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Neue Therapien brauchen mehr Forschung

31.05.201716:10 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) 101. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 22. bis 24. Juni 2017 in Erlangen: Erfahrungsaustausch und neue Behandlungsansätze am Beispiel von Pankreas- und Urothelkarzinomen

Rund 480.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Krebs. Je nach Krebsart bestehen nach der Erstdiagnose gute bzw. schlechte Prognosen.


Etwa zwei bis drei Prozent aller bösartigen Erkrankungen entfallen auf das Pankreaskarzinom. Betroffen sind vor allem Männer im Alter ab 60 Jahren.

„Das Pankreaskarzinom gehört zu den Tumorerkrankungen mit einer sehr schlechten Prognose. Er entwickelt sich, das weiß man heute, in einer Zeit von zehn bis 15 Jahren, wird aber in der Regel erst sehr spät entdeckt, wenn Symptome wie starker Gewichtsverlust oder Gelbsucht durch gestaute Gallenflüssigkeit auftreten.

Pankreaskarzinom – frühe Metastasierung in Lymphknoten

„Diese Tumorart entwickelt früh Tochtergeschwülste in den Lymphknoten, über die die Tumorzellen in andere Organe gelangen“, erklärt Prof. Dr. med. Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie an der Ruhr-Universität in Bochum. „Rund ein Drittel der Tumoren werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, wenn sie bereits Metastasen ausgebildet haben. Hierbei sind am häufigsten Leber, Lunge und Knochen betroffen.“

Unterschieden werden zwei Formen des Pankreaskarzinoms. Rund 95 Prozent zählen zu den sogenannten Adenokarzinomen, die von dem exokrinen Gewebe der Bauchspeicheldrüsengänge ausgehen. Seltener sind die neuroendokrinen Tumoren, die in dem hormonbildenden, endokrinen Gewebe der Bauchspeicheldrüse ihren Ursprung haben.

Was sind die Schwierigkeiten bei der Diagnose dieser Tumorart? „Es gibt keine Chance, mit bildgebenden Verfahren im Rahmen eines flächendeckenden Screenings frühzeitig kleinere Gewebe-Läsionen im Organ festzustellen“, so die Pathologin. „Auch Biopsien sind aufgrund der Lage der Bauchspeicheldrüse nur schwer möglich. Viele Patienten haben zudem eine chronische Pankreatitis, die mit einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes einhergeht, was eine Erkennung von Tumorzellen erschwert.“

Genetisch heterogene Erkrankung

Hinzu kommt, dass der Tumor eine schwierige Tumorbiologie aufweist. Auch wenn viele Karzinome eine Mutation des KRAS-Gens zeigen, handelt es sich beim Pankreaskarzinom um eine genetisch sehr heterogene Erkrankung. Bislang gibt es noch keinen biologischen Marker, der eine frühe und zuverlässige Diagnose des Pankreaskarzinoms erlaubt.

Pankreas-Operationen zählen zu den komplizierten Hochrisiko-Eingriffen, da das Organ nur schwer mit seinem gesamten Gewebe entfernt werden kann. „Dabei haben nur Patienten mit Geschwülsten, die auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt sind und noch keine Lymphknoten- oder Fernmetastasen ausgebildet haben, eine Chance auf Heilung“, betont Prof. Tannapfel.

Auf der 101. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 22. bis 24. Juni in Erlangen tauschen Experten ihre Erfahrungen mit potenziellen molekularen Markern und neuen Diagnostikverfahren zum Pankreaskarzinom aus. Ziel ist es, dieser Tumorart in einem frühen Entwicklungsstadium auf die Spur zu kommen.

Urothelkarzinom – fünfthäufigste Tumorart

Zum weltweit fünfthäufigsten Tumor zählt das Urothelkarzinom. Als bösartige Krebsform betrifft es die Harnblase, das Nierenbecken und den Harnleiter. „Die ableitenden Harnwege sind von einem drei bis sechs Zellschichten hohen Epithel, dem sogenannten Urothel, ausgekleidet. Unterschieden werden dabei zwei durch verschiedene genetische Veränderungen ausgelöste Tumorformen – das papilläre, meist nicht invasive und das solide, oft schon invasiv wachsende Karzinom“, erklärt Prof. Dr. med. Arndt Hartmann, Direktor des Pathologischen Institutes am Universitätsklinikum Erlangen. „70 Prozent der Tumoren zählen glücklicherweise zu den lokal begrenzten, nicht invasiven oberflächlichen Tumoren mit einer exzellenten Prognose. Bei 50 Prozent der Patienten tritt der Tumor innerhalb von fünf Jahren erneut auf, bei manchen bis zu sechs oder sieben Mal. Dies macht diese Tumorart aufgrund der hohen Behandlungsfrequenz zur teuersten Karzinomart für unser Gesundheitswesen. Bei der invasiv wachsenden und sehr aggressiven Variante ist die Prognose trotz verbesserter operativer Verfahren deutlich schlechter.“

Lange Zeit stand das Urothelkarzinom nicht im Fokus der Wissenschaft. Dass sich das ändern muss, dafür sprechen verschiedene Argumente: die hohe Belastung von Patienten durch wiederkehrende Behandlungen, fehlende schonende Therapien bei der aggressiven Form des Urothelkarzinoms und die hohen Kosten für das Gesundheitssystem.

„Insgesamt ergibt sich aus der klinischen und soziökonomischen Situation die dringende Notwendigkeit zur Entwicklung neuer molekularer Marker mit dem Ziel einer besseren Diagnostik, präziseren Prognosebestimmung und Therapiesicherheit“, so Prof. Hartmann. „Neue Therapien brauchen ein verbessertes Verständnis über die molekularen Abläufe bei der Entstehung und Entwicklung dieser Karzinomart. Hier müssen verstärkt wissenschaftliche Projekte angestoßen werden.“

Die Entdeckung von Mikrometastasen in Lymphknoten und Knochenmark können Möglichkeiten für eine frühzeitige Therapie eröffnen, um vereinzelt zirkulierende Tumorzellen zu entfernen. Auch eine verbesserte Methodik zum Stand der Metastasierung kann helfen, geeignete adjuvante Chemotherapien in frühen Tumorstadien zu bestimmen. Hier sind insbesondere die Immuntherapien ein sehr vielversprechender neuer Therapieansatz. Diese und andere Themen zum Urothelkarzinom diskutieren Experten auf der Jahrestagung in Erlangen. Weitere Informationen unter www.pathologie-dgp.de.

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