfall-typischen medizinischen Behandlungsfelder, z.B. die Verhinderung weiterer Schlaganfälle (Sekundärprävention), existieren zwar etablierte Therapieansätze, jedoch gibt es keine strukturierte umfassende Nachsorge, die auf eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität abzielt. Neben einer Nachsorge, die der oftmals komplexen Situation aus Behinderungen durch den Schlaganfall, zusätzlichen altersbedingten Erkrankungen und der damit einhergehenden Gefahr von unerwünschten Wechselwirkungen zwischen mehreren Medikamenten gerecht wird, sind weiter reichende Konzepte notwendig. In der chronischen Phase des Schlaganfalls müssen unter anderem häufig auch Heil- und Hilfsmittel angeschafft, der Wohnraum angepasst, Anträge im Rahmen des Sozialrechts gestellt, die Krankheit psychisch verarbeitet und der Lebensstil im Sinn einer Sekundärprävention verändert werden. Von den durch Schlaganfall in ihrer Mobilität, Kommunikationsfähigkeit, Kognition und/oder durch Depression beeinträchtigten Patienten und den häufig ebenfalls betagten und kranken Angehörigen kann das ohne Unterstützung kaum geleistet werden. Eine umfassende strukturierte Nachsorge sollte daher eine regelmäßige medizinische und soziale Einschätzung sowie eine bedarfsorientierte Beratung und konkrete Planung der Versorgung beinhalten. Auch die Angehörigen und ihr gesundheitliches Wohl müssen dabei berücksichtigt werden.

---Anlaufstellen/Projekte zum Thema Nachsorge bei CSB und BSA e.V. ---

MAS II-Studie
Voraussetzung: Der Schlaganfall liegt max. 6 Monate zurück und Sie wohnen im Berliner Raum. Melden Sie sich bitte unter Telefon: +49 (30) 450 639 734 oder +49 152 01668966
http://bit.ly/Nachsorgestudie

Servicepunkt Schlaganfall
Der Servicepunkt Schlaganfall bietet individuelle Beratung zum Versorgungsangebot im Berliner Raum und sozialrechtlichen Fragen an.
Telefon: +49 (30) 450 560 600
http://bit.ly/Servicepunkt

Ehrenamtliche Schlaganfallhelfer gesucht
Im Februar 2018 bildet die BSA e.V. zum zweiten Mal ehrenamtliche Schlaganfallhelfer aus. Interessenten können sich bereits am 28. November vorab informieren.
http://bit.ly/Schlaganfallhelfer

BSA e.V. Informationsreihe Schlaganfall
Medizinische und pflegerische Fragestellungen stehen im Fokus regelmäßigen Vortragsreihe für Betroffene und Angehörige. Sie findet am jeweils letzten Dienstag im Monat von 17:00 bis 18:30 Uhr in den Räumlichkeiten des Servicepunkts auf dem Campus der Charité in Mitte statt.
http://bit.ly/BSA-Inforeihe

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