(openPR) Ob sich Menschen in einem Ortsverein wohlfühlen, lässt sich an der Fluktuationsquote feststellen. In der Theatergesellschaft Bad Endorf tendiert dieser Wert gegen Null, die Mitglieder bleiben dem Verein oft ein halbes Jahrhundert oder noch länger treu.
Ein extrem hoher Wohlfühl-Faktor kann Annemarie Ramoser zugeschrieben werden, die für 60 Jahre Vereinsmitgliedschaft geehrt wurde. Sie steht nicht nur auf der Bühne, Frau Ramoser führt auch seit vielen Jahren die Regie im lustigen Sommerspiel und bekleidet außerdem das Amt des zweiten Vorstands. Ist Not am Mann, hilft sie auch im Kartenvorverkauf, organisiert den Vereinsausflug oder übernimmt nicht vorhersehbare Aufgaben. Ohne dafür eine besondere Gegenleistung zu verlangen.
Ebenfalls 60 Jahre dabei ist Gerhard Kristen, ein herausragendes Talent auf der Bühne, das zahlreiche Hauptrollen in den religiösen und lustigen Stücken verkörperte und dafür vor einigen Jahren zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Und Franz Krug, der nicht mehr so häufig auf der Bühne stehen kann, sich aber trotzdem in dieser außergewöhnlichen Gemeinschaft gut aufgehoben fühlt.
Auf ein halbes Jahrhundert Vereinsmitgliedschaft bringt es Simon Scharl, der auch bei extremsten Wetterbedingungen von Traunstein nach Bad Endorf fährt, um an den zahlreichen Proben und Aufführungen teilzunehmen.
Erster Vorstand Markus Mädler überreichte jedem der Geehrten ein handgemaltes Bild vom Bad Endorfer Theaterhaus. Hinzu kam eine Ehrenurkunde, ausgestellt vom Verband Bayerischer Amateurtheater. Leider ohne Ehrennadel, denn dort rechnet niemand mit solchen Extremfällen. Die höchste vom Verband verliehene Auszeichung ist die goldene Ehrennadel für 40-jährige Mitgliedschaft.
Richtig jung wirkt dagegen Johann Plank jr., der die silberne Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft erhielt. Das bedeutet aber nicht, dass die Theatergesellschaft Bad Endorf, wie viele andere Vereine, mit Überalterung zu kämpfen hat. Es rücken immer wieder junge Mitglieder nach. Im Jahr 2016 kamen Franziska Deindl, Emilia-Sophie Gianetta und Laura Manhart hinzu, die dafür eine vereinsinterne Anstecknadel für neue Mitglieder erhielten.
Ob auch sie 40 Jahre oder noch länger in diesem Verein bleiben werden? Oder ihm gar 70 Jahre die Treue halten? Wie es Juliane Schlaipfer tat, die dieses einzigartige Jubiläum leider nicht mehr erleben durfte und deshalb posthum geehrt wurde. Oder ihr Bruder Josef, der als Ehrenvorstand gerade auf das 70-jährige Vereinsjubiläum zusteuert und auf der Adventsfeier der Theatergesellschaft ein Geschenk zu seinem 80. Geburtstag erhielt. Über ihn hatte Vorstand Markus Mädler, der eine Arztpraxis in Bad Endorf betreibt, eine besondere Geschichte zu erzählen, die zeigt, wie treu die Mitglieder ihrem Verein verbunden sind. Als er ins Haus von Josef Schlaipfer gerufen wurde, riet er seinem Patienten zur Ruhe und einem Aufenthalt im Krankenhaus. Das kam für einen vereinstreuen Menschen wie Schlaipfer aber gar nicht in Frage. „Nix da, i muass Theater spuin“, schlug er den ärztlichen Rat in den Wind. Geschadet hat es ihm nicht. Herr Schlaipfer erfreut sich immer noch bester Gesundheit und steht weiterhin auf der Bühne.













