openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Steuerkonzepte der Parteien entlasten Privathaushalte höchst unterschiedlich

09.10.201711:02 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Konzepte zur Reform der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlags in Deutschland driften je nach politischem Lager weit auseinander. Die privaten Haushalte hierzulande sind davon äußerst unterschiedlich betroffen: Die Wirkung der steuerlichen Gesamtentlastung schwankt zwischen 1,5 Milliarden Euro und 34,6 Milliarden Euro, die durchschnittlichen verfügbaren Einkommen privater Haushalte steigen in einer Spanne zwischen 107 Euro und 905 Euro pro Jahr. Bei sämtlichen Reformvorschlägen wächst die absolute Entlastung (in Euro-Beträgen) über weite Teile mit dem Einkommen.



---
Dies sind wesentliche Ergebnisse einer gemeinsamen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, und des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Bonn, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler haben die Reformvorschläge auf dem Gebiet von Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag untersucht, wie sie in den Regierungsprogrammen von CDU/CSU und SPD enthalten sind. Ebenfalls simuliert wurden die Vorschläge des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des bayrischen Finanzministeriums, der sogenannte „Bayern-Tarif“. Das Mikrosimulationsmodell von ZEW und IZA fußt auf der Erhebungswelle der Faktisch Anonymisierten Lohn- und Einkommensteuerstatistik (FAST) aus dem Jahr 2010 sowie auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2015.

Von den Vorschlägen der Union würden Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen zwischen 150.000 Euro und 250.000 Euro in absoluter Betrachtung am stärksten profitieren. Bezogen auf das Einkommen, ist die relative Entlastung bei zu versteuernden Einkommen zwischen 100.000 Euro und 150.000 Euro am größten. Auch die Vorschläge der SPD und des DGB kommen der oberen Mittelschicht tendenziell stärker zugute als Geringverdienern. Hier liegt der Schwerpunkt der Entlastungswirkung jedoch bereits bei einem zu versteuernden Einkommen zwischen 55.000 Euro und 80.000 Euro beziehungsweise – bezogen auf das verfügbare Einkommen – bei 40.000 Euro bis 55.000 Euro. Für Haushalte mit zu versteuernden Einkommen jenseits von 150.000 Euro führen die Vorschläge von SPD und DGB dagegen zu beträchtlichen Einkommensverlusten. Haushalte, die mehr als 250.000 Euro jährlich versteuern, würden im SPD-Vorschlag mit etwa 7.500 Euro und beim DGB-Vorschlag sogar mit gut 20.000 Euro pro Jahr zusätzlich belastet.

Die Studie zeigt weiter, dass die Entlastungswirkungen bei der beabsichtigten Reform von Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag insgesamt für den DGB-Vorschlag bei zwei Milliarden Euro, für den SPD-Reformvorschlag bei 6,1 Milliarden Euro und für den CDU/CSU-Vorschlag bei 21,2 Milliarden Euro liegen. Die reinen Einkommensteuerkomponenten des Bayern-Tarifs belaufen sich auf 8,2 Milliarden Euro. Würde die von CDU und CSU in Aussicht gestellte Abschaffung des Solidaritätszuschlags bereits heute umgesetzt, fiele die Entlastungswirkung mit 22,6 Milliarden Euro (CSU) beziehungsweise 34,6 Milliarden Euro (CDU) deutlich höher aus.

Sämtliche Reformkonzepte führen dazu, dass sich das Arbeitsangebot ausdehnt, da durch die Entlastungen ein größerer Anteil des Mehrverdienstes beim Arbeitnehmer ankommt. Die stärksten positiven Arbeitsangebotseffekte gehen von den Vorschlägen der Union aus (bis zu 400.000 Vollzeitäquivalente). Werden die Effekte ins Verhältnis zur fiskalischen Entlastungswirkung gesetzt, liegt der DGB-Vorschlag mit 7,3 Vollzeitäquivalenten pro 100.000 Euro Entlastung vorne, gefolgt vom Bayern-Tarif mit 2,4 Vollzeitäquivalenten und dem SPD-Vorschlag mit 1,9 Vollzeitäquivalenten.

Treffen diese positiven Arbeitsangebotseffekte auf eine entsprechende Nachfrage, entstehen Gegenfinanzierungseffekte. Diese belaufen sich nach den Vorschlägen von SPD und DGB auf jeweils rund zwei Milliarden Euro, bei Zugrundelegung des Bayern-Tarifs auf 4,5 Milliarden Euro sowie bei Umsetzung des Konzepts von CDU/CSU beziehungsweise der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung auf etwa sieben Milliarden Euro.

