(openPR) Das Tetralemma bezeichnet ein ganz bestimmtes Format struktureller Aufstellungen. Es ist wohl eine der bekanntesten und faszinierendsten „Erfindungen“ von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd.
Das Tetralemma dient der Entscheidungsfindung, der Vereinigung von Gegensätzen, der Klärung von Standpunkten, der Überprüfung von Werten, der Aufhebung von Blockaden, der Sichtbarmachung von Übersehenem; und darüber hinaus kann es noch vieles mehr.
Hergeleitet wurde es aus der traditionellen indischen Logik, wo es als die „vier Ecken“ bekannt war. Diese „vier Ecken“ wurden im Rechtswesen verwendet zur Kategorisierung der möglichen Standpunkte, die ein Richter im Streitfall zwischen zwei Parteien einnehmen kann:
Er kann der einen Partei recht geben (1)
oder der anderen (2)
oder beiden (3)
oder keiner von beiden (4)
Von Nagarjuna, dem Begründer des Madhyamika-Buddhismus, wurden dann diese vier Positionen um eine vierfache Negation, d.h. um eine fünfte Position ergänzt, die alle Standpunkte wieder aufhob:
Weder die eine Partei hat recht,
noch die andere,
noch beide,
noch keiner von beiden (5)
Durch diese fünfte Position sollte eine Erstarrung im schematischen Denken verhindert werden.
Es geht also um die Entscheidungsnot, - das Dilemma -, das zwangsläufig entsteht, wenn es zwei Möglichkeiten gibt, die sich (scheinbar) nicht gleichzeitig erfüllen lassen:
Wer kennt nicht das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, zwischen zwei Entscheidungsmöglichkeiten hin- und hergerissen zu sein, weil man - unbewusst - davon ausgeht, nur das Eine oder das Andere machen zu können?!
Der Raum der denkbaren Möglichkeiten ist im Dilemma immer nur auf das Eine oder nur auf das Andere fokussiert.
Dass es darüber hinaus vielleicht auch die Möglichkeit von keines von beidem oder beides zu seiner Zeit gibt, oder dass es vielleicht auch etwas ganz anderes geben kann, fällt einem dann – während man im Dilemma steckt - im Traum nicht ein.
Man ist gewissermaßen in einem Tunnelblick gefangen, und der lautet: entweder – oder.
Und so pendelt der Mensch hin und her und her und hin, und am Ende landet er mit dem Allerwertesten unsanft zwischen den Stühlen auf dem Boden, anstatt dass er die vier Ecken in seiner Denkstube bemüht.
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