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Entwicklung einer Alkoholsucht

03.05.201712:23 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Entwicklung einer Alkoholsucht
Frank Pfeffer
Frank Pfeffer

(openPR) Wissenswertes

In Deutschland ist Alkohol eine gesellschaftlich akzeptierte Droge: durchschnittlicher Konsum pro Kopf und Jahr ca. 118 l Bier, 24 l Wein/Sekt, 6 l Spirituosen. Zu beachten ist allerdings, dass 50 % des Alkohols von nur 7 % der Bevölkerung getrunken wird. D.h. 93 % trinken wenig oder nichts, während der Rest den Löwenanteil verbraucht (und wahrscheinlich ein Alkoholproblem hat).



Laut WHO ist Alkoholabhängigkeit eine chronische Verhaltensstörung, bei der Alkohol über das sozial verträgliche, für Individuum und Gesellschaft ungefährliche Maß hinausgeht und die Gesundheit und die soziale Eingliederung in Familie und Arbeitswelt stört.
Das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt 3 : 1.

Drei Formen problematischen Trinkens:

Riskanter Konsum: ca. 5 Mio. in Deutschland, Konsum reiner Alkohol/Tag über 12 g (Frau, entspricht ca. 0,3 l Bier oder 0,15 l Wein/Sekt) und 24 g (Mann, entspricht ca. 0,5 l Bier oder 0,3 l Wein/Sekt).

Schädlicher Konsum: ca. 2,7 Mio. in Deutschland, erste körperliche, psychische oder soziale Schäden ohne dass die Abhängigkeitskriterien erfüllt sind.

Abhängigkeit: ca. 1,6 Mio. in Deutschland.

Für die Diagnose Alkoholabhängigkeit sollten mindestens drei der folgenden Kriterien sollen innerhalb eines Jahres erfüllt sein:

Zwang zu trinken (Starker Drang)

Vernachlässigung anderer Interessen (zu Gunsten des Trinkens)

Entzugserscheinungen (u.a. Nervosität, zittern, schwitzen)

Toleranzentwicklung (größere Mengen)

Fortgesetzter Konsum trotz körperlicher, psychischer und sozialer Folgen

Kontrollverlust (Unfähigkeit, nach Trinkbeginn den Konsum auf ein vertretbares Maß zu beschränken)


Vier Formen des Trinkverhaltens bei Alkoholabhängigen

In Anlehnung an die bekannte Typologie von Jellinek (1960) lassen sich folgende vier Formen des Trinkverhaltens bei einer Alkoholabhängigkeit unterscheiden. Allerdings sind auch Mischformen möglich:

Konflikttrinken (Alpha-Trinker): Die Abhängigkeit besteht darin, dass der Betroffene in ganz bestimmten Situationen zu Alkohol greift, da er über keine anderen Lösungs- oder Bewältigungsmöglichkeiten verfügt. .

Rauschtrinken (Gamma-Trinker): Die Abhängigkeit besteht darin, dass der Betroffene es trotz bester Vorsätze nicht schafft, lediglich kleinere Mengen Alkohol zu trinken. Vielmehr endet sein Trinken meist in mehr oder weniger starkem Rausch (sog. "Kontrollverlust"),

Spiegeltrinken (Delta-Trinker): Die Abhängigkeit besteht darin, dass der Betroffene über den Tag verteilt Alkohol trinkt, um die Alkoholkonzentration im Blut nie unter einen bestimmten "Spiegel" sinken zu lassen, da sonst unangenehme Entzugserscheinungen auftreten.

Periodisches Trinken (Epsilon-Trinker): Die Abhängigkeit besteht darin, dass der Betroffene trotz zwischenzeitlicher Abstinenz (bzw. unauffälligem Alkoholkonsum) immer wieder Phasen eines unkontrollierten Alkoholkonsums hat. Dem Betroffenen sind oft keinerlei Anlass oder Auslöser hierfür bewusst, weswegen er sog. "magisches" oder abergläubisches Denken zur Erklärung der Trinkphasen entwickelt.