„Derzeit wird oft beklagt, dass sich die Konzepte der etablierten Parteien kaum noch unterscheiden. Bei den steuerpolitischen Vorstellungen trifft das das aber nicht zu. Hier bedienen die Parteien nach wie vor unterschiedliche Einkommensgruppen“, kommentiert Dr. Holger Stichnoth, kommissarischer Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Internationale Verteilungsanalysen“ und Mitautor der Studie, die Ergebnisse. Die Verteilungswirkungen der Konzepte, so Stichnoth, seien für viele Bürgerinnen und Bürger aber nicht leicht zu durchschauen. So profitierten von einer Beseitigung des Mittelstandsbauchs nicht nur die Haushalte der Mittelschicht, sondern auch Haushalte mit hohem Einkommen. Die von der SPD geforderte Abschaffung des Solidaritätszuschlags für Einkommen unter 52.000 Euro würde auch Wohlhabende besser stellen.

Holger Bonin, Forschungsdirektor am IZA, sagt zu der Studie: „Wenn die Politik die Mittelschicht und Geringverdiener entlasten will, bringen Änderungen am Tarif der Einkommensteuer oder beim Solidaritätszuschlag relativ wenig. Mehrwertsteuersenkungen würden diesen Zielgruppen deutlich mehr bringen.“ Bonin warnt zudem davor, durch Steuersenkungen staatliche Gestaltungsspielräume zu stark einzuschränken. „Auch wenn eine Steuerreform in dieser Legislaturperiode sicher notwendig ist: Die öffentliche Hand sollte auch danach noch genügend Geld für die dringenden Investitionen in Bildung und Infrastruktur behalten.“

+++

Die Studie „Ökonomische Bewertung verschiedener Reformoptionen im deutschen Steuer- und Transfersystem“ von ZEW und IZA ist Teil eines Rahmenvertrags für das BMWi. Neben dem IZA kooperiert das ZEW dabei auch mit dem Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG.

Download (PDF, 145 Seiten, 5 MB):
http://ftp.iza.org/IZA-ZEW-Studie_BMWi2017.pdf

Pressekontakt:
Mark Fallak
Head of Communications, IZA
Tel.: (0228) 3894-223
E-Mail: E-Mail

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 973002
 546

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Steuerkonzepte der Parteien entlasten Privathaushalte höchst unterschiedlich“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IZA - Institut zur Zukunft der Arbeit

