(openPR) Die unendliche Geschichte von Michael Ende gehört inzwischen zu den neuen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur. Bastian Balthasar Bux, der Held des Romans, muss eine Prüfung absolvieren, die vor ihm noch kein anderes Menschenkind lebend überstanden hat. Er muss sich selbst in einem Spiegeltor in dem Gegenteil von dem erkennen, was er ist.
„Der Feige wird sich als mutig erleben und der Mutige als feige“, Atréju, der von Courage strotzende beherzte Jägerjunge aus dem Reich Phantasiens, wo der Roman spielt, bereitet Bastian auf die Prüfung vor. Ja, und dann steht Bastian vor dem Spiegeltor und erkennt in sich Atréju, wie auch Atréju in sich Bastian erkennt...
Menschen, die spirituelle Höhen erklimmen wollen und sich spirituellen Initiationen mit den dazu gehörenden Prüfungen aussetzen, können ein Lied davon singen. Denn bevor der Anwärter spiritueller Ränge seine Ganzheit nicht erkannt und angenommen hat, gibt es auf dem Pfad kein Weiterkommen. Und zur Ganzheit gehört immer das volle Spannungsfeld von Plus zu Minus, von Positiv zu Negativ und umgekehrt.
Anders ausgedrückt:
Mit jedem Begriff, den ein Mensch bildet, hat er gleichzeitig einen Gegenbegriff gebildet, weil mit jeder Begriffsbildung eine Grenzziehung einhergeht, - nämlich die Grenzziehung zwischen dem, was innerhalb des Begriffes steht und dem, was nicht innerhalb des Begriffes steht.
Zum Beispiel der Begriff Ich. Mit der Begriffsbildung Ich wird nicht nur definiert, was zum Ich gehört, sondern es wird gleichzeitig auch definiert, was außerhalb der Grenzziehung liegt, das Nicht-Ich.
Jede Begriffsbildung hat also immer Dreierlei zum Grunde:
Die Grenzziehung (im Beispiel von oben: die Linie, wo das Ich beginnt und endet),
das von der Grenzziehung Eingeschlossene (im Beispiel von oben: das Ich) und
das von der Grenzziehung Ausgeschlossene (im Beispiel von oben: das Nicht-Ich).
Fazit:
1)
Zum Ich gehört immer und untrennbar auch ein Nicht-Ich
2)
Zum Gut-Sein gehört immer und untrennbar ein Nicht-Gut-Sein, sprich ein böse-sein
3)
Zum Bewusst-Sein gehört immer und untrennbar ein Nicht-Bewusst-Sein
Mit anderen Worten:
Der “ganze” Mensch ist der Mensch aus “gut” und “böse”. Wie auch immer “gut” und “böse” definiert sind, der Mensch trägt beides in sich.
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