(openPR) Berlin, 15. August 2006. Nach einer Studie der Unternehmensberatung BESTgroup haben die deutschen Automobilzulieferer ihre Produktions- und Logistikleistungen im letzten Jahr verschlechtert. Die Zulieferer sind mit steigenden Beständen, niedrigerer Wertschöpfung pro Mitarbeiter und langfristig sinkenden Umsatz- und Kapitalrenditen gegenüber dem Vorjahr zurückgefallen. Sowohl Material- als auch Fertigwarenbestände steigen, eine Folge von Materialengpässen, steigender Variantenvielfalt und der Verlagerung in Niedriglohnstandorte. Die Kostenfalle schlägt zu: Um den Kostendruck der Automobilhersteller genüge zu tun, führen die Verlagerungen in Niedriglohnstandorte zu steigenden Beständen und gleichzeitig steigen die Materialkosten – Die Einsparungen beim Lohn werden durch den Kostenanstieg in den Logistik- und Materialkosten aufgefressen. Während einige Top-Unternehmen dem Branchentrend entgegenlaufen und die Logistikleistung verbesserten, steigt der Handlungsbedarf bei den durchschnittlichen Unternehmen: Diese könnten ihren Lagerbestand um ein Drittel reduzieren und mit dem gleichen Personal ein Viertel mehr Umsatz machen, wenn sie die Leistungen der besten Konkurrenten erreichten.
Bei den Lagerbeständen ergeben sich beträchtliche Leistungsdifferenzen zwischen den Unternehmen: Das schlechteste Unternehmen hat mehr als die dreifache Lagerbestandsreichweite des besten Unternehmens. BESTgroup-Geschäftsführer Dr. Torsten Becker verdeutlicht die Effekte: „Der Lagerbestand ist insgesamt um fast 5% gestiegen, mit einigen Ausreißern. Wenn das schlechteste Unternehmen sich in einem Jahr auf die Bestleistungen im Lagerbestand steigern könnte, würde es ein Sechstel des Jahresumsatzes an Liquidität gewinnen. Diese Unterschiede sind nicht durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, sondern durch radikale Prozessoptimierungen zu beseitigen. Verbesserte Logistik- und Produktionsprozesse wirken: Einige Unternehmen haben ihre Bestandsreichweite nach den Studienergebnissen über mehrere Jahre um ein Drittel gesenkt. Bei einigen Projekten haben wir die Bestandsreichweite um bis zu 40% an einem Standort innerhalb eines Jahres gesenkt, aber dafür waren erhebliche Veränderungen erforderlich.“
Bei den Material- und Fertigfabrikatelagerbeständen zeigt sich ein deutlicher Anstieg in diesem Jahr. Materialversorgungsengpässe, beispielsweise beim Stahl, können aber nur einen Teil dieses Knicks in der langfristigen Bestandsentwicklung erklären. Bei den Fertigfabrikaten wirken sich die steigende Variantenvielfalt, längere Transportwege und höhere Sicherheitsbestände aus. Dr. Becker illustriert: „Die Zulieferer sind in einer Sandwichposition. Versorgungsprobleme der Unterlieferanten und der Druck der OEM führen zu diesen ungewünschten Bestandseffekten. Lagerbestandsreduzierungen sind nur im Umlaufkapital erreicht worden, die aber den Lagerbestandsanstieg bei Material und Fertigprodukten nicht ausgleichen konnten. Der langfristige Trend der letzten Jahre zu niedrigeren Bestandsreichweiten ist zum ersten Mal umgekehrt worden.“
Während die Mitarbeiter bei durchschnittlichen Unternehmen den gleichen Wertschöpfungsbeitrag geleistet haben wie im Vorjahr, haben die besten Unternehmen ihre Wertschöpfung je Mitarbeiter um fast 2% gesteigert. Der Umsatzanstieg wurde durch eine gestiegene Mitarbeiteranzahl und steigende Materialkosten kompensiert. Die Differenz zwischen dem Durchschnitt und den besten Unternehmen steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Auf Basis einer Auswertung öffentlich verfügbarer Informationen von über zwanzig großen oder börsennotierten deutschen Automobilzulieferunternehmen hat die BESTgroup wesentliche Kennzahlen für die Automobilzulieferindustrie bestimmt und in der Studie BESTlogistics veröffentlicht. Die Studie betrachtet logistikrelavante Kennzahlen, wie Bestandsreichweiten, Wertschöpfung je Mitarbeiter, Cash-to-Cash-Zykluszeit und die Kapitalrendite über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Nach diesen Studienergebnissen haben die Unternehmen im Jahr 2005 weitere Einbußen an der Umsatzrendite hinnehmen müssen, als Folge des starken Kostendrucks. Nur durch Akquisitionen konnten einige Unternehmen den Umsatz deutlich steigern, langfristig sinkt der Umsatzwachstum in der Branche kontinuierlich. Mit weiteren Prozessverbesserungen lassen sich die Forderungen der Automobilhersteller nach weiteren Kosteneinsparungen erfüllen, die zu zusätzlichen Umsatz und steigenden Renditen führen.
Die Kenngröße Cash-to-Cash-Zykluszeit, die unter Berücksichtigung von Lagerbestandsreichweite sowie Reichweiten von Forderungen und Verbindlichkeiten einen guten Maßstab für das operative Management eines Unternehmens darstellt, ist von 2004 auf 2005 fast gleich geblieben. Bei minimalen Verschiebungen der durchschnittlichen Unternehmen haben die besten Unternehmen in dieser Kennzahl Federn lassen müssen. Bereits im zweiten Jahr in Folge steigt der Wert für die besten Unternehmen. Die deutliche Steigerung von Umlauf- und Anlagevermögen reduziert die Steigerung der Kapitalrendite.
Dr. Becker erläutert: „Die Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer bei steigender Variantenvielfalt werden durch höhere Fertigfabrikatbestände und überproportional steigende Personalzahlen erkauft. Die Auswirkungen der immer komplexeren Lieferketten werden auch in den Beständen deutlich. Nur operative Prozessverbesserungen mit verkürzten Reaktionszeiten senken Kosten und reduzieren Bestände – die Potenziale für radikale Verbesserungen sind in vielen Unternehmen nachweisbar. Beste Produktions- und Logistikleistungen werden auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken.“
Die Studie BESTlogistics 2006 für Automobilzulieferer ist bei BESTgroup in Berlin (Fax 030/200390-12, Email