Bild: IZA/XING-Studie: Beschäftigte in Deutschland haben keine Angst vor der DigitalisierungBild: IZA/XING-Studie: Beschäftigte in Deutschland haben keine Angst vor der Digitalisierung
IZA/XING-Studie: Beschäftigte in Deutschland haben keine Angst vor der Digitalisierung
Nur jeder achte Arbeitnehmer in Deutschland befürchtet, dass der eigene Arbeitsplatz durch Automatisierung bedroht sein könnte. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Studie „Arbeiten in Deutschland“ des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der XING AG hervor. In einer repräsentativen Befragung gaben 12,6 Prozent von 1.272 Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren an, ihre aktuelle Tätigkeit könnte in den nächsten fünf Jahren durch den Einsatz moderner Technologien wegfallen. Unter den zusätzlich befragten 4.219 XING-Mitgliedern hiel…
Bild: Thomas Dohmen wird Forschungsdirektor am IZABild: Thomas Dohmen wird Forschungsdirektor am IZA
Thomas Dohmen wird Forschungsdirektor am IZA
Die wissenschaftliche Leitungsebene des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) wird ab dem 1. September 2017 durch Prof. Dr. Thomas Dohmen verstärkt. Dohmen behält seine Professur an der Universität Bonn, ist jedoch partiell für sein Engagement am IZA freigestellt, um sich neben der strategischen Beratung des Instituts stärker seiner eigenen Forschung widmen zu können. Prof. Dr. Holger Bonin koordiniert weiterhin, ebenfalls in der Funktion eines Forschungsdirektors, die arbeitsmarktpolitische Forschung und Beratung durch das …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Betriebliche StrategienBild: Betriebliche Strategien
Betriebliche Strategien
… noch unklar, wann sich die neue Regierung mit ihren Themen beschäftigen wird. „Gerade steuerpolitisch ist die Verbindung von FDP und Grünen angesichts völlig konträrer Steuerkonzepte sehr schwierig. Die FDP will die Wirtschaft durch Steueranreize ankurbeln. Die Grünen wollen vor allem Geringverdiener entlasten und die Steuer generell eher erhöhen als …
Bild: Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen StandortBild: Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen Standort
Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen Standort
Mönchengladbach – Die Mönchengladbacher Kanzlei des auf Privathaushalte spezialisierten Konzerns Telis AG bezieht ab Mitte Dezember 2020 neue Räumlichkeiten an der Hennes-Weisweiler-Allee 14-18 in 41179 Mönchengladbach. Wie der Immobilienberater bienen+partner mitteilt, hat Telis im 1. Obergeschoss des Bürogebäudes MK5 eine Büroeinheit mit ca. 233 m² …
Marketing-Experten stellen die „K“-Frage / TREND 2009 - Das Wahlstudio für den Werbeartikel
Marketing-Experten stellen die „K“-Frage / TREND 2009 - Das Wahlstudio für den Werbeartikel
… in der Hand besser als eine Taube auf dem Dach. Was heißen soll, eine Geldbörse mit dem Aufdruck „Hier ist demnächst mehr drin“, hätte zum Beispiel die Steuerkonzepte plastischer und nachhaltiger transportiert, als ein Plakat „Reichtum für alle“. Viel Geld wird im Moment von Parteien aber auch Unternehmen für ganzseitige Anzeigen in der Tagespresse und …
Arkanum Group erhält internationale Auszeichnung
Arkanum Group erhält internationale Auszeichnung
… Group Inc. wurde am 15. September 2008 von der reomierten US-Steuerberatungsgesellschaft McCay, Robins & Partners mit dem Innovation Award für globale Steuerkonzepte ausgezeichnet. Der Preis wird alljährlich für herausragende steueroptimierende Struckturen verliehen, die es den Mandaten ermöglich im Einklang mit den jeweiligen Steuergesetzen ihr …
Bild: Steigerungen der Strompreise im Jahr 2012 erwartetBild: Steigerungen der Strompreise im Jahr 2012 erwartet
Steigerungen der Strompreise im Jahr 2012 erwartet
… den Stromanbieter Vergleich durchführen, um einen günstigeren als den gegenwärtigen Anbieter zu finden. Strompreise: Steigerungen im Jahr 2012 erwartet Großverbraucher werden entlastet, Privathaushalte zahlen Auch im Jahr 2011 haben Privathaushalte mehr als Großbetriebe für die EEG-Umlage, also die Förderung erneuerbarer Energien gezahlt. Professor Kemfert …
Bild: Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen StandortBild: Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen Standort
Mönchengladbacher Kanzlei des Finanzdienstleisters Telis AG verlagert seinen Standort
Mönchengladbach – Die Mönchengladbacher Kanzlei des auf Privathaushalte spezialisierten Konzerns Telis AG bezieht ab Mitte Dezember 2020 neue Räumlichkeiten an der Hennes-Weisweiler-Allee 14-18 in 41179 Mönchengladbach. Wie der Immobilienberater bienen+partner mitteilt, hat Telis im 1. Obergeschoss des Bürogebäudes MK5 eine Büroeinheit mit ca. 233 m² …
Bild: FORMAXX realisiert Anbindung von Versicherungsunternehmen mit der Softwarelösung X4 von SoftProjectBild: FORMAXX realisiert Anbindung von Versicherungsunternehmen mit der Softwarelösung X4 von SoftProject
FORMAXX realisiert Anbindung von Versicherungsunternehmen mit der Softwarelösung X4 von SoftProject
… bis hin zur Schadenmeldung auf Basis bestehender Branchennormen. Über FORMAXX Die FORMAXX AG gehört zu den wenigen unabhängigen Finanzdienstleistern in Deutschland. FORMAXXBerater betreuen Privathaushalte in allen Finanz- und Versicherungsfragen. Dabei sind die Berater als Makler rechtlich verpflichtet, im Interesse ihrer Kunden zu handeln. FORMAXX hat …
Steuervereinfachung ist nur die Steuer-vereinfachung der Andersdenkenden
Steuervereinfachung ist nur die Steuer-vereinfachung der Andersdenkenden
… der Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsplatz und der pauschalen Ermittlung der Gewinne bei Land- und Forstwirten. Die jetzigen heftigen Reaktionen verdeutlichen eines ganz klar: Radikale Steuerkonzepte sind Unfug. Sie zeigen aber auch: Die bisher vorgelegten Konzepte wurden bis zum vernichtenden Urteil der Finanzministerkonferenz vor drei Wochen von Teilen …
Das Blendwerk der FDP
Das Blendwerk der FDP
… und mittleren Einkommen steuerlich zu entlasten. Das materielle Steuerrecht fuer Arbeitnehmer ist nicht so kompliziert, wie die Verfechter der Radikal-Steuerkonzepte behaupten. Steuervereinfachung dient insofern mittlerweile als reines Blendwerk. Dabei kommen Verteilungsgerechtigkeit und Finanzierungsfragen vollkommen unter die Raeder. Die FDP macht …
Münchner Steuerboutique Lemaitre Taxperience heißt jetzt LW TAX Lemaitre Wittkowski
Münchner Steuerboutique Lemaitre Taxperience heißt jetzt LW TAX Lemaitre Wittkowski
… Leistungsspektrum von LW TAX gehören die Betreuung von Unternehmen und Privatpersonen in allen Steuerfragen. Kernkompetenz der Kanzlei sind länderübergreifende Steuerkonzepte und Spezialthemen wie Unternehmenstransaktionen (M&A), Sanierung, Restrukturierung oder der grenzüberschreitende Mitarbeitereinsatz. LW TAX steht hier häufig auch anderen Steuerkanzleien …
Sie lesen gerade: Steuerkonzepte der Parteien entlasten Privathaushalte höchst unterschiedlich