openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Womit buddhistische Mönche Geld verdienen

15.09.201713:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Tagung am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung zur ökonomischen Lage buddhistischer Klöster

Am 21. und 22. September 2017 findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung eine Tagung mit dem Titel "Sangha Economies: Temple Organisation and Exchanges in Contemporary Buddhism" statt. Zwanzig Experten beschäftigen sich dabei unter anderem mit der Frage, ob und wie die religiöse Verpflichtung zur Armut mit den vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten buddhistischer Mönche vereinbar ist. Organisiert wurde die Tagung von Christoph Brumann, Saskia Abrahms-Kavunenko und Beata Switek, die in der Forschungsgruppe Buddhist Temple Economies in Urban Asia zusammenarbeiten.



---
Klöster als Wirtschaftsfaktoren
Die ersten Buddhisten waren umherziehende Bettelmönche ohne festen Wohnsitz. Doch ihre Nachfolger wurden im Laufe der Zeit sesshaft und gründeten Klöster, in denen Hunderte und manchmal Tausende von Mönchen und Nonnen zusammenleben. Diese in der altindischen Sprache Pali als Sangha bezeichneten Klostergemeinschaften haben sich zum Teil zu erheblichen Wirtschaftsfaktoren entwickelt. „In kaum einer anderen Religion spielt das Klosterleben eine ähnlich große Rolle“, sagt Prof. Dr. Christoph Brumann, Forschungsgruppenleiter in der Abteilung ‚Resilienz und Transformation in Eurasien’ am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung. „Deshalb ist es erstaunlich, dass es bisher fast keine Forschung zur ökonomischen Organisation von buddhistischen Klöstern gibt. Denn es ist ja klar, dass die Mönchsgemeinschaften vielfältige wirtschaftliche Beziehungen pflegen müssen, um ihr Leben zu bestreiten.“

Ökonomischer Erfolg und Armutsverpflichtung
Forschungen zum Buddhismus haben sich bisher häufig mit den umfangreichen religiösen Vorschriften befasst, die das irdische Dasein detailliert regeln. So haben Mönche kein Privateigentum und im Leben eines Buddhisten sollte materieller Wohlstand niemals vom Wesentlichen – dem Pfad der Erleuchtung – ablenken. „Gerade diese von der Glaubensgemeinschaft erwartete und geforderte Wirtschaftsferne macht die Forschung zur Ökonomie des Buddhismus für uns so interessant“, sagt Brumann. „Denn die Mönche leben neben den Spenden, die sie von der Gemeinde erhalten, auch davon, dass sie Dienstleistungen anbieten. Das sind oft Bestattungs- und Gedenkrituale, die für Gläubige zwingend vorgeschrieben sind.“ In vielen Gegenden haben diese Dienstleistungen einen Preis, den die Mitglieder der Gemeinde alle genau kennen. „Man redet darüber nicht öffentlich“, sagt Brumann. „Und dennoch ist jedem klar, dass der Priester für seine Leistungen bezahlt wird. Die Priester sehen diese Bezahlung allerdings nicht als Kompensation für eine Leistung, sondern eher als Ausdruck des Dankes für einen uneigennützigen Dienst am Gläubigen.“

Diskussionen um Wohlstand und Geld
Brumann und seine Forschergruppe haben in umfangreichen ethnologischen Feldstudien im tibetischen Teil Chinas, der Mongolei, der russischen Republik Burjatien und Japan genau beobachtet, wie Priester und Gläubige mit diesem Widerspruch zwischen religiösen Erwartungen und pragmatischem Handeln umgehen. Denn es ist für die Öffentlichkeit unübersehbar, dass es Klöster und buddhistische Dienstleister gibt, die großen wirtschaftlichen Erfolg haben. Brumann: „Das gefällt natürlich nicht jedem. Und deshalb ist der Umgang mit Wohlstand und Geld in buddhistischen Gemeinden ein immer wiederkehrendes Thema, das kontrovers diskutiert wird.“ Sowohl die Geistlichen als auch die Laien müssen den Austausch von Wirtschaftsgütern rechtfertigen und mit der Armutsverpflichtung der Mönche in Einklang bringen. Das gelingt manchmal gut und manchmal weniger gut. „In Japan hat es beispielsweise für erhebliches Aufsehen gesorgt, als ein Unternehmen die Dienstleistungen von Priestern über Amazon angeboten hat. Denn durch dieses offensive Eintreten in einen wirtschaftlichen Markt werden alle normativen Erwartungen an einen buddhistischen Geistlichen unterlaufen“, erklärt Brumann.

Keine zentrale Organisation
Die Vielfalt der buddhistischen Lebensformen macht es unmöglich, ein allgemeines Muster im wirtschaftlichen Engagement zu finden. Im wohlhabenden Japan, wo die Tempel meist nur von einem einzelnen Priester und seiner Familie organisiert werden, sind die Bedingungen ganz andere als in China oder den postsozialistischen Ländern. „Da es im Buddhismus keine zentrale Organisation und Verwaltung gibt, haben sich die buddhistischen Gemeinschaften in den vergangenen 2500 Jahren sehr unterschiedlich entwickelt. Aber genau das macht sie für die ethnologische Forschung so interessant“, sagt Brumann.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der in Europa führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit der Ernennung der dritten Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung, befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

Das Tagungsprogramm als PDF: http://web.eth.mpg.de/data_export/events/5958/Preliminary_Programme_WS_SanghaEconomies.pdf

Kontakt für diese Pressemitteilung
Prof. Dr. Christoph Brumann
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‚Resilienz und Transformation in Eurasien‘
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-204
Mail: E-Mail
http://www.eth.mpg.de/de/brumann

Kontakt für die Presse
Stefan Schwendtner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Abteilung Forschungskoordination
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-425
Mail: E-Mail
http://www.eth.mpg.de

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 969016
 372

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Womit buddhistische Mönche Geld verdienen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

Moralische Werte und wirtschaftliches Handeln in Eurasien
Moralische Werte und wirtschaftliches Handeln in Eurasien
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung veranstaltet vom 6. bis 9. Dezember 2017 in der Leucorea in Wittenberg, Collegienstraße 62, eine Tagung mit dem Titel Moral Economies: Work, Values and Economic Ethics. Über 30 Wissenschaftler diskutieren dabei auf Basis empirischer Forschungsdaten aus der Untersuchung von Familienbetrieben über die moralischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns in Eurasien. Den Eröffnungsvortrag hält der Sozialphilosoph Hans Joas. Er spricht über die zentralen Thesen seines neuen Buches Die Macht des Heil…
Diskussionsveranstaltung: Globale Ursachen für Flucht und Vertreibung
Diskussionsveranstaltung: Globale Ursachen für Flucht und Vertreibung
Am Dienstag, 14. November 2017 findet um 19:00 Uhr im Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Wohin? Was passiert, wenn Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren“ statt. Dazu werden zunächst in Kurzvorträgen sieben ethnographische Fallstudien präsentiert. Im Anschluss daran ist eine Diskussion der Wissenschaftler mit dem Auditorium vorgesehen. Die Veranstaltung ist öffentlich und findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe Max-Planck-Forum statt. Um Anmeldung per Mail unter forum@gv.mpg.de oder …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Angespannte Lage nach der Selbstverbrennung eines Tibeters am 6. Oktober in AmdoBild: Angespannte Lage nach der Selbstverbrennung eines Tibeters am 6. Oktober in Amdo
Angespannte Lage nach der Selbstverbrennung eines Tibeters am 6. Oktober in Amdo
… in Tibet. Wir leben hier in der Hölle auf Erden“. Anderen Quellen zufolge haben die Sicherheitskräfte nun die Kommunikationswege zu dem Kloster unterbrochen und vernehmen die Mönche. Sie suchen nach demjenigen, der als erster von der Selbstverbrennung erfuhr, und erklärten den Mönchen, daß sie keine Information und Bilder an auswärtige Kontakte senden …
Bild: Chinesische Vorstellungen über „Restaurierung“ von Klöstern bringen die Mönche in Rongpo in große BedrängnisBild: Chinesische Vorstellungen über „Restaurierung“ von Klöstern bringen die Mönche in Rongpo in große Bedrängnis
Chinesische Vorstellungen über „Restaurierung“ von Klöstern bringen die Mönche in Rongpo in große Bedrängnis
… an. Seit Anfang 2010 kontrollieren die Behörden nun den Verkauf der Eintrittskarten, die dem Staat 20.000 bis 30.000 Yuan pro Jahr einbringen. 2009 versprachen die Behörden den Mönchen, daß zur Versorgung der großen Gebetshalle eine neue Küche gebaut würde. Statt dessen errichteten sie ein großes, aus drei Räumen bestehendes Geschäft zum Verkauf von …
Bild: Kommerzialisierung einer buddhistischen Pilgerstätte in OsttibetBild: Kommerzialisierung einer buddhistischen Pilgerstätte in Osttibet
Kommerzialisierung einer buddhistischen Pilgerstätte in Osttibet
… zugänglich gemacht werden. Der Entwurf für den Bau dieser Straße zeigt, daß sie ganz nahe am Kloster Kirti verlaufen wird. Als die Baupläne bekannt wurden, erhoben etwa 700 Mönche des Klosters Einspruch gegen dieses Vorhaben der Behörden. Sie brachten ihre Besorgnis über die negativen Auswirkungen, die der Bau einer Straße auf das Kloster haben wird, …
Berichte über Explosion im Kloster Gonchen in Derge lassen Zweifel aufkommen
Berichte über Explosion im Kloster Gonchen in Derge lassen Zweifel aufkommen
… Provinzregierung von Sichuan eine Pressemitteilung über die Explosion, die sich am 12. Juli im Kloster Gonchen in Derge (chin. Dege) ereignet hatte und bei der zwei Mönche ums Leben kamen und vier weitere verletzt wurden. Der Provinzregierung zufolge gab es in einem Lagerraum für altehrwürdige Artefakte und Ritualgegenstände eine gewaltige Detonation, als …
Mönch in der Haft gestorben, zwei weitere zu langen Haftstrafen verurteilt
Mönch in der Haft gestorben, zwei weitere zu langen Haftstrafen verurteilt
… Bedingung, daß die Angehörigen ein Dokument unterschreiben, daß der Mönch an einer Krankheit gestorben sei. Da die Familie das nicht tun wollte, verbrannten die Behörden den Körper des Mönches ohne ihn seiner Familie auszuhändigen. Jigme Phuntsok war Mönch im Kloster Drepung in Lhasa gewesen und nach seiner Festnahme im März in das Gefängnis von Gormo verlegt …
Chinesische Sicherheitskräfte nehmen den Tibetern Geld und kostbare Gegenstände weg
Chinesische Sicherheitskräfte nehmen den Tibetern Geld und kostbare Gegenstände weg
Seit März hat die chinesische Regierung immer wieder Privathäuser, Klöster und Wohnquartiere von Mönchen durchsuchen lassen. Bei diesen Razzien haben die Kader der Arbeitsteams, die Kräfte der bewaffneten Volkspolizei (PAP) und die Soldaten zahllose Wertgegenstände einfach mitgenommen. Im Folgenden werden einige der Vorfälle geschildert, bei denen Tibetern …
Bild: China startet Verleumdungskampagne gegen die Mönche des Klosters KirtiBild: China startet Verleumdungskampagne gegen die Mönche des Klosters Kirti
China startet Verleumdungskampagne gegen die Mönche des Klosters Kirti
Nachdem vielerorts über den Abtransport von über 300 Mönchen aus dem Kloster Kirti berichtet wurde, gaben die staatlichen chinesischen Medien bekannt, daß die Mönche einer „Kampagne in Moralerziehung“ unterzogen würden. Sie haben es nämlich darauf abgesehen, den Ruf des Klosters Kirti und seiner Mönche zu schädigen. Am 19. April hatte das chinesische …
Bild: Der Tibeter Dorjee Rinchen verbrannte sich am 23. Oktober in LabrangBild: Der Tibeter Dorjee Rinchen verbrannte sich am 23. Oktober in Labrang
Der Tibeter Dorjee Rinchen verbrannte sich am 23. Oktober in Labrang
… Kanlho, in Brand. Nach einem Gerangel mit der chinesischen Polizei gelang es Ortsansässigen, seiner Überreste habhaft zu werden. Die Spannungen wuchsen, als die Sicherheitskräfte Mönche des Klosters Labrang daran hinderten, zu Dorje Rinchens Haus im Oberen Dorf Zayu zu laufen, um die letzten Riten durchzuführen. Daraufhin rezitierten die Mönche einfach …
Bild: Zusammenstoß zwischen Tibetern und chinesischen Milizen bei Gebetsfest in AmdoBild: Zusammenstoß zwischen Tibetern und chinesischen Milizen bei Gebetsfest in Amdo
Zusammenstoß zwischen Tibetern und chinesischen Milizen bei Gebetsfest in Amdo
… des jährlichen Gebetsfestes in der Region Amdo in Osttibet zu einem größeren Zusammenstoß zwischen den chinesischen Behörden und den dort lebenden Tibetern. Dutzende von Mönchen sollen festgenommen worden sein. Nachdem am 21. Februar ein Streit ausgebrochen war, befahlen die chinesischen Behörden im Bezirk Rebkong (chin. Tongren), Präfektur Malho, in …
Weitere zwei Mönche in Nagchu in Folge von Zusammenstößen festgenommen
Weitere zwei Mönche in Nagchu in Folge von Zusammenstößen festgenommen
… erfuhr, wurden in Folge der verschärften Umerziehungsmaßnahmen als Reaktion auf Zusammenstöße zwischen der ortsansässigen Bevölkerung und der bewaffneten Polizei nun zwei weitere Mönche festgenommen, weil sie sich geweigert hatten, an dieser Maßnahme teilzunehmen. "Die Mönche, Naning und Tarphel, wurden kürzlich verhaftet", berichtete ein befreundeter …
Sie lesen gerade: Womit buddhistische Mönche Geld verdienen