(openPR) Seit dem Siegeszug des „Craft Beers“ haben sich Wahrnehmung und Zielgruppe von Deutschlands beliebtestem alkoholischen Getränk grundlegend verändert. Weil Bier plötzlich nicht mehr nur bitter, sondern nach Apfel-, Karamell- oder Café-Noten schmeckt, interessieren sich immer mehr Frauen für den goldenen Gerstensaft. Bier-Sommelière Sarah Schinkel aus dem nordhessischen Witzenhausen ist eine davon.
Allein die Vorstellung, dass jemand an den Tisch kommt und die aromatischen Unterschiede der Biere auf der Karte erklärt, war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Doch es ist Bewegung in Deutschlands Bierszene gekommen, die sich so lange auf ihrem Deutschen Reinheitsgebot ausgeruht hatte, bis sie sich auf dem sicheren Weg in die Krise befand. Währenddessen hat in England, den USA und Skandinavien die „Craft Beer“-Bewegung mit ihren „Micro Breweries“ eine neue Klientel für handgemachte Biere herangezogen. Parallel dazu entwickelte sich eine eigene Gastronomielandschaft, in der ebendiese Biere ausgeschenkt werden.
Weizen, Stout und Helles, India Pale Ale, Lager und Porter: Wodurch genau die Unterschiede in Farbe, Schaum und Geschmack entstehen, weiß ein Bier-Sommelier. Rund 1.500 arbeiten mittlerweile im deutschsprachigen Raum, darunter knapp 100 Frauen. Seit April 2017 gehört auch Sarah Schinkel aus Witzenhausen im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis dazu.
Für ihre Ausbildung zur Diplom Bier-Sommelière an der Doemens Akademie in München und Salzburg hat die 27-jährige Tourismuskauffrau 250 Biersorten aus ganz Europa verkostet, Fachwissen gebüffelt, sich mit Brau-Techniken vertraut gemacht und vor allem ihre Geschmacksknospen sensibilisiert. „Im Gegensatz zum Wein, der rund 1.200 Aromen besitzt, hat Bier mehr als dreimal so viele – von Lakritz, Zitrone bis Karamell ist alles dabei“, erläutert Sarah Schinkel. Ein weiterer Unterschied zum Wein-Verkosten: Bier wird nicht nur im Mund bewegt, sondern heruntergeschluckt, da man das „Bitter“ des Hopfens nur mit dem hinteren Teil der Zunge schmeckt. Und weil die Geschmacksknospen beim ersten Schluck nicht alle Eigenheiten des Biers erfassen können, benötigt man mindestens zwei Schlucke.
Seit Beendigung ihrer Ausbildung hat sich Sarah Schinkel im elterlichen Biergarten in Sachen Bier-Beratung austoben können. So gibt es auf der Speisekarte zu jedem Gericht eine Bier-Empfehlung und auch eine eigene Bierkarte zu den hauseigenen Biersorten. Jetzt möchte sie sich auf ihre Bierseminare konzentrieren – in ihrem Heimat-Landkreis zwischen Kassel, Göttingen und Eisenach und später in ganz Deutschland.
CRAFT BEER AUS DEM WERRA-MEISSNER-KREIS
In Deutschland entstanden die ersten Craft Biersorten zuerst – ganz anders als so oft bei Trendprodukten – in kleinen, von jeher handwerklich ausgerichteten Brauereinen abseits der Metropolen. „Schinkels Brauhaus“ im nordhessischen Witzenhausen ist nicht nur die erste Bio-Brauerei Hessens, sondern auch eine der ersten Craft Beer-Brauereien des Landes. Seit 1997 braut Sarahs Vater Rainer Schinkel (56) ungefilterte und unpasteurisierte Biere, die sich deutlich von den Massenprodukten der Brauereikonzerne abheben (www.schinkels-brauhaus.de). Die regionale Verbundenheit der Zulieferer im Bio-Anbaugebiet rund um Witzenhausen, macht die hohe Qualität des kleinen Biersortiments aus. Mittlerweile ist Rainer Schinkel in ganz Deutschland unterwegs, wo er junge Craft Beer-Brauer bei der Auswahl und Installation der Braukessel bis zum fertig gebrauten Bier berät und begleitet.
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