(openPR) In Stressmanagement-Workshops oute ich mich gerne als Fan des „rheinischen Zen“, denn als gebürtiger Kölner finde ich, dass die rheinische Mentalität in vielen Grundeinstellungen den Haltungen des Zen recht nahe kommt. So vermittelt sie, beispielsweise in den Paragrafen des Kölschen Grundgesetzes, wichtige Hilfen für den Umgang mit Stress.
Stress spielt sich ja vorwiegend im Kopf ab. Denn es sind nicht die Ereignisse wie Stau, Kollegenverhalten, schlechte Führung oder Zeitdruck, die Stress auslösen, sondern die Bewertungen, die wir diesen Ereignissen -zumeist unbewusst- geben. Diese Bewertungen sind ursächlich für unsere Befindlichkeit und zu diesen Bewertungen gibt es konstruktive Alternativen.
§1 Et is, wie et is
Jeglichem Ärger liegt die Bewertung zugrunde: so nicht! Der Psychotherapeut Viktor Frankl meinte einmal: „Wir leiden an dem, was wir nicht leiden mögen!“ So geraten wir aber in einen Widerspruch zur Wirklichkeit, denn der Stau ist jetzt einfach da, auch wenn wir ihn nicht leiden mögen. Der §1 empfiehlt daher: akzeptiere die Dinge, wie sie sind. Ins Lenkrad zu beißen, bringt gar nichts. Aber ein freier Kopf und ein ruhiges Gemüt bilden eine gute Basis für einen konstruktiven Umgang mit Ärger auslösenden Ereignissen. Das lehrt und übt zum Beispiel auch die Achtsamkeits-Praxis. Akzeptanz dessen, was ist, bedeutet nicht, dass es so bleiben muss. Deshalb macht es Sinn, hin und wieder berufliche und private Wirklichkeiten daraufhin abzuklopfen, womit ich leben lernen muss (das ist mehr, als ich glaube) und was ich wie ändern kann (das ist weniger, als ich gern möchte), anstatt sich sinnlos an diesen Gegebenheiten zu reiben oder in selbstschädigenden Ärger und Groll zu investieren. Auch unsere Sprache weiß, dass kein anderer uns ärgern kann, denn „ich ärgere mich!“
§2 Et kütt, wie et kütt - §3 Et hätt noch immer jot jejange
Ursache aller Ängste ist die Bewertung „ich schaffe das nicht/ das wird schlimme Folgen haben“. Und nichts ist so geeignet, uns den Boden unter den Füßen zu entziehen, wie unkontrollierte Ängste und Befürchtungen. Da heben wir leicht in katastrophisierende Phantasien ab. Ein kritisches Feedback vom Chef und wir sehen uns schon nach der Kündigung unter der Brücke leben. Da lädt uns der §2 ein, der Zukunft gelassen entgegen zu sehen, und der §3 erinnert uns an unsere Ressourcen. An das, was wir alles schon geschafft und bewältigt haben. Konstruktive Alternativen zu den angstmachenden Bewertungen sind daher: ich setze mich damit auseinander; ich bin gespannt, was ich für Erfahrungen mache; ich kann mir Hilfe holen. Oder auch: wie werde ich in einem halben Jahr darüber denken? Geteilte Ängste verlieren übrigens ihren monströsen Charakter, denn dann haben andere die Chance, uns wieder auf den Boden zu holen und uns zudem noch hilfreich zu beraten. Eine gute Methode ist auch, die katastrophisierenden Gedanken bis zur letzten Konsequenz durchzudenken („und wenn das passiert, was dann …?“) und sich im letzten Schritt zu fragen: „und wie wahrscheinlich ist das?“
§4 Wat fott is, is fott - §5 Nix bliev, wie et wor
Trauer bindet unsere Energien an die Vergangenheit. Sie lähmt vielfach. Ihr zugrunde liegt die Bewertung: ich brauch das aber. Egal ob es um den Verlust von Dingen, Personen oder Rollen geht. Ziel aller Trauerarbeit ist daher ein Einverständnis mit dem, was unabänderlich gegeben ist. Das kann Zeit benötigen. Aber in jedem Fall erinnert uns der §4 daran, dass Verluste unumkehrbar sind und dass es sich daher nicht lohnt, an Vergangenem zu haften oder Verluste rückgängig machen zu wollen (und sei es nur in der Phantasie). Wir benötigen in unserer Kultur ohnehin ein größeres Einverständnis mit dem Grundgesetz von Werden und Vergehen. So manche Change-Prozesse in den Unternehmen sind zwar eher Ausdruck von Aktionismus, aber trotzdem gilt: nichts bleibt auf immer und ewig, alles ist dem Wandel unterworfen. Chefs kommen und gehen, Eigentümer wechseln, Strategien kommen und gehen, Aufgaben und Prozesse wechseln, Ressorts werden neu zugeschnitten… Denn §5 sagt ganz realistisch: et bliev nix, wie et wor.
Nichts gegen Gefühle. Sie sind wichtige Hinweisgeber auf Gefahren, verletzte Interessen und Bedürfnisse. Aber die sie auslösenden Anlässe wirken oft wie Zerrlappen in der Hundedressur. Und da gilt: man kann sie mir zwar hinwerfen, aber niemand kann mich zwingen, mich in sie zu verbeißen. Ich kann sie auch einfach mit Distanz betrachten. Fragen Sie sich also immer wieder mal: kann ich das auch anders sehen? Und üben Sie Achtsamkeit, das nicht bewertende Wahrnehmen des augenblicklich Gegenwärtigen. Üben sie sich im rheinischen Zen ?.