2 Typen von Alkoholabhängigkeit (nach Cloninger, 1981)

Typ A Alkoholismus: Neurotischer Subtyp mit wenig Risikofaktoren in der Kindheit, spätem Beginn, wenig schweren Abhängigkeitssymptomen und wenig psychopathologischen und alkoholbezogenen Problemen. Hauptziel des Trinkens ist die Angstminderung.

Typ B Alkoholismus: Psychopathischer Subtyp mit verstärkten Risikofaktoren in der Kindheit, familiär gehäuftem Alkoholismus, frühem Beginn, schweren Abhängigkeitssymptomen und einer Vielzahl psychopathologischer und alkoholbezogener Probleme. Häufig gleichzeitiger Konsum von mehreren Suchtmitteln.


Entstehung von Sucht

Alkohol verursacht sowohl negative wie auch positive Konsequenzen:

Negativ

Probleme am Arbeitsplatz
Probleme mit Familie, Partner
Finanzen
Soziale Ablehnung
Gesundheitsschäden
Gefühl des Kontrollverlustes

Positiv

Selbstdarstellung, Identität
Soziale Anerkennung
Kontaktaufnahme
Spannungsreduktion
Stimulation
Genuss


Mit zunehmender Gewöhnung überwiegen zunächst die positiven Konsequenzen, da Alkohol eine zentralnervös-toxische Wirkung hat und das Belohnungszentrum (Nucleus Accumbens) aktiviert, was eine erhöhte Ausschüttung von Dopamin zur Folge hat. Man fühlt sich gut, glücklich, entspannt usw.

Die Gewöhnung entsteht durch Konditionierung (lernen durch Belohnung):

In einer neutralen oder positiven sozialen Situation wird durch Alkoholkonsum Genuss oder Entspannung ausgelöst. Folge: in anderen ähnlichen Situationen wird ebenfalls Alkohol getrunken, um erneut in den Genuss der positiven Erfahrungen zu kommen.

Ähnlich verhält es sich beim Trinken in unangenehmen Situationen. Hier führt der Alkoholkonsum zur Stressreduktion. Auch hier führen die angenehmen Erfahrungen zu wiederholtem Genuss. Allerdings wird für die Betroffenen die Reizschwelle immer niedriger. D. h. die Stressresistenz bzw. die Problemlösefähigkeit sinkt, die Trinkanlässe erfolgen in immer kürzeren Abständen, der Teufelskreis entsteht.

Durch die Gewöhnung in bestimmten Auslösesituationen immer wieder Alkohol zu trinken entsteht zunächst eine psychische, dann eine physische Abhängigkeit. Ein Ausstieg aus eigener Kraft ist dann extrem schwierig. Hier sollte eine Entwöhnungsbehandlung eingeleitet werden. Aufgrund der weit verbreiteten Alkoholproblematik gibt es in nahezu jeder Stadt Suchtberatungstellen und Selbsthilfegruppen.

Eine Alkoholabhängigkeit ist nicht in erster Linie eine Frage der Menge, Häufigkeit, Regelmäßigkeit oder Auffälligkeit des Alkoholkonsums. Wie ernst ein Alkoholproblem ist, lässt sich ausschließlich am Ausmaß der körperlichen, sozialen und psychischen Folgeschäden erkennen.

Alkoholabhängig ist jeder, der auf Alkohol nicht verzichten kann, ohne dass unangenehme Zustände körperlicher, oder seelischer Art auftreten (Entzugserscheinungen) oder der immer wieder so viel Alkohol trinkt, dass er sich oder anderen schadet.




"Warum trinkst Du?" fragte der kleine Prinz den Säufer.

"Um zu vergessen" antwortete der Säufer.

"Um was zu vergessen?" erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte.

"Um zu vergessen, dass ich mich schäme", gestand der Säufer und senkte den Kopf.

"Weshalb schämst Du Dich?" fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen.

"Weil ich saufe!" endete der Säufer.

Aus: Antoine de Saint-Exupery, Der kleine Prinz

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